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In Berlin-Kreuzberg hat sich ein Paar Halsbandsittiche in einer Erle vor einem Biergarten niedergelassen. Diese bunten Vögel ziehen nicht nur die Aufmerksamkeit der Anwohner auf sich, sondern sind auch ein beliebtes Fotomotiv für Touristen geworden. Ursprünglich stammen Halsbandsittiche aus den Savannen und offenen Bergwäldern in Asien und Afrika, doch mittlerweile haben sie sich in verschiedenen deutschen Städten etabliert. Ihre Population, die derzeit zwischen 4.600 und 7.500 Brutpaaren geschätzt wird, zeigt eine steigende Tendenz. In Kreuzberg leben derzeit zwischen zwei und drei dieser Sittiche, die aus einer Käfighaltung stammen und seit etwa 2024 freilebend sind. Trotz ihrer Attraktivität sind sie aber auch eine potenzielle Gefahr für heimische Arten.

Silke Voigt-Heucke vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hebt hervor, dass Halsbandsittiche anpassungsfähig sind und sich insbesondere in städtischen Umgebungen bei mildem Klima gut vermehren können. Ihre Präsenz könnte jedoch langfristig negative Auswirkungen auf einheimische Vogelarten haben. Insbesondere die Konkurrenz um Brutplätze in Baumhöhlen könnte für Arten wie Kleiber, Stare oder Spechte problematisch werden. Voigt-Heucke warnt, dass die Fütterung durch Anwohner nicht notwendig ist, da die Vögel in städtischen Gebieten selbst Nahrung finden können. Diese Fütterung könnte sogar eine problematische Populationsentwicklung begünstigen.

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Erfahrungen aus anderen Städten

Die Erfahrungen aus anderen europäischen Städten zeigen, dass kleine Gründerpopulationen unter günstigen Bedingungen stark wachsen können. In Städten wie Köln, Stuttgart und Wiesbaden gibt es bereits etablierte Populationen von über 1.000 Halsbandsittichen. In Berlin konnte bisher jedoch keine stabile Population etabliert werden. Ein Versuch in den 90er Jahren scheiterte, vermutlich aufgrund einer hohen Anzahl an Habichten, kaltem Winter und einem Mangel an geeigneten Nahrungsquellen. Dies steht im Gegensatz zu Städten, in denen die Vögel gefüttert wurden, was in Berlin bislang nicht der Fall war.

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Ökologische Herausforderungen

Die Zunahme von Halsbandsittichen wirft auch Fragen zur Biodiversität auf. Laut dem WWF gelten Neophyten und Neozoen, also eingeschleppte Arten, nicht immer als invasiv. Eine Art gilt als invasiv, wenn sie sich im neuen Gebiet etabliert und einheimische Arten sowie Ökosysteme bedroht. In Deutschland sind 1.015 Neobiota-Arten registriert, von denen 449 Tierarten sind. Derzeit werden 107 gebietsfremde Arten als invasiv eingestuft. Die Halsbandsittiche könnten in diesem Kontext als eine potenziell invasive Art betrachtet werden, da sie heimische Arten durch Konkurrenz um Ressourcen und Brutplätze beeinträchtigen.

Die Klimakrise könnte zudem die Ausbreitung und Etablierung nicht heimischer Arten begünstigen, was die Situation für die einheimische Fauna noch weiter verschärfen könnte. Daher ist es wichtig, die Entwicklung der Halsbandsittiche in Städten wie Berlin genau zu beobachten und gegebenenfalls zu regulieren, um die Biodiversität zu schützen.

Insgesamt bleibt die Situation der Halsbandsittiche in Berlin und anderen Städten ein spannendes Thema, das sowohl die Wissenschaftler als auch die Öffentlichkeit in seinen Bann zieht.