In der Nacht zu Montag wurde das schwule Anti-Gewaltprojekt Maneo im Schöneberger Regenbogenkiez erneut angegriffen. Unbekannte warfen einen Stein durch die Eingangstür des Beratungs- und Informationszentrums Mann-O-Meter. Die Mitarbeitenden entdeckten die zersplitterte Scheibe und den Pflasterstein am Montagmorgen um 8:45 Uhr. Glücklicherweise gab es keine Verletzten. Der Vorfall ist jedoch Teil einer besorgniserregenden Serie, denn es handelt sich bereits um den vierten Anschlag in den letzten Wochen, wie der Tagesspiegel berichtet.

Zuletzt wurde am 3. Oktober eine Fensterscheibe am Nollendorfplatz eingeworfen, zuvor gab es ähnliche Angriffe, beispielsweise wurde fünf Tage vor dem jüngsten Vorfall eine weitere Scheibe eingeschlagen. Bereits im September kam es zu mehreren Attacken auf einen Infostützpunkt von Maneo, die Brandbeschädigungen und Vandalismus umfassten. Bastian Finke, Leiter von Maneo, äußerte, dass diese wiederholten Angriffe nicht nur die Mitarbeitenden emotional belasten, sondern auch hohe Reparaturkosten verursachen. Finke fordert dringend mehr Sicherheit und politische Maßnahmen gegen die Zunahme von Hasskriminalität.

Der Kontext der Hasskriminalität

Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano bezeichnete die Angriffe als eine ernsthafte Bedrohung für die queere Community. Er stellte fest, dass queerfeindliche Gewalt in der Stadt Alltag sei und betonte die Notwendigkeit von konkreten Maßnahmen von Seiten der Polizei. Pantisano verwies auf den Anstieg solcher Straftaten: Maneo verzeichnete im Jahr 2024 einen Anstieg um 8% auf 738 Fälle von Angriffen auf sexuelle Minderheiten in Berlin. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die gesellschaftliche Sicherheit für LSBTIQ*-Personen noch längst nicht gegeben ist, wie auch die LSVD hervorhebt.

Hasskriminalität stellt die massivste Ausdrucksform von Queerfeindlichkeit dar und kann sich gegen Individuen sowie gegen ganze Gruppen richten. Oftmals werden LSBTIQ*-Personen im öffentlichen Raum Opfer von Gewalt oder Einschüchterung. Der Anblick von Drag Queens, trans Personen oder homosexuellen Paaren kann Gewalttäter motivieren, und viele Betroffene zeigen Vorfälle aus Angst oder Misstrauen gegenüber der Polizei nicht an. Die Dunkelziffer nicht angezeigter Straftaten wird auf 80-90% geschätzt.

Hilfe und Unterstützung für Opfer

Das Beratungs- und Informationszentrum Mann-O-Meter existiert seit 40 Jahren und richtet sich insbesondere an schwule Männer, wobei das Anti-Gewaltprojekt Maneo seit 35 Jahren im Bereich Opferhilfe und Gewaltprävention tätig ist. Neben Hilfsangeboten für Opfer von Gewalttaten engagiert sich das Projekt in der Prävention und bietet Informationsveranstaltungen sowie ein Café an. Zielgruppen sind nicht nur schwule, sondern auch männliche bisexuelle Menschen, die in Berlin leben oder sich temporär aufhalten.

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Die Vorfälle und die damit verbundenen Sorgen um die Sicherheit zeigen deutlich, dass die politische und gesellschaftliche Antwort auf queerfeindliche Kriminalität deutlich intensiver und effektiver gestaltet werden muss, um die Rechte und die Sicherheit von LSBTIQ*-Personen zu gewährleisten. Das steigende Bewusstsein für diesen Missstand ist ein erster Schritt, jedoch sind sofortige Maßnahmen und eine Reform der polizeilichen Erfassung von Hasskriminalität dringend erforderlich.