Das neue Archäologische Haus am Petriplatz in Berlin, ein ehrgeiziges Bauprojekt zur Erforschung der Stadtgeschichte, erhält hohe Erwartungen. Geplant als ein Ort des interaktiven Lernens, wird es kostbare Funde aus der Gründungszeit Berlins beherbergen. Professor Matthias Wemhoff, Landesarchäologe, beschreibt das zukunftsweisende Projekt als ”Arbeit für Jahrzehnte.” Die Eröffnung ist für Sommer 2025 vorgesehen. Bislang sind Handwerker beschäftigt, die nötigen Infrastrukturarbeiten zu veranlassen, während erste bedeutende Artefakte bereits in den neuen Räumen gelagert werden.
Ein besonderes Highlight des Archäologischen Hauses ist das Untergeschoss, das die beeindruckenden Fundamente der Cöllnischen Lateinschule zeigt, die aus der Zeit vor 800 Jahren stammen. Hier können Besucher direkt in die Geschichte der Stadt eintauchen. Wemhoff betont, dass der Besuch nicht nur bildend, sondern eine lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ermöglicht. „An diesem Ort kommen wir miteinander ins Gespräch: Die alten Berliner und die heutigen – und dazwischen wirkt die Forschung,“ erklärt er.
Verborgene Geschichte und archäologische Schätze
Zusätzlich wird das Besucherzentrum die Möglichkeit bieten, den Restauratoren während ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, was sowohl für die Fachleute als auch für die interessierten Bürger eine spannende Perspektive darstellt. Die Stabilität des neuen Gebäudes ist entscheidend, um die wertvollen Artefakte, darunter auch Funde von Heinrich Schliemann, zu bewahren. Laut Wemhoff können die Besucher die gesamte Palette archäologischer Arbeiten erleben und lernen, wie diese bedeutenden Funde aufbewahrt und katalogisiert werden.
Im Kontext der archäologischen Entdeckungen offenbart sich auch, wie die Sprache der frühen Berliner:innen geprägt war. Ein Gespräch zwischen Wemhoff und Claudia Melisch vermittelt, dass die damaligen Dialekte eine einzigartige Mischung aus verschiedenen deutschen Sprachregionen darstellten. „Das ist aber nicht belegt, der Urberliner spricht Mittelniederdeutsch,“ erklärt Melisch. Solche Erkenntnisse geben der regionalen Identität eine tiefere Dimension, die im neuen Zentrum weiter erforscht werden soll.
Berliner Zeitung