Am 4. Juni 2025 feierte Ilse Schendel ihren 102. Geburtstag. Bei der Feier gratulierte Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner im Namen des Bezirksamtes. Ilse zeigt sich lebenslustig und humorvoll und äußert, dass sie nie gedacht hätte, so alt zu werden. Die Zahl „102“ empfindet sie als „nicht sehr kribbelnd“.
Obwohl ihr Allgemeinzustand gut ist, kämpft sie mit Schwierigkeiten in der Mobilität und der Konzentration, vor allem beim Kochen und Lesen. Ihr Gedächtnis verliert ebenfalls an Klarheit, was sie jedoch mit Gelassenheit und einem Schuss Selbstironie betrachtet. Ihre Familie, die aus Tochter, Enkeln und Urenkeln besteht und in unmittelbarer Nachbarschaft lebt, trägt wesentlich zu ihrem Lebensglück bei. Ilse wurde in ihrer Jugend stark von den Kriegszeiten geprägt und absolvierte eine Lehre als Schneiderin am Kurfürstendamm, bevor sie für die Firma „Theaterkunst“ arbeitete.
Der berufliche Werdegang
Im Laufe ihrer Karriere lernte sie zahlreiche Prominente kennen und schneiderte für sie besondere Kleidungsstücke. Dazu gehörten auch maßgeschneiderte Turnierkleider, unter anderem für die Tanzschule Mangelsdorff in Tegel. Diese Erlebnisse und Beziehungen zeugen von einem erfüllten Leben, das durch ihre kreative Arbeit bereichert wurde.
In der heutigen Gesellschaft sind zahlreiche ältere Menschen, wie beispielsweise Ilse Schendel, mit Einsamkeit konfrontiert. Ein Großteil dieser Senioren hat ihren Lebenspartner verloren oder sieht sich mit der Abwesenheit erwachsener Kinder konfrontiert. Diese Einsamkeit kann verschiedene Ursachen haben, welche sowohl physische als auch psychische Faktoren umfassen. Beispielsweise können Gesundheitsprobleme die Mobilität und Aktivität einschränken, während soziale Faktoren, wie der Verlust von Lebenspartnern, zu Isolation führen können. Unterschiedliche Studien zeigen, dass Einsamkeit schwerwiegende Folgen für die physische und psychische Gesundheit hat, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu einem erhöhten Risiko für Depressionen reichen.
Proaktive Ansätze zur Bekämpfung von Einsamkeit
Um den Herausforderungen im Alter besser zu begegnen, bieten verschiedene Programme Unterstützung. Ein Beispiel ist der „LeA®-Kurs“, der Senioren dazu ermutigt, in Gruppen aktiv zu bleiben und sowohl körperlich als auch geistig fit zu bleiben. Johanna Quis, eine Referentin bei der Altenseelsorge im Bistum Augsburg, koordiniert diesen Kurs, der aus Seminaren zu Themen wie Bewegung, Gedächtnistraining, Alltagskompetenz sowie Lebenssinn und Biografie besteht. Solche Kurse sollen helfen, das Bewusstsein für die lebensverbessernden Möglichkeiten im Alter zu schärfen und geistige und körperliche Fitness zu fördern.
Im Rahmen von Initiativen gegen Einsamkeit werden auch verschiedene Wege aufgezeigt, um soziale Kontakte zu fördern. Dazu zählen die Teilnahme an Gemeindeveranstaltungen, leitende Ehrenämter oder die Nutzung digitaler Technologien zur Kontaktaufnahme mit Freunden und Familie. Auch die Bildung von Freundschafts-Systemen und Gemeinschaftszentren für Senioren kann dazu beitragen, Isolation zu verringern und eine Verbindung zwischen den Generationen zu ermöglichen.
Zusammenfassend ist klar, dass Einsamkeit im Alter ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Es bedarf proaktiver Ansätze und gemeinschaftlicher Unterstützung, um die Lebensqualität älterer Menschen entscheidend zu verbessern. Die beispielhafte Lebensgeschichte von Ilse Schendel verdeutlicht, dass trotz aller Herausforderungen, ein liebevolles soziales Umfeld und aktive Teilnahme am Leben entscheidend zu einem glücklichen Alter beitragen.