Heute, am 6. Februar 2026, gedenken die Bezirke Neukölln und Tempelhof-Schöneberg der Ermordung von Hatun Sürücü, die vor 21 Jahren, am 7. Februar 2005, an der Grenze der beiden Bezirke Opfer eines Femizids wurde. Der Mord an der 23-jährigen Frau, die an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof von ihrem jüngsten Bruder erschossen wurde, war nicht nur ein tragisches Verbrechen, sondern auch ein Auslöser für eine bundesweite Debatte über Gewalt gegen Frauen.

Die Gedenkveranstaltung findet heute um 10 Uhr beim Gedenkstein an der Oberlandgarten 1 Ecke Oberlandstraße statt. Bezirksbürgermeister Jörg Oltmann von Tempelhof-Schöneberg hebt hervor, dass es unerlässlich ist, Femizide zu benennen und gegen die strukturellen Gegebenheiten vorzugehen, die solche Taten ermöglichen. Sein Kollege Martin Hikel aus Neukölln betont die Wichtigkeit, Sürücüs Namen und Geschichte wachzuhalten, um für eine sichere Zukunft für Frauen zu kämpfen.

Der Fall Hatun Sürücü

Hatun Sürücü wurde von ihrem jüngsten Bruder mit drei Schüssen in den Kopf ermordet, weil sie sich von einem Cousin getrennt hatte, mit dem sie gegen ihren Willen verheiratet worden war. Ihr Streben nach Unabhängigkeit, einschließlich der Absolvierung ihres Schulabschlusses und der Aufnahme einer Ausbildung zur Elektroinstallateurin, wurde von ihrer Familie als Ehreverletzung betrachtet. Der jüngste Bruder wurde in Deutschland zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt und nach Verbüßung der Strafe in die Türkei abgeschoben.

Der Mord an Hatun Sürücü war nicht der erste Ehrenmord in Deutschland, und er führte zu erhöhter politischer Aufmerksamkeit für das Phänomen der Ehrgewalt. Diese Form der Gewalt wird oft mit muslimisch geprägten Milieus in Verbindung gebracht, doch sie ist ein globales Phänomen, das auf patriarchalen Strukturen beruht und in vielen Kulturen vorkommt. Frauen und Mädchen, die als Hüterinnen der Familienehre gelten, sind besonders betroffen.

Der gesellschaftliche Kontext

Die Dunkelziffer an Ehrenmorden in Deutschland könnte laut einer Studie des BKA von 2011 doppelt so hoch sein wie die erfassten Fälle. Zwischen 1996 und 2005 wurden 109 versuchte Ehrenmorde dokumentiert, davon 69 mit tödlichem Ausgang. Die Opfer sind häufig Frauen aus migrantischen Familien, die unter dem Druck patriarchalischer Werte stehen. Das Gewalthilfegesetz, das 2032 in Kraft treten soll, könnte den Schutz von Betroffenen verbessern, indem es einen kostenfreien Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung vorsieht.

Beratungsstellen wie Yasemin in Stuttgart setzen sich für Frauen ein, die von Zwangsverheiratung und Ehrgewalt betroffen sind. Tragischerweise haben viele Betroffene Angst, ihre Familien zu verlassen, und kehren oft zurück, was die Notwendigkeit individueller Schutzmaßnahmen und kontinuierlicher Finanzierung verdeutlicht. Der gesellschaftliche Diskurs über Ehrgewalt muss sensibilisiert werden, um die Opfer und deren Schutz in den Fokus zu rücken.

In Anbetracht der schrecklichen Geschichte von Hatun Sürücü ist es von größter Bedeutung, dass wir uns weiterhin mit den Themen Ehrgewalt und Femizid auseinandersetzen. Nur so können wir einen Wandel herbeiführen und sicherstellen, dass zukünftige Generationen in einer Gesellschaft leben, in der Frauen und Mädchen vor Gewalt geschützt sind.

Für weiterführende Informationen zu diesem Thema können Sie die Quellen besuchen: T-Online, Bertelsmann Stiftung und Deutschlandfunk.