Heute ist der 23.02.2026, und die Stadt Berlin wird Zeuge eines bedeutsamen Ereignisses in der Geschichte der Kolonialforschung. Zwei Nachfahren von Mangi Molelia, einem der identifizierten Verstorbenen, reisten in dieser Woche nach Deutschland, um sich mit Marion Ackermann, der Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu treffen. Dies geschah im Kontext einer bemerkenswerten Entwicklung: Durch DNA-Analysen konnten vier Schädel aus der Sammlung menschlicher Überreste von Felix von Luschan, die seit langem in Deutschland lagern, konkreten Personen zugeordnet werden. Diese Sammlung, die von der Stiftung betreut wird, umfasst Überreste, die während der Kolonialzeit nach Deutschland gebracht wurden.

Die Schädel wurden zwischen 1871 und 1918 während des Deutschen Kaiserreichs nach Deutschland transportiert. Lange Zeit war die Herkunft der einzelnen menschlichen Überreste unklar, bis ein Großprojekt, das seit 2017 läuft, über tausend nicht identifizierte Schädel aus dem ehemaligen deutschen Kolonialgebiet Deutsch-Ostafrika untersucht hat. Von diesen konnten mehr als 900 Schädel den heutigen Gebieten von Ruanda, Tansania und Kenia zugeordnet werden. Für einige Schädel wurden sogar Nachfahren ermittelt, was die Forschungsergebnisse umso bedeutender macht.

Forschungsergebnisse und Identifizierung

Die Identifizierung der Schädel ist das Ergebnis einer umfassenden Zusammenarbeit von Forschern verschiedener Fachrichtungen, die genetische Daten der Schädel mit DNA aus Speichelproben möglicher Nachfahren verglichen haben. In einem bemerkenswerten Fall wurde für einen Schädel eine vollständige Übereinstimmung mit einem heute lebenden Mann festgestellt. Der Titel „Akida“ auf diesem Schädel deutet darauf hin, dass der Verstorbene ein ranghoher Berater des Anführers Mangi Melis war. Parzinger, der Präsident der Stiftung, bezeichnete die Übereinstimmung als „kleines Wunder“.

Die tansanische Regierung hat sich bislang nicht zu den Rückgabeangeboten der Stiftung geäußert, obwohl die Stiftung aktiv an einer Rückführung der Schädel arbeitet. Es wurde vereinbart, dass die heutigen Familienmitglieder in wesentliche Entscheidungen über die Schädel einbezogen werden. Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Stimmen der Nachfahren zu hören und ihnen einen Platz im Dialog über ihre Geschichte zu bieten.

Ein Teil einer größeren Debatte

Die Rückgabe menschlicher Überreste aus der Kolonialzeit ist nicht nur ein lokal begrenztes Thema, sondern Teil einer breiteren gesellschaftlichen Debatte. In deutschen Museen und Universitäten lagern Tausende solcher Überreste, und die Forderungen nach Rückgaben werden immer lauter. Beispiele wie die Schädel aus Namibia, die im Anatomischen Institut der Unimedizin Rostock aufbewahrt werden, verdeutlichen die Komplexität und die moralischen Fragestellungen, die mit der Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit verbunden sind.

Die Bundesregierung hat Rückgaben im Koalitionsvertrag verankert, und Initiativen wie „Rostock Postkolonial“ setzen sich für die Rückführung der menschlichen Überreste ein. Die Kontaktstelle für Kulturgüter und menschliche Überreste hat jedoch keine umfassenden Informationen über die Bestände, und es gibt keine offene Datenbank über menschliche Überreste in Deutschland. Daher bleibt die Herausforderung, transparent und verantwortungsvoll mit dieser Thematik umzugehen, groß.

Insgesamt zeigt dieser Fall, wie wichtig die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit ist und wie sehr die Stimmen der Nachfahren gehört werden müssen. Die Rückführung der Schädel ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch es bleibt noch viel zu tun, um die moralische Verantwortung für das koloniale Erbe zu übernehmen. Die Identifizierung der Schädel und die Einbeziehung der Nachfahren sind dabei zentrale Elemente, um einen respektvollen Dialog über die Vergangenheit zu führen und die notwendigen Schritte für die Zukunft zu gestalten.

Für weiterführende Informationen zu diesem Thema, besuchen Sie bitte die entsprechenden Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Deutschlandfunk, und NDR.