Heute ist der 27.02.2026. In Deutschland steht die Bundestagswahl 2025 vor der Tür, und die Wahlbeteiligung junger Menschen zwischen 18 und 29 Jahren bleibt ein zentrales Thema. Diese Altersgruppe hat traditionell die niedrigste Wahlbeteiligung, und trotz einiger Verbesserungen seit 2009 zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, dass sie immer noch unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt. Die Gründe für diese geringe Wahlbeteiligung sind vielschichtig und wurden in der Studie mit dem Titel „Hürdenlauf zur Wahlurne“ umfassend untersucht.
Die Studie verwendet einen Mixed-Methods-Ansatz, der sowohl quantitative als auch qualitative Daten kombiniert. Die quantitativen Daten stammen aus der German Longitudinal Election Study (GLES), die zwischen dem 23. Oktober und 19. November 2024 mit 9.934 Befragten, darunter 1.668 jungen Menschen, durchgeführt wurde. Ergänzt werden diese Zahlen durch Fokusgruppen-Interviews, die im September 2025 stattfanden. Dabei wurden vier zentrale Hürden für die Wahlbeteiligung identifiziert: Zugang („Kann ich wählen?“), Kompetenz („Verstehe ich Wählen?“), Motivation („Will ich wählen?“) und Resonanz („Wirkt mein Wählen?“).
Hürden für die Wahlbeteiligung
Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse der Studie ist, dass junge Menschen ihre politische Kompetenz oft geringer einschätzen als ältere Generationen. Zudem fühlen sich weniger wahlaffine junge Menschen aus politikfernen Umfeldern in politischen Debatten unsicher. Es zeigt sich auch ein großer Wunsch nach mehr und früheren Bildungsangeboten zur politischen Bildung, die nicht nur Wissen über Institutionen, sondern auch die Fähigkeit zur Einordnung von Informationen und zur Bildung eigener Urteile umfassen sollten.
Das politische Interesse unter jungen Menschen ist nicht gleichbedeutend mit politischer Gleichgültigkeit. Viele „Situativ-Wählende“, die unregelmäßig wählen, zeigen nur geringfügig weniger Interesse als „Immer-Wählende“. Dennoch bleibt die Wahlabstinenz ein ungenutztes demokratisches Potenzial. Zentrale Fragen, die viele junge Menschen vor der Wahl umtreiben, sind: „Wie funktioniert Wählen?“, „Geht mich das etwas an?“ und „Macht meine Stimme einen Unterschied?“. Leider fühlen sich viele mit diesen Fragen allein gelassen, was sich negativ auf die Wahlbeteiligung auswirkt.
Einfluss sozialer Medien und politische Enttäuschung
Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie ist der Einfluss sozialer Medien auf das politische Interesse junger Menschen. Während geeignete Formate das Interesse wecken können, führt die Informationsflut und Polarisierung häufig zu einer Überforderung. Darüber hinaus sind Parteien an politischen Rändern auf Plattformen wie TikTok sichtbarer als die etablierten Parteien der Mitte. Die Wahrnehmung der Wirksamkeit politischer Institutionen ist bei jungen Menschen gering, was mit einer allgemeinen Enttäuschung über politische Entscheidungen zu Themen wie Lebenshaltungskosten und Inflation zusammenhängt. Viele empfinden Wahlkampfversprechen als nicht eingehalten, was zu einer Distanzierung von politischen Themen führt.
Um die Wahlbeteiligung junger Menschen zu steigern, sind politische Maßnahmen erforderlich, die die Lebensrealitäten dieser Altersgruppe anerkennen und nachvollziehbar handeln. Zu den Handlungsempfehlungen gehören verständliche Wahlinformationen, niedrigschwellige Verfahren, verbindliche politische Bildung und frühe Erfahrungen politischer Beteiligung, eventuell in schulischer Begleitung.
Im kommenden Jahr 2026, das mit fünf Landtagswahlen und weiteren Kommunalwahlen ein Superwahljahr darstellt, wird sich zeigen, ob und wie diese Empfehlungen umgesetzt werden. Angesichts der aktuellen Herausforderungen bleibt zu hoffen, dass junge Menschen motiviert werden können, ihre Stimme zu erheben und aktiv an der Gestaltung ihrer politischen Zukunft teilzuhaben. Weitere Informationen finden sich in der umfassenden Studie der Bertelsmann Stiftung, die [hier](https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/warum-junge-menschen-seltener-waehlen-und-was-dagegen-hilft) abrufbar ist. Auch die [Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie](https://www.berlin.de/sen/bjf/service/newsletter/newsletter.1647373.php) bietet relevante Informationen zu diesem Thema.