Im Herzen von Tempelhof-Schöneberg verändert sich das Gewerbegelände am Sachsendamm in rasantem Tempo. Die einstige industrielle Nutzung des Areals weicht zunehmend einem bunten Mix aus Gastronomie und Dienstleistungen, der das Gesicht des Standorts nachhaltig prägen wird. Neben bekannten Einzelhandelsgrößen wie IKEA und Bauhaus entstehen hier neue, spannende Angebote, die den ehemaligen Industriekomplex beleben.
Ein bemerkenswertes Beispiel für diese Transformation ist der Betrieb von Wellnest, der auf dem Gelände eines ehemaligen Polstermöbelladens entstehen wird. Die Bauarbeiten sind bereits im Gange, und die Eröffnung ist für dieses Jahr geplant. Auch das Restaurant L’Osteria – Lokschuppen Tempelhof hat bereits seine Türen geöffnet und ersetzt ein ursprünglich geplantes Möbelkonzept von Maisons du Monde. Damit zeigt sich der Sachsendamm als ein Areal, das sich zu einem gemischt genutzten Standort mit Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen entwickelt.
Historische Wurzeln und moderne Nutzung
Die historische Industriearchitektur des Reichsbahnausbesserungswerks Berlin-Tempelhof bleibt dabei sichtbar. Die Backsteinhallen, die im späten 19. Jahrhundert nach Entwürfen von Architekt Franz Heinrich Schwechten errichtet wurden, zeugen von der reichen Vergangenheit des Geländes. Die Entwicklung des Schöneberger Industriegeländes begann bereits in den 1870er Jahren mit der Königlichen Eisenbahn-Hauptwerkstatt Tempelhof. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das Werk mehrfach erweitert und diente bis in die 1990er Jahre der Reparatur und Wartung von Lokomotiven und Wagen.
Ursprünglich arbeiteten um 1900 rund 1.300 Menschen in der Anlage, die ab 1927 als Reichsbahnausbesserungswerk Tempelhof (RAW) bekannt war. Nach der Stilllegung des RAW im Jahr 1994 wurde das Gelände zu einem Gewerbestandort mit Baumärkten und Möbelhäusern umfunktioniert. Historische Elemente wie Stahlfachwerkbinder, Kranbahnen und Fassadenteile sind bis heute erhalten geblieben und prägen das Bild des Geländes.
Ein Erbe der Industriekultur
Die Bedeutung der Industriekultur für die Stadtentwicklung in Tempelhof-Schöneberg wird von der Bezirksstadträtin Eva Majewski besonders hervorgehoben. Historische Bauten wie das Reichspostzentralamt und der erste große Flughafen Deutschlands sind Beispiele für ein nachhaltiges Stadtentwicklungskonzept, das das historische Erbe mit modernen Anforderungen verbindet. Auch das Tempelhofer Feld, das in ein Naherholungsgebiet umgewandelt wurde, und der Natur Park Südgelände, der auf dem ehemaligen Rangierbahnhof Tempelhof entstanden ist, sind Ausdruck dieser Entwicklung.
Inmitten dieser Umstrukturierung wird das Areal am Sachsendamm weiterhin als ein Ort der Erinnerung und des Erbes geschätzt. Historische Spuren wie Ziegelfassaden, Fachwerkträger und Laufkräne sind im Baumarkt sichtbar und zeugen von der industriellen Vergangenheit. Diese Verbindung von Geschichte und Moderne wird durch die Schriftenreihe des Berliner Zentrums Industriekultur (bzi) unterstützt, die herausragende Objekte mit historischen und modernen Bildern sowie Karten präsentiert. Sie lädt dazu ein, unbekannte Orte zu erkunden und die Geschichte lebendig werden zu lassen.
Weitere Informationen finden Sie unter Entwicklungsstadt, Denkmaldatenbank und Industriekultur Berlin.