In Tempelhof-Schöneberg, genauer gesagt in der Papestraße, wird am 11. März 2026 eine bedeutende Ausstellung eröffnet, die sich mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte auseinandersetzt. Das ehemalige SA-Gefängnis, ein historischer Ort, war Schauplatz nationalsozialistischer Gewalt und politischer Verfolgung. In dieser Ausstellung erzählen die Kuratorinnen Anna-Lena Almstedt und Sara Zarreh Hoshyari Khah, Studierende der FU Berlin, die Geschichte der Nachbarschaft in drei Kapiteln: dem Inneren des Hauses, der direkten Umgebung und dem gesamten Kiez. Dabei kommen historische Fotografien, Karten, Interviews sowie künstlerische Zugänge zum Einsatz, um Einblicke in Lebensbiografien und politische Entwicklungen über nahezu 100 Jahre zu gewähren. Die Ausstellung ist eingeschränkt barrierefrei und wird auch in englischer Sprache angeboten.
Die Eröffnung wird von Dr. Irene von Götz, der Leiterin der Museen Tempelhof-Schöneberg, moderiert und von Tobias Dollase, dem Bezirksstadtrat, sowie Dr. Irmgard Zündorf vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam begrüßt. Pressebesichtigungen sind am 9. und 10. März 2026 möglich, und Pressefotos können auf Anfrage bereitgestellt werden. Diese Initiative ist Teil eines längerfristigen Engagements zur Aufarbeitung der Geschichte des Ortes, der ursprünglich als Kaserne des Preußischen Eisenbahnregiments diente und zwischen März und Dezember 1933 als Sitz und Gefängnis der SA-Feldpolizei genutzt wurde.
Die dunkle Geschichte
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in diesem Gefängnis politische Gegner, insbesondere Kommunisten und Arbeiter, inhaftiert, verhört und gefoltert. Einige der Inhaftierten wurden sogar zu Tode geprügelt. Diese erschreckenden Geschehnisse blieben lange Zeit ohne öffentliche Erinnerungskultur, bis lokale Initiativen wie die Geschichtswerkstatt und der Förderverein Gedenkstätte Papestraße einen aktiveren Gedenkprozess anstießen. 1981 wurde die erste Gedenktafel am Zugang zum Kasernengelände angebracht, die jedoch 1986 entwendet wurde. Eine erneute Anbringung folgte 1987.
Die Wiederentdeckung des Haftkellers im Gebäude am Werner-Voß-Damm 54a im Jahr 1992 führte zu weiteren Recherchen und Forschungen. Im Jahr 1995 wurde eine temporäre Ausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und bis 2011 wurden bauliche Umgestaltungen zu einer Gedenkstätte durchgeführt. Diese Gedenkstätte bietet mittlerweile auch ein pädagogisches Angebot in Zusammenarbeit mit dem Jugend Museum in Berlin-Schöneberg und der Stiftung Topographie des Terrors an. So können Jugendliche in Workshops die Geschichte des frühen NS-Terrors aufarbeiten.
Der Gedenkort heute
Der Gedenkort ist eine wertvolle Initiative, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert und deren Geschichten lebendig hält. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Donnerstag sowie Samstag und Sonntag von 13:00 bis 18:00 Uhr, wobei der Eintritt kostenfrei ist. Jeden ersten Sonntag im Monat finden kostenlose Führungen um 13 Uhr statt, für die keine Anmeldung erforderlich ist. Gruppen können auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten Besichtigungstermine vereinbaren. Für Informationen können Interessierte den Gedenkort unter der Telefonnummer +49 (0)30 90277-6163 kontaktieren.
Die Ausstellung im ehemaligen SA-Gefängnis ist somit nicht nur eine Gelegenheit, sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen, sondern auch Teil eines größeren Netzwerks von Erinnerungsorten in Deutschland. Die Datenbank „Erinnerungsorte“ der Bundeszentrale für politische Bildung listet rund 450 solcher Gedenkstätten, Museen und Bildungsstätten auf, die an die Verfolgung und Ermordung von Menschen in der NS-Zeit erinnern. Diese Orte sind wichtige Zeugnisse der Vergangenheit, die durch zivilgesellschaftliches Engagement entstehen und kontinuierlich aktualisiert werden, um das Gedenken und Lernen zu fördern.
Für weitere Informationen zur Ausstellung und zur Gedenkstätte besuchen Sie bitte die [offizielle Webseite](https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/aktuelles/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1649982.php) und erfahren Sie mehr über die erinnerungskulturellen Projekte in Deutschland.