Das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain wird ab März 2024 abgerissen. Diese Abrissankündigung wurde bereits beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eingereicht, und Baustadtrat Florian Schmidt von den Grünen hat die Pläne der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) bestätigt. Der Abriss wird in zwei Phasen erfolgen: Zuerst wird der Schwimmhallenbereich in Richtung Volkspark Friedrichshain saniert und abgerissen, was bis September 2024 abgeschlossen sein soll. In der zweiten Phase folgt der Rückbau des Funktionsgebäudes und der Außenanlagen. Um die Erinnerung an das Bauwerk zu wahren, sollen vier Stahlstützen erhalten bleiben. Trotz dieser Fortschritte äußerte Schmidt Bedauern über die zügigen Abrissarbeiten und die Missachtung demokratischer Prinzipien. Das Abgeordnetenhaus hat die Möglichkeit, den Abriss noch zu stoppen.
Auf dem Gelände des SEZ sollen insgesamt 550 neue Wohnungen und eine Gewerbefläche entstehen. Diese Pläne stoßen jedoch auf Widerstand: Eine Initiative sowie die SPD fordern den Erhalt des SEZ, während 150 Professor:innen und Wissenschaftler:innen in einem offenen Brief eine erneute Prüfung des Gebäudes anregen. Das SEZ wurde 1981 eröffnet und zog über die Jahre Millionen Besucher an. 2003 wurde das Grundstück samt Freizeitbad an einen Investor verkauft, der das SEZ 2024 schließlich zwangsgeräumt hat.
Neues Wohnquartier in Friedrichshain
Die Pläne der WBM basieren auf einem städtebaulichen Entwurf des Büros Stefan Forster GmbH, das den Zuschlag im qualitätsorientierten Auswahlverfahren erhielt. Eine Studie hat die Potenziale des Areals in der Nachbarschaft zum Volkspark Friedrichshain aufgezeigt und einen Entwicklungspfad für ein zukunftsfähiges und sozial ausgewogenes Stadtquartier skizziert. An der Schnittstelle von Landsberger Allee und Danziger Straße könnten sogar bis zu 680 Wohnungen realisiert werden, was rund einem Viertel mehr entspricht als ursprünglich angenommen. Davon wird die Hälfte als geförderter Wohnraum zur Verfügung stehen.
Die Erdgeschossflächen entlang der Landsberger Allee sind für Gewerbe-, Dienstleistungs- und Sportnutzungen vorgesehen. Das Ziel ist es, städtische Vitalität zu schaffen und eine Integration von Nahversorgung sowie sozialräumlichen Angeboten zu fördern. Das Quartier soll überwiegend in serieller bzw. modularer Bauweise entstehen, was Vorteile wie verkürzte Bauzeiten, reduzierte Belastungen für Anwohnende und erhöhte ökologische Effizienz mit sich bringt. Ein weiteres Ziel der WBM ist die Zertifizierung des Quartiers durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), wobei die höchste Auszeichnungsstufe, Platin, angestrebt wird.
Nachhaltigkeit und Erhalt historischer Bauten
In Berlin wird zunehmend Wert auf den Umbau historischer Bauten gelegt, anstatt diese abzureißen und neu zu bauen. Die Idee dahinter ist es, alte Bausubstanz für moderne Lebensformen zu nutzen und eine nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern. Historische Gebäude spiegeln nicht nur gesellschaftliche, sondern auch politische und ästhetische Kontexte wider und erfordern ein sensibles Vorgehen. Berlin bietet eine Vielzahl an Baustilen, darunter Gründerzeit, Moderne, Nachkriegsarchitektur und DDR-Bauten, die sich für Umnutzungen eignen.
Ein Beispiel für gelungene Revitalisierung ist das Projekt Sixty2, das ein ehemaliges DDR-Bürohaus in Berlin-Mitte in ein gemischtes Nutzungskonzept aus Wohnen, Arbeiten und Gastronomie umwandelt. Solche Projekte zeigen, dass durch die Revitalisierung historischer Gebäude CO₂ und Material gespart werden kann und der Stadtraum an Identität gewinnt. Der Umbau statt Abriss könnte auch für das SEZ eine Alternative darstellen, die sowohl den Erhalt der Geschichte als auch die Entwicklung neuer Wohnräume ermöglicht.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Situation rund um das SEZ entwickeln wird. Die Diskussion über den Erhalt des Gebäudes und die geplanten Neubauten zeigt die Herausforderungen und Chancen, die mit Stadtentwicklung in einem historischen Kontext verbunden sind.