Im idyllischen Süden Berlins, genauer gesagt in der Waldsiedlung Zehlendorf, verbirgt sich ein architektonisches Juwel: die sogenannte „Papageiensiedlung“. Zwischen 1926 und 1932 entworfen von den renommierten Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg, umfasst diese Siedlung rund 1.100 Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser, die allesamt im charakteristischen Bauhausstil gestaltet sind. Ihre bunten Fassaden in Gelb-, Grün-, Braun- und Bordeauxtönen verleihen der Siedlung ihren besonderen Charme, der ihr den Spitznamen „Papageiensiedlung“ eingebracht hat. Diese Farbvielfalt ist nicht nur ein ästhetisches Merkmal, sondern auch ein markantes Beispiel für die Großsiedlungen der Berliner Moderne der 1920er-Jahre.

Die Siedlung wurde unter der Leitung der Gemeinnützigen Heimstätten AG (GEHAG) realisiert, mit dem Ziel, Baukunst harmonisch mit einer grünen Umgebung zu verbinden und den Wohnraummangel der Zeit zu bekämpfen. Trotz der Herausforderungen des Nationalsozialismus und der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstand die Papageiensiedlung weitgehend unbeschadet. In der Nachkriegszeit führte jedoch ein gewisser baulicher Wandel zu einem Verlust architektonischer Qualitäten. In den 1980er-Jahren wurde die Farbigkeit der Siedlung glücklicherweise wiederhergestellt, was zu einem gesteigerten öffentlichen Interesse an diesem besonderen Ort führte, wie auch auf t-online zu lesen ist.

Ein UNESCO-Welterbe in Sicht?

Die Waldsiedlung Zehlendorf, auch als Onkel Toms Hütte bekannt, hat das Potenzial, als siebte Siedlung in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen zu werden. Momentan laufen Vorschlagsverfahren, doch der Erhaltungszustand der Siedlung war bei der letzten Begutachtung im Jahr 2008 nicht ausreichend überzeugend für eine Nominierung. Ben Buschfeld, ein engagierter Grafik-Designer, führt Gruppen durch die denkmalgerecht hergerichtete Siedlung und schätzt die Chancen für die Waldsiedlung als relativ gut ein, da die Schwellen für Erweiterungen in der Regel niedriger sind. Eine nationale Entscheidung über die mögliche Nominierung wird im Herbst 2026 erwartet, wie in einem Bericht der Berliner Zeitung zu erfahren ist.

Die Waldsiedlung wurde zwischen 1926 und 1931 erbaut und umfasst etwa 1.900 Wohneinheiten auf einer Fläche von 45 Hektar. Die Planung und der Bau wurden von der Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (Gehag) begleitet, wobei Bruno Taut als Chefarchitekt fungierte. Taut war bekannt für seinen Ansatz des ökonomischen Bauens, der gleichzeitig hohe architektonische Ansprüche verfolgte und großzügige Grünflächen in den Bauplan integrierte. Diese innovative Gestaltung führte zu einem Kulturkampf mit traditionellen Bauformen, da Taut auch Flachdächer verwendete.

Ein Erbe der Berliner Moderne

Die Siedlungen der Berliner Moderne, zu denen die Waldsiedlung zählt, wurden aufgrund ihrer historischen, architektonischen und sozialen Bedeutung ausgewählt. Sie sind Teil einer Wohnungsreformbewegung, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Berlin beitrug und als Vorbild für sozialen Wohnungsbau in Deutschland diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlitten sie aufgrund ihrer Lage nur geringe Schäden, doch kleinere Umbauten und Veränderungen im Inneren wurden vorgenommen. Dank des Denkmalschutzgesetzes von 1975 führten Restaurierungsmaßnahmen zu einem hohen Maß an Integrität und Authentizität, wodurch die Siedlungen, einschließlich der Papageiensiedlung, heute als herausragende Beispiele für einen neuen städtebaulichen und architektonischen Typus gelten, wie auf der Webseite der UNESCO zusammengefasst ist.

Aktuell sind in der Waldsiedlung auch moderne Herausforderungen zu bewältigen. Streitpunkte betreffen die Installation von Photovoltaikanlagen, energetische Verbesserungen sowie die Parkplatzproblematik und Heizmethoden. Diese Themen zeigen, dass der Erhalt historischen Erbes immer in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und modernem Lebensstil steht.