Im Herzen Berlins wird derzeit eine faszinierende Filmreihe präsentiert, die sich mit einem bedeutenden Kapitel der Filmgeschichte auseinandersetzt. Unter dem Titel „Von Berlin nach Hollywood“ beleuchtet die Reihe die Schicksale jüdischer Filmschaffender, die während der Nationalsozialistischen Diktatur ins Exil gezwungen wurden. Diese Künstler prägten nicht nur das kulturelle Leben der Weimarer Republik, sondern hinterließen auch einen bleibenden Einfluss auf die Hollywood-Industrie. Viele von ihnen, wie der Regisseur Ernst Lubitsch und der Schauspieler Jack Benny, waren zentrale Figuren in der Filmgeschichte und ihre Werke sind heute Klassiker.
Die Filmreihe macht die Kontinuitäten zwischen den kreativen Schaffensprozessen in Berlin und Hollywood sichtbar und thematisiert die individuellen Lebenswege sowie die kollektiven Erfahrungen von Flucht, Exil und kultureller Neuverortung. Zu den gezeigten Filmen gehört unter anderem die Komödie „Sein oder nicht sein“ (1942), die von Ernst Lubitsch inszeniert wurde. Der Film erzählt von einer polnischen Schauspieltruppe im besetzten Warschau und nutzt die Schauspielkunst, um die Nazis zu täuschen und vorzuführen. Trotz anfänglicher Kritik entwickelte sich der Film zu einem Klassiker. Auf die Vorführung folgt eine Diskussion mit Experten wie Knut Elstermann und Kulturschaffenden, die die Relevanz und den historischen Kontext der Filme beleuchten.
Einblick in die Filmreihe
Anlässlich des 120. Geburtstags von Billy Wilder, einem der herausragendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts, wird die Filmreihe „Von Berlin nach Hollywood“ von der Stiftung Neue Synagoge, Urania und dem Jüdischen Filmfestival Berlin-Brandenburg veranstaltet. Der Auftakt findet am 17. März mit dem Film „A Foreign Affair“ (Eine auswärtige Affäre) von 1948 statt, in dem die legendäre Marlene Dietrich zu sehen ist. Am 24. März folgt die zweite Vorführung mit dem Film „Ninotschka“ von Ernst Lubitsch, der im Centrum Judaicum gezeigt wird. Weitere Filme, die Teil der Reihe sind, thematisieren die Erfahrungen von Flucht und Exil und deren Auswirkungen auf die Filmkultur.
Die Filmreihe ist nicht nur eine Hommage an die großen Künstler des Exils, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur. Der Austausch nach den Vorführungen ermöglicht es den Zuschauern, sich mit den komplexen Themen und der Geschichte hinter den Filmen auseinanderzusetzen. Die Ermäßigten Eintrittspreise sind dabei ein weiterer Schritt, um eine breite Teilhabe zu ermöglichen – Nachweise für Ermäßigungen müssen allerdings am Einlass vorgelegt werden.
Das Erbe des Exil-Kinos
Die Bedeutung der jüdischen Filmschaffenden wird besonders deutlich, wenn wir einen Blick auf Regisseure wie Fritz Lang werfen, der durch seine politischen Ansichten in die USA emigrierte und dort ein unverwechselbares Werk schuf. Langs Filme prägten den Film noir, eine Stilrichtung, die in den 1940er-Jahren entstand und durch ein Klima von Unsicherheit und Angst in der Nachkriegszeit beeinflusst war. Mit seinen Anti-Nazi-Filmen und der Ästhetik des Film noir hinterließ Lang einen bleibenden Eindruck im Hollywood-Kanon.
Filmhistoriker Jan-Christopher Horak bezeichnet das Exil-Kino als eine Kontinuität der deutschen Filmgeschichte und als Teil der Filmkultur des „anderen Deutschlands“. Viele Künstler, die in den USA arbeiteten, führten ihre Karriere in einem neuen kulturellen Kontext fort, und ihre Erfahrungen im Exil spiegeln sich in ihren Werken wider. Die Filmreihe „Von Berlin nach Hollywood“ ist somit nicht nur eine Rückschau auf die Vergangenheit, sondern auch eine Einladung, die Relevanz dieser Themen für die Gegenwart zu erkennen.
Für weitere Informationen und Tickets zur Filmreihe können Interessierte die Webseite der Veranstaltung besuchen: Berlin.de.