Am 15. Mai 2025 kam es während einer pro-palästinensischen Demonstration in Berlin-Kreuzberg zu einem gewaltsamen Vorfall, bei dem ein Polizeibeamter schwer verletzt wurde. Anlässlich des Nakba-Tages, der an die Vertreibung der Palästinenser im Jahr 1948 erinnert, versammelten sich etwa 1.100 Demonstranten am Südstern, wie die Polizei berichtete. Die genauen Umstände des Angriffs auf den Beamten sind jedoch umstritten und werden derzeit von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft untersucht.
Laut Polizeiangaben wurde der Beamte nicht nur zu Boden gebracht, sondern auch massiv getreten. Dabei erlitt er einen Handbruch sowie eine Prellung der Wirbelsäule und musste stationär behandelt werden, befindet sich jedoch nicht in Lebensgefahr. Die Polizei sprach von Ausschreitungen, Schlägen, Tritten und Flaschenwürfen gegen die Einsatzkräfte. Unter den Berichten über den Vorfall gibt es unterschiedliche Darstellungen. So bezeichnete der Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel (SPD) den Vorfall als „Mordversuch“, während der Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner (CDU), von einem „feigen, brutalen Gewaltakt“ sprach. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht den Vorfall als Angriff auf die Organe des Rechtsstaats und hat die Ermittlungen übernommen.
Widersprüchliche Berichte und neue Videoanalysen
Die Medienberichte differieren stark in der Beschreibung des Vorfalls. Während die Süddeutsche Zeitung und der NDR ein Video analysiert haben, das eine abweichende Perspektive zeigt, beschrieb die B.Z. die demonstrierenden Personen als „Judenhasser“, die den Polizisten in die Klinik traten. Der Tagesspiegel sprach von einem Mob, der den Beamten in die Menge riss. Die Generalstaatsanwaltschaft prüft im Rahmen ihrer Ermittlungen auch mögliche Polizeigewalt.
Das besagte Video wurde von dem freien Journalisten Mohannad Darabee erstellt und anschließend von der Rechercheagentur Forensis zur Verfügung gestellt. Diese Organisation hat sich auf die Rekonstruktion von Geschehnissen spezialisiert und ist Teil des Netzwerks von Forensic Architecture (FA), das seit 2010 Menschenrechtsverletzungen aufklärt. Der Gründer von FA, Eyal Weizman, betont die Kooperation mit gefährdeten Gemeinschaften und Befreiungskämpfen. Das Video zeigt, dass der Polizist sich zunächst freiwillig bückt und erst durch einen anderen Beamten geschubst wird, bevor es zu weiteren Auseinandersetzungen kommt.
Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen weiterhin, und sowohl die Generalstaatsanwaltschaft als auch die politischen Reaktionen zeigen, wie kritisch die Situation in Berlin zu diesem Thema wahrgenommen wird. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) erwägt, dass der Vorfall kein Einzelfall sein könnte, und fordert eine Rückendeckung für die Polizei in solchen Situationen.