In der heutigen globalisierten Welt sind interkulturelle Ehen keine Seltenheit mehr. Ein bemerkenswertes Beispiel für die Herausforderungen und Freuden solcher Beziehungen bietet der Dokumentarfilm Beyond the Intersection, der von Christoph Felder inszeniert wurde. Dieser Film begleitet eine bi-nationale Familie über mehrere Jahrzehnte, beginnend in den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Die Geschichte beginnt mit Hanna Lamm, einer Wuppertalerin, die Joseph Adomako heiratet und nach der Unabhängigkeit der Goldküste nach Ghana zieht. Zu dieser Zeit waren Ehen zwischen Afrikaner:innen und Europäer:innen äußerst selten, und die Migration war kein gängiges Thema. Dennoch begleitet das Thema Migration die Familie bis heute und spiegelt sich in den Herausforderungen wider, die sie in verschiedenen Ländern, darunter England, Ghana, Deutschland und den USA, erlebt hat. Der Film wurde über einen Zeitraum von fast 20 Jahren entwickelt und entstand aus der Idee der Filmemacherin, die vor etwa 40 Jahren von Ghana nach Deutschland kam. Diese Familiengeschichte ist sowohl persönlich als auch universell und bleibt bis heute relevant (Quelle).
Eine interkulturelle oder bikulturelle Ehe, wie sie im Film thematisiert wird, beschreibt eine Ehe zwischen Angehörigen unterschiedlicher Nationalitäten, Ethnien oder Kulturen. Anders als bei interkonfessionellen und interreligiösen Ehen spielt die religiöse Weltanschauung in diesen Beziehungen keine primäre Rolle. Solche Ehen sind nicht nur ein Ausdruck persönlicher Entscheidungen, sondern auch Teil eines größeren gesellschaftlichen Wandels. Gesetze, die die Wahl des Ehepartners ethnisch, national, kulturell oder religiös beschränken, stehen im Konflikt mit dem Menschenrecht auf freie Wahl des Ehepartners, wie in Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten. In Deutschland beispielsweise gab es bis 1953 Gesetze, die die Staatsangehörigkeit von Frauen bei Eheschließungen mit Deutschen regelten, was die Dynamik interkultureller Ehen stark beeinflusste (Quelle).
Die Entwicklung interkultureller Ehen in Deutschland
Die Herausforderungen, vor denen interkulturelle Paare stehen, sind vielfältig. Historisch betrachtet erlebten binationalen Ehen einen Anstieg in den letzten Jahrzehnten. In den 1950er Jahren gab es über 10.000 binationalen Eheschließungen, und bis 1967 stieg diese Zahl auf 20.000. Ende der 1980er Jahre war bereits jede zehnte Ehe in Deutschland eine binationale. Dieser Anstieg ist nicht nur auf die zunehmende Migration von Arbeitskräften, Studierenden und Wissenschaftlern zurückzuführen, sondern auch auf die gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg und die deutsche Einheit. In Großstädten wie West-Berlin und Frankfurt war die Zahl binationaler Ehen sogar noch höher, was zeigt, dass regionale Unterschiede eine Rolle spielen (Quelle).
Die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Ehen ist jedoch oft von Vorurteilen und Skepsis geprägt. Insbesondere Frauen, die aus Deutschland mit ausländischen Männern verheiratet sind, sehen sich häufig Diskriminierung ausgesetzt. Der Film Beyond the Intersection thematisiert unter anderem die Schwierigkeiten, die eine deutsche Mutter hat, als ihre Tochter in Afrika lebt und einen nicht-deutschen Partner heiratet. Solche Herausforderungen sind Teil des komplexen Geflechts, das interkulturelle Ehen umgibt, und reflektieren tief verwurzelte gesellschaftliche Einstellungen. Dennoch zeigen Statistiken, dass binational verheiratete Paare tendenziell stabiler sind als Ehen innerhalb einer Nation, was die Bedeutung von interkulturellen Beziehungen in der heutigen Zeit unterstreicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass interkulturelle Ehen wie die im Film dargestellten nicht nur persönliche Geschichten erzählen, sondern auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Transformationen sind, die sich in Deutschland und weltweit vollziehen. Der Dialog über diese Beziehungen ist wichtig, um die Akzeptanz und das Verständnis für Vielfalt in unserer Gesellschaft zu fördern.