Der Dokumentarfilm „FASSADEN“, der am 11. Februar 2026 in den Kinos startet, beleuchtet ein drängendes gesellschaftliches Problem: häusliche Gewalt gegen Frauen. Produziert von der Leipziger Filmemacherin Alina Cyranek, erzählt der Film die Geschichte einer Frau, die aus einer langjährigen gewalttätigen Beziehung ausbricht. Die Erzählung basiert auf den Erfahrungen von vier Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, die ebenfalls aus toxischen Beziehungen geflohen sind. Um die Anonymität der Betroffenen zu wahren, werden ihre Geschichten zu einer kompakten Narration verdichtet. Die Identität der Frauen bleibt geschützt, während ihre realen Erlebnisse eindrucksvoll in den Mittelpunkt gerückt werden.
Die Schilderungen im Film zeigen nicht nur die persönlichen Tragödien, sondern auch ein politisches und gesellschaftliches System, das oft wegschaut. Laut dem Bundeskriminalamt wird alle drei Tage eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Diese alarmierenden Statistiken verdeutlichen den dringenden Bedarf an Aufklärung und Unterstützung für die Betroffenen. Der Film „FASSADEN“ ist daher nicht nur eine künstlerische Auseinandersetzung, sondern auch ein Appell an die Gesellschaft, die Strukturen hinter häuslicher Gewalt aufzuzeigen und die öffentliche Debatte zu fördern.
Künstlerische Umsetzung
Um die komplexen Machtverhältnisse und Beziehungsstrukturen darzustellen, setzt der Film auf verschiedene künstlerische Mittel. So zeigt ein Tanzpaar in einer sogenannten Blackbox visuelle Darstellungen einer Beziehung. Zudem nutzt die Animationskünstlerin Aline Helmcke Animationen, um die Manipulation der Frauen sichtbar zu machen. Ihre bearbeiteten Filmstills verwandeln sich in bewegte Bilder, die das emotionale Erleben der Protagonistin eindrucksvoll untermalen. Die Erzählung wird von der Schauspielerin Sandra Hüller als Voice-Over präsentiert, was dem Film eine zusätzliche emotionale Tiefe verleiht.
Die Zusammenarbeit mit Experten, die sich mit häuslicher Gewalt beschäftigen, darunter Polizei, Staatsanwaltschaft und Sozialarbeit, sorgt dafür, dass die dargestellten Ereignisse sachlich eingeordnet werden. Der Film hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis für den besten Dokumentarfilm beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern und wurde auf dem Neisse-Filmfestival gezeigt.
Die Realität der häuslichen Gewalt
Die Problematik häuslicher Gewalt in Deutschland ist weit verbreitet und oft im persönlichen oder familiären Umfeld anzutreffen. Laut Statista waren im Jahr 2023 etwa 181.000 (71%) der 256.000 Opfer von häuslicher Gewalt weiblich. Besonders erschreckend ist, dass bei Partnerschaftsgewalt etwa 133.000 (79%) der 168.000 Opfer Frauen waren. Häusliche Gewalt umfasst sowohl körperliche als auch psychische Übergriffe und wird häufig nur in polizeilich registrierten Fällen erfasst, während ein großes Dunkelfeld existiert. Viele Frauen empfinden Scham und Schuld, was dazu führt, dass sie ihre Erfahrungen oft nicht melden.
Umso wichtiger ist es, dass Filme wie „FASSADEN“ die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken und die Gesellschaft dazu anregen, über die Strukturen hinter häuslicher Gewalt nachzudenken. Hilfsangebote für Frauen, wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116 016, verzeichnen steigende Kontaktzahlen. 2023 gab es rund 86.700 Kontaktaufnahmen und etwa 59.000 Beratungen. Dennoch bleibt der Platz in Frauenhäusern oft Mangelware, was die Situation vieler Betroffener weiter erschwert.