Im Herzen von Spandau wird ab dem 5. März 2026 eine bemerkenswerte Ausstellung eröffnet, die unter dem Titel „Whatever shape your heart is in“ steht. Sie findet im ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst statt und dauert bis zum 3. Mai 2026. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des Vereins der Freunde des Rohkunstbau e.V. in Kooperation mit dem ZAK und wird von Christoph Tannert kuratiert. In einer Zeit, in der die Welt von politischen Spannungen geprägt ist, wird hier ein eindringlicher Appell an die Kraft von Liebe, Freundschaft und Solidarität laut. Inspiriert von Walter Benjamins Vision über den Verlauf der Geschichte und dem gleichnamigen Song von Ron Sexsmith, vereint diese Ausstellung 25 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler.

Die Werke, die in dieser Ausstellung präsentiert werden, sind ebenso vielfältig wie die Künstler selbst. Unter ihnen finden sich Namen wie Aline Alagem, Dorit Bearach und Emmanuel Bornstein. Besonders hervorzuheben sind Bornsteins „Shelter XIII“, eine beeindruckende Ölmalerei von 2024, sowie Erez Israelis Installation „Pumnul Strămoșilor (The Forefathers’ Fist)“ aus dem Jahr 2025, die aus Holz, Wolle und Metall besteht. Paul Wesenberg trägt mit „Kreploa II“ aus 2022 zur Schau bei, ein Werk, das Öl und Ölhäute auf Leinwand verwendet. Diese Arbeiten sind nicht nur Ausdruck künstlerischer Kreativität, sondern auch tiefgründige Reflexionen über die gegenwärtige Weltlage.

Ein weiterer Blick auf Zeit und Erinnerung

Während die Ausstellung im ZAK bereits vielversprechend klingt, zeigt das Museum Ludwig in Köln, das alle zwei Jahre eine neue Präsentation von Gegenwartskunst aus seiner Sammlung vorstellt, ebenfalls spannende Ansätze zur Auseinandersetzung mit Zeit und Erinnerung. Die aktuelle Präsentation behandelt verschiedene Verständnisse von Zeit und die damit verbundene künstlerische Reflexion. Themen wie Erinnerung, Gedächtnis und Geschichtsschreibung sind zentrale Anliegen der ausgestellten Werke. Walter Benjamins Bild des „Engels der Geschichte“ von 1940 dient hierbei als kritisches Fundament der Geschichtsschreibung.

Die Kunstwerke thematisieren die Vergänglichkeit und reflektieren das Vergangene im Verhältnis zur Gegenwart. Künstler wie Guan Xiao und Haegue Yang schaffen mit ihren Installationen neue Perspektiven auf die Zeitwahrnehmung und historische Ereignisse. Diese mediale Vielfältigkeit steht im Fokus der Präsentation und wird durch kurze Texte und Zitate von Künstler*innen sowie von Walter Benjamin und Alfred Sohn-Rethel ergänzt. Der Gedanke des „Wertes der Zeit“, der gesellschaftlich bestimmt ist und auf der abstrakten, messbaren Zeit basiert, zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.

Walter Benjamin und die Relevanz seiner Theorien

Walter Benjamin, der 1935 im Pariser Exil den Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ verfasste, ist eine zentrale Figur in der Diskussion um Kunst und Medien. Seine Hauptthese besagt, dass Kunst und ihre Rezeption sich durch Fotografie und Film verändern, was insbesondere auf die massenhafte Reproduzierbarkeit und die veränderte Wahrnehmung der Realität zutrifft. Der Verlust der „Aura“ des Kunstwerks spielt hierbei eine entscheidende Rolle und beeinflusst die soziale Funktion der Medien. In einer Zeit, in der der Nationalsozialismus an Einfluss gewann, hoffte Benjamin auf Beachtung durch französische Intellektuelle, fand jedoch wenig Resonanz.

Sein Aufsatz gilt seit den 1980er Jahren als Gründungsdokument der Kultur- und Medientheorie und hat die Grundlagen der Medienwissenschaft nachhaltig beeinflusst. Die kritische Auseinandersetzung mit der Ästhetisierung der Politik durch den Faschismus und die Forderung nach einer Politisierung der Kunst sind nach wie vor hochaktuell.

In diesen beiden Ausstellungen – „Whatever shape your heart is in“ im ZAK und der aktuellen Präsentation im Museum Ludwig – wird deutlich, wie zeitgenössische Kunst nicht nur das Hier und Jetzt reflektiert, sondern auch tief in der Geschichte verwurzelt ist. In einer Welt, die von Unsicherheit geprägt ist, zeigt die Kunst ihren Wert als Medium der Reflexion und der Solidarität.

Für weitere Informationen über die Ausstellung im ZAK, besuchen Sie bitte die Quelle. Für die Präsentation im Museum Ludwig können Sie die Quelle einsehen. Und wer mehr über Walter Benjamins einflussreiche Theorien erfahren möchte, findet wertvolle Einblicke in den Aufsatz.