Die Situation der Jugendprojekte in Treptow-Köpenick ist momentan äußerst angespannt. Fördergeldanträge der Freien Träger sind für das laufende Jahr noch nicht beschlossen worden, was die Existenz der Projekte in Frage stellt. Trotz der Unsicherheit laufen die ersten drei Monate des Jahres wie gewohnt, doch einige Mitarbeiter suchen bereits nach neuen Stellen. Der Jugendhilfeausschuss (JHA) hat die vom Jugendamt vorgeschlagene flächendeckende Kürzung des Etats für alle Bezirksprojekte abgelehnt. Am 10. Februar wird der JHA einen neuen Kürzungsvorschlag für die Freien Träger der Jugendarbeit diskutieren.
Martin Kleinfelder vom Freien Träger Roter Baum äußert Bedenken, dass der Bezirk mehr Mittel für die Freie Jugendarbeit vom Senat erhält, als tatsächlich genutzt werden. Etwa 37 Prozent der Mittel fließen in andere Bereiche, möglicherweise in die Hilfe zur Erziehung. Bei Annahme des Kürzungsvorschlags müssten die Freien Träger etwa drei Prozent ihrer Kosten einsparen, was durch gestiegene Personal- und Nebenkosten in der Realität höher ausfällt. Der Rote Baum betreibt das Jugendboot für die Ortsteile Müggelheim, Grünau und Schmöckwitz, die keine anderen Jugendangebote haben.
Demonstrationen und politische Auseinandersetzungen
Am 10. Februar findet eine wichtige Sitzung des JHA statt, in der über die Verteilung der Mittel entschieden werden soll. Eine endgültige Entscheidung muss bis zur Sitzung am 25. Februar getroffen werden. In der Zwischenzeit demonstriert Sarah Kutscher, Projektleiterin am Haus der Jugend Köpenick, zusammen mit rund 50 Mitstreiter:innen gegen die geplanten Kürzungen. Diese Demonstration vor dem Rathaus Treptow-Köpenick findet zeitgleich statt, während die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) den Haushaltsentwurf für 2026 und 2027 beschließt.
Die geplanten Kürzungen summieren sich auf 600.000 Euro weniger für die Freien Träger, einschließlich der kompletten Streichung von Familienförderung, Schulstation und politischer Bildung. Kutscher warnt, dass die Zustimmung zum Haushalt den Jüngsten ihre Räume, Chancen und Zukunft nimmt. Weitere 250.000 Euro fehlen der Jugendarbeit für 2025 und 130.000 Euro für die Jugendsozialarbeit. Nach dem Jugendförder- und Beteiligungsgesetz müsste der Bezirk diesen Bedarf finanzieren.
Auswirkungen auf die Jugend und die Gesellschaft
Die Situation im Kosmosviertel ist ähnlich prekär. Jugendliche und Kinder fordern mehr Angebote, da das Stadtviertel als sozialer Brennpunkt gilt. Der Jugendstadtrat erklärt, dass Kürzungen notwendig seien, da der Bereich im Vergleich zu anderen Ortsteilen gut ausgestattet sei. Doch die Anwohner und Beschäftigten der Freien Träger betonen die Wichtigkeit von Engagement im Kosmosviertel. Ralf Gilb, ehemaliger Geschäftsführer von Outreach, warnt vor den Folgen der Kürzungen, die zu einem Verlust von Personalstellen und Angeboten führen würden.
Die Kürzungen könnten eine Abwärtsspirale auslösen, da die Zuwendungen des Senats von den Angebotsstunden abhängen. Der Senat stellt zwar dasselbe Geld für freiwillige soziale Leistungen bereit, jedoch kämpfen die Einrichtungen mit Inflation und Mehrkosten. Diese Probleme betreffen nicht nur Treptow-Köpenick, sondern auch andere Bezirke wie Neukölln, wo ein Haushaltsdefizit von etwa 20 Millionen Euro erwartet wird. Die Kritik richtet sich gegen die Politik, die bei Jugendprojekten, Elterncafés oder Krabbelgruppen sparen muss, während die Verwaltung kaum Opfer bringt.
Forderungen und Zukunftsausblick
Der Landesjugendring Berlin fordert von der Berliner Regierung, keine Kürzungen bei Kindern und Jugendlichen vorzunehmen. Fast 50 Millionen Euro wurden bereits aus Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und politischer Bildung gestrichen, und weitere Kürzungen sind angekündigt. Lena Kiefer, Vorsitzende des Landesjugendrings, äußert große Angst um die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die jüngere Generation. Die geplante Einsparungspolitik von drei Milliarden Euro für 2025 und 1,5 Milliarden Euro für 2026 und 2027 betrifft nicht nur die Jugendarbeit, sondern auch die Zivilgesellschaft insgesamt.
Die kommenden Wochen sind entscheidend für die Zukunft der Jugendprojekte in Treptow-Köpenick und darüber hinaus. Die Unsicherheit über die Finanzierung der Freien Träger sorgt für zusätzliche Spannungen und könnte schwerwiegende Folgen für die Angebote in den Bezirken haben. Der Druck auf die politischen Entscheidungsträger wächst, um die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen nicht aus den Augen zu verlieren. Das Engagement der Bürger:innen, wie die Demonstrationen und die Forderungen des Landesjugendrings, ist ein wichtiger Schritt, um Veränderungen herbeizuführen. Weitere Informationen zur aktuellen Lage können auf Tagesspiegel, taz und Landesjugendring Berlin nachgelesen werden.


