Am 2. März 2026 stehen die Pläne für das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain auf der Kippe. Eine neu gegründete Initiative mit dem Namen „SEZ-Quartier neu Denken“ möchte das historische Gebäude erhalten und gleichzeitig neuen Wohnraum schaffen. Der Vorschlag der Initiative sieht vor, die markanten Hallenstrukturen des SEZ in vereinfachter Form zu bewahren und daneben bis zu 500 Wohnungen zu errichten. Diese sollen in einer experimentell-ökologischen Bauweise realisiert werden, wobei vier Hochhaustürme am Rand des Volksparks Friedrichshain entstehen sollen. Die Idee: Menschen sollen nicht nur wohnen, sondern auch das kulturelle Erbe des SEZ genießen können.
Der geplante Abriss des SEZ, der ursprünglich am 2. März beginnen sollte, wurde aufgrund von artenschutzrechtlichen Bedenken vorerst gestoppt. In den leerstehenden Gebäuden könnten Vögel und Fledermäuse nisten, was die Abrissarbeiten verzögert. Das Bündnis fordert deshalb ein Abrissmoratorium und eine Machbarkeitsstudie, um die städtebaulichen und wirtschaftlichen Fragen rund um das Gelände zu klären. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt diese Initiative, während Bausenator Christian Gaebler (SPD) den Stopp des Abrisses kritisiert.
Das SEZ im Wandel der Zeit
Das SEZ wurde 1981 eröffnet und zog Millionen Besucher an, die sich in Einrichtungen wie dem Wellenbad, der Eisbahn, der Bowlingbahn und den Sporthallen vergnügten. Das Grundstück und das Freizeitbad wurden 2003 an einen Investor verkauft, der jedoch die Auflage, einen Badebetrieb zu schaffen, bis 2007 nicht erfüllte. Dies führte zu einem jahrelangen Rechtsstreit, der in der Zwangsräumung des Gebäudes im Jahr 2024 mündete. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM plant jetzt, das SEZ abzureißen, um dort rund 650 Wohnungen, eine Schule, Läden und eine Sporthalle zu bauen. Gleichzeitig ist angedacht, einen Historien-Parcours zu schaffen, um die Geschichte des Standorts erlebbar zu machen.
Das Bündnis „SEZ-Quartier neu Denken“ setzt sich aus Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Denkmalschutz, Kunst- und Kulturproduktion sowie Bürgerinitiativen zusammen. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) betont die Notwendigkeit, das SEZ für Sport, soziale Angebote und Kultur zu erhalten. Der Erhalt der prägenden Hallenstrukturen soll dabei als „historisches Zeichen“ dienen und die Identität des Standorts bewahren.
Denkmalschutz und städtebauliche Verantwortung
Die Diskussion um den Erhalt des SEZ wirft auch Fragen des Denkmalschutzes auf. In Deutschland sind Denkmalschutz und Denkmalpflege Ländersache, und jedes Bundesland hat eigene Gesetze, die den Schutz von historischen Gebäuden regeln. In Berlin ist das Denkmalschutzgesetz Berlin (DSchG Bln) maßgeblich. Die Verwaltung ist zweistufig aufgebaut: Die Untere Denkmalschutzbehörde im Bezirksamt und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg arbeiten eng zusammen mit der Obersten Denkmalschutzbehörde (OD) und dem Landesdenkmalamt (LDA) in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.
Die Initiative „SEZ-Quartier neu Denken“ fordert daher nicht nur den Erhalt des Gebäudes, sondern auch eine kluge städtebauliche Planung, die sowohl den Bedürfnissen der Anwohner als auch dem Erhalt der kulturellen Identität Rechnung trägt. Es bleibt spannend, wie sich die Situation um das SEZ entwickeln wird und ob das Bündnis seine Ziele erreichen kann. Der Erhalt des SEZ könnte ein wichtiges Zeichen für den Umgang mit historischen Gebäuden in urbanen Räumen setzen und gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum schaffen.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen rund um das SEZ und die Initiative „SEZ-Quartier neu Denken“ besuchen Sie bitte die Artikel auf Tagesschau und Die Brandenburger.





