Die Diskussion um eine Magnetschwebebahn zwischen Tegel und Spandau nimmt konkrete Formen an. Die Berliner CDU hat einen Vorschlag unterbreitet, der nicht nur neue Wohnquartiere erschließen, sondern auch den Forschungsstandort „Urban Tech Republic“ an das öffentliche Verkehrsnetz anbinden soll. Das Projekt soll insbesondere die schlecht angebundenen Stadtteile im Nordwesten Berlins, wie Hakenfelde und die Spandauer Neustadt, profitieren lassen. Ein zentrales Ziel ist es, bestehende Lücken im ÖPNV-Netz zu schließen, was vor dem Hintergrund eines bestehenden Sanierungsstaus und Personalmangels im Verkehrssystem besonders dringlich erscheint. Die Magnetschwebebahn gilt als Herzensprojekt der Berliner CDU, die sich für eine Hochbahn-Variante stark macht, die flexibler ins Stadtbild integriert werden kann. Verkehrssenatorin Ute Bonde und Fraktionschef Dirk Stettner betonen die geringeren Kosten und die schnellere Realisierung im Vergleich zum U-Bahn-Bau.
Ende 2023 lagen bereits Pläne für eine fünf Kilometer lange Pilotstrecke vor, deren geschätzte Kosten sich auf rund 80 Millionen Euro belaufen. Die Finanzierung soll aus einem Klimaschutz-Sondervermögen erfolgen. Die Technologie der Magnetschwebebahn wird als leise und energieeffizient beschrieben, was sie zu einer attraktiven Alternative im städtischen Verkehr macht. Im Dezember 2025 erteilte das Eisenbahn-Bundesamt die erste Betriebsgenehmigung für eine öffentliche Magnetschwebebahn in Europa. Diese Genehmigung stellt einen Meilenstein dar und ermöglicht es der TSB Betriebs GmbH, als erstes Unternehmen in Europa kommerzielle Magnetbahnstrecken zu betreiben. Die Idee, eine Verbindung zwischen Urban Tech Republic und dem Bahnhof Spandau zu schaffen, wird auch auf Senatsebene diskutiert und könnte neue Impulse in die Debatte um moderne Verkehrstechnologien bringen.
Technische Umsetzbarkeit und Machbarkeitsstudie
Der nächste Schritt in diesem Prozess ist die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie durch den Senat, um die technische Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts zu prüfen. Bezirksstadtrat Thorsten Schatz von der CDU hat bereits eine neue Streckenführung von Urban Tech Republic (ehemaliger Flughafen Tegel) nach Spandau vorgeschlagen. Diese Verbindung soll insbesondere unzureichend verknüpfte Räume im Nordwesten Berlins miteinander verbinden und bestehende Pendlerströme sowie neue Entwicklungsgebiete besser an das Verkehrsnetz anschließen.
Die Magnetschwebebahn könnte Engpässe im öffentlichen Nahverkehr beheben, da sie aufgeständert über dem Straßenraum verläuft. Kritiker warnen jedoch vor möglichen Monopolrisiken und einer Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der klassische Ausbau des Verkehrsraums in Spandau an physische Grenzen stößt und die Straßenräume bereits ausgelastet sind. Verkehrssenatorin Ute Bonde hat sich 2023 offen für einen Testbetrieb gezeigt, sieht aber auch die Notwendigkeit, das bestehende System zu stabilisieren, anstatt teure Expansionen vorzunehmen.
Öffentliche Debatte und Umweltaspekte
Die Debatte um die Magnetschwebebahn findet vor dem Hintergrund eines dringenden Bedarfs an Wohnraum und leistungsfähigen Verkehrsanbindungen statt. Umweltverbände wie der BUND kritisieren das Projekt als Ablenkung von wichtigen Klimaschutzaufgaben. Sie betonen, dass die Mittel besser in die Sanierung und den Ausbau bestehender Verkehrsmittel investiert werden sollten. Auch aus der SPD kommt Kritik, die das Projekt als kostspielige Ablenkung von notwendigen Investitionen in die Infrastruktur betrachtet. Die Magnetschwebebahn wird jedoch im Koalitionsvertrag von Union und SPD erwähnt, was die Möglichkeit von Fördermitteln eröffnet.
Berlin hat bereits in den 1990er-Jahren Erfahrungen mit einer Magnetschwebebahn (M-Bahn) zwischen Gleisdreieck und Potsdamer Platz gesammelt, die jedoch 1991 eingestellt wurde. Ute Bonde hat zwei mögliche Streckenführungen vorgeschlagen, darunter einen Ring zwischen der Berliner S-Bahn und der Landesgrenze sowie eine direkte Verbindung vom Internationalen Congress Centrum (ICC) zum Flughafen BER. Diese Pläne könnten nicht nur den Personentransport, sondern auch den Gütertransport entlasten und somit einen Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität leisten.
Die Diskussion um die Magnetschwebebahn bleibt spannend und könnte, sofern die Machbarkeitsstudie positive Ergebnisse liefert, einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen und nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur in Berlin darstellen. Das Projekt zeigt, wie Technik und Stadtentwicklung Hand in Hand gehen können, um die Herausforderungen der urbanen Mobilität zu bewältigen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Quellen ad-hoc-news, entwicklungsstadt und ingenieur.de.