Die selbstverwalteten Jugendzentren Drugstore und Potse in Berlin haben eine lange Geschichte, die bis in die 1970er Jahre zurückreicht. Drugstore wurde 1973 gegründet, gefolgt von Potse sieben Jahre später. Beide Zentren waren bis 2019 in der Potsdamer Straße 180 ansässig, als ihr Mietvertrag auslief. Während Potse das Jugendzentrum nach Ablauf des Mietvertrags besetzte, kann es in der neuen Unterkunft, der Zollgarage auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, keine Konzerte abhalten. Drugstore hingegen hat derzeit Standorte im Rockhaus in Lichtenberg und in der Potsdamer Straße 134, wo die Mietverträge bald auslaufen. Diese Situation wirft Fragen über die Zukunft der beiden Zentren auf, die für die Jugend in Berlin von großer Bedeutung sind (taz).
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat den Neubau eines „Haus der Jugend“ im Werner-Voß-Damm 47 angekündigt, mit einem geplanten Einzug im Jahr 2030. Dieser Neubau soll langfristig den selbstverwalteten Jugendzentren Drugstore und Potse eine Heimat bieten und ist mit rund 700 Quadratmetern für Veranstaltungsräume, Büros, Beratungsräume, eine Bibliothek, Proberäume und eine Werkstatt ausgestattet. Trotz dieser positiven Perspektive zeigt die Nachbarschaft Widerstand gegen den Bau, und eine Initiative wurde im September gegründet. Stadtrat Oliver Schwork (SPD) hat einen Architekturwettbewerb für Ende 2025 angekündigt, während Bodenuntersuchungen ab 2026 stattfinden sollen (nd aktuell).
Die Herausforderungen der Jugendzentren
Die Situation für die Potse ist bis zur Fertigstellung des neuen Jugendzentrums ungewiss, da der Mietvertrag für die Zollgarage im Flughafen Tempelhof im September 2026 endet, ohne eine Verlängerung in Aussicht zu stellen. Das Fehlen eines Schallschutzes macht den Raum ungeeignet für die Bedürfnisse eines Jugendzentrums. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben Jugendliche das geschlossene Jugendzentrum Linse in Lichtenberg als mögliche Zwischenlösung vorgeschlagen. Dennoch zögert der Bezirk bei der Wiedereröffnung dieses Zentrums, was die Besorgnis der Jugendlichen weiter verstärkt. Marina (23) fordert Stabilität und einen festen Standort, während Finn (17) die Dringlichkeit für Räume im nächsten Jahr betont (taz, nd aktuell).
Domi und Paul, beide ehrenamtliche Mitarbeiter in den Jugendzentren, betonen die Wichtigkeit dieser Orte für die Entwicklung der Jugendlichen. Domi engagiert sich seit 19 Jahren, Paul seit etwa 13 Jahren. Sie berichten von steigenden Anfragen und den Herausforderungen, die durch die Nachbarschaftsinitiative und politische Stimmungsmache entstehen. Drugstore erhält jährlich Fördermittel vom Jugendamt, um kostenlose Veranstaltungen anzubieten, und beide Zentren hoffen auf einen konstruktiven Austausch mit der Nachbarschaft bis zum Bau des neuen Jugendzentrums.
Der Kontext der Jugendarbeit
Die Bedeutung von Jugendzentren wie Drugstore und Potse ist nicht zu unterschätzen. Die Jugendarbeit ist ein eigenständiger Sozialisations- und Bildungsbereich gemäß § 11 SGB VIII und richtet sich an junge Menschen im Alter von 6 bis 26 Jahren. Ziel dieser Arbeit ist die Demokratiebildung sowie die Befähigung zum eigenverantwortlichen gesellschaftlichen und politischen Handeln. Dabei steht die Beteiligung der Jugendlichen im Mittelpunkt, was die Entwicklung von sozialen und politischen Kompetenzen fördert. Die Angebote der Jugendarbeit orientieren sich an den Interessen und Lebenswelten der jungen Menschen und sind damit ein zentraler Bestandteil für die Förderung gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialen Engagements (Senatsverwaltung für Jugend).
Insgesamt stehen Drugstore und Potse vor einer ungewissen Zukunft, geprägt von Herausforderungen, politischen Diskussionen und dem Engagement ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um die Bedeutung und den Einfluss dieser Jugendzentren auf die Berliner Jugend weiterhin zu sichern.





