Am 9. März 2026 verstarb die vielseitige Künstlerin Gudrun Kühne in Berlin-Köpenick. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick nahm mit Trauer Kenntnis von ihrem Tod. Kühne war nicht nur eine talentierte Bildhauerin, sondern auch Malerin und Zeichnerin, deren Schaffen die kulturelle Landschaft des Bezirks nachhaltig prägte.
Geboren 1952 in Jena, zog sie im Alter von acht Jahren nach Berlin. Nach einer Lehre als Schriftsetzerin begann sie 1973 ein Studium für Malerei und Grafik an der Akademie für bildende Kunst in Dresden, das sie 1978 mit einem Diplom abschloss. Ein Jahr später setzte sie ihre künstlerische Ausbildung an der Kunsthochschule in Lodz, Polen, fort. Seit 1979 war sie freischaffend tätig und erhielt verschiedene Auslandsstipendien, darunter 1991 in Posio, Finnland, 1993 in Italien und 2012 in der Schweiz. Ihre Arbeitsaufenthalte führten sie zudem in Länder wie Frankreich, Spanien, die Türkei, Georgien und Griechenland.
Künstlerische Karriere und Engagement
Ab 2001 widmete sich Kühne intensiver der bildhauerischen und plastischen Arbeit und nahm an Bildhauersymposien im Reinhardsdorfer Steinbruch in Sachsen sowie in Berlin teil. Ihr künstlerisches Wirken fand nicht nur in Ausstellungen im In- und Ausland Anerkennung, sondern auch in der Verleihung des Brandenburgischen Kunstpreises der Märkischen Oderzeitung in der Kategorie Bildhauerei im Jahr 2015 für ihre Bronzeskulptur „Kunji“. Ulrich Kavka, ein Kunstwissenschaftler, thematisierte in seiner Rede zur Eröffnung einer Ausstellung im Museum „Im Güldenen Arm“ in Potsdam im Jahr 2016 Kühnes Menschenbild und die Darstellung der weiblichen Figur.
Ihr Engagement beschränkte sich nicht nur auf ihre eigene Kunst. Kühne war ehrenamtliches Mitglied der Fachkommission für Kunst im öffentlichen Raum des Bezirks Treptow-Köpenick und war seit dem 17. Mai 2012 in den Protokollen der Fachkommissionsitzungen verzeichnet. Über 13 Jahre hinweg war sie aktives Mitglied und führte zahlreiche öffentliche Kunstspaziergänge durch. Auf diese Weise verlieh sie der „Alten Kunst“ in Treptow-Köpenick eine Stimme und trug zur kulturellen Vielfalt und künstlerischen Dynamik des Bezirks bei.
Einblick in Kühnes Schaffen
In ihrer künstlerischen Arbeit thematisierte Kühne die Neugierde auf das Leben und die äußere Welt. Ihre Arbeiten mit Stein und Bronze reflektieren den Prozess des Vordringens in die Dreidimensionalität, wobei sie stets auf der Suche nach Form und Rhythmus war. Dies stellte einen spannenden Prozess zwischen Begeisterung und Zweifel dar, der ihre künstlerische Identität prägte. Kühne wurde oft als Zeichnerin, Malerin, Bildhauerin, Forscherin und Suchende beschrieben, was ihre Vielseitigkeit und ihren unermüdlichen Drang nach künstlerischer Weiterentwicklung unterstreicht.
Das Schaffen von Gudrun Kühne kann im Kontext der zeitgenössischen Bildhauerei in Deutschland gesehen werden, die in dem Buch „Bildhauer in Deutschland im 20. Jahrhundert: Künstlerische Konzepte unserer Gegenwart“ von Hans Joachim Albrecht behandelt wird. Dieses Werk bietet einen umfassenden Überblick über die Bildhauerei in Deutschland und thematisiert die spezifischen Leistungen von Künstlern über fünf Generationen hinweg sowie die Verflechtung verschiedener Entwicklungslinien im künstlerischen Schaffen. Die Analyse berücksichtigt auch den historischen Kontext, einschließlich der Auswirkungen des NS-Regimes auf die Kunstszene.
Die kulturelle Hinterlassenschaft von Gudrun Kühne wird in Treptow-Köpenick noch lange nach ihrem Tod lebendig bleiben. Ihre Werke, sowie ihr unermüdlicher Einsatz für die Kunst und Kultur im Bezirk, werden in Erinnerung bleiben.