Am Mittwoch, dem 11. März 2026, um 19.30 Uhr, findet in der Humboldt-Bibliothek eine spannende Buchvorstellung statt: Marianne Ludes präsentiert ihren neuen Roman „Trio mit Tiger“. In diesem literarischen Werk wird das Leben des Künstlerpaares Max und Mathilde „Quappi“ Beckmann während ihrer Zeit im Amsterdamer Exil während des Nationalsozialismus thematisiert. Die Autorin nutzt für ihre Erzählung unveröffentlichte Tagebücher von Quappi Beckmann, auf die sie exklusiven Zugang hatte. Diese Einblicke bieten nicht nur einen faszinierenden Blick auf das Leben der beiden Künstler, sondern auch auf die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert waren.
Im Jahr 1942 floh das Paar nach Amsterdam. Die dortige deutsche Besatzung raubte ihnen nicht nur die Sicherheit, sondern auch die wirtschaftlichen Perspektiven. Während Max Beckmann unter der ständigen Bedrohung litt, bewahrte Quappi ihren Optimismus und unterstützte ihn in seinem künstlerischen Schaffen. Diese emotionale und historische Kulisse bildet den Rahmen für Ludes‘ fesselnde Erzählung. Die Veranstaltung ist Teil von „Lesezeichen – literatur live“ und findet in Kooperation mit der Volkshochschule Reinickendorf statt. Der Eintritt ist frei und die Gesprächsführung übernimmt Claudia J. Bauer. Weitere Informationen sind auf der Webseite der Stadtbibliothek Reinickendorf verfügbar.
Ein Blick auf Max Beckmann und seine Tagebücher
Max Beckmann (1884–1950) zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und ist bekannt für seine eindringlichen Selbstporträts und düsteren Nachtclub-Bilder. Er verstarb im Dezember 1950 in New York an einem Herzinfarkt und war zu diesem Zeitpunkt bereits weltbekannt. Seine Witwe, Mathilde „Quappi“, spielte eine entscheidende Rolle in der Veröffentlichung seiner Tagebücher, die zwischen 1903 und 1950 verfasst wurden. Diese Tagebücher, die nun erstmals ungekürzt zugänglich sind, bieten faszinierende Einblicke in Beckmanns Leben und Persönlichkeit. Sie wurden über fünf Jahre lang im Max-Beckmann-Archiv in München erforscht und umfassen etwa 2,7 Millionen Zeichen auf rund 1350 Seiten.
Die Tagebücher sind nicht nur eine chronologische Aufzeichnung von Beckmanns Lebensereignissen, sondern auch ein Zeugnis seiner Kämpfe mit seinem Werk und seinen Lebensumständen. Themen wie Politik, finanzielle Situation und persönliche Netzwerke finden sich darin wieder. Beckmann dokumentierte seinen ungesunden Lebensstil, einschließlich seines Alkoholkonsums, und äußerte kritische Bemerkungen zu politischen Ereignissen, wie den Nürnberger Prozessen. Diese Einträge ermöglichen es den Lesern, die komplexe Persönlichkeit des Künstlers besser zu verstehen und bieten neue Perspektiven auf seine Kunst.
Ein einzigartiger Schreibstil und digitale Zugänglichkeit
Beckmanns Schreibstil ist eigenwillig und geprägt von Ironie und Humor, wobei er oft unkonventionell mit Rechtschreibung und Kommasetzung umgeht. Jede Seite seiner Tagebücher ist nun als Digitalisat verfügbar, und eine Transkription macht die Handschrift lesbar. Interessierte können die Einträge durch verschiedene Register filtern und so gezielt nach bestimmten Themen oder Personen suchen. Diese digitale Plattform eröffnet neue Wege, um die Gedanken und Reflexionen Beckmanns, die auch Informationen über Bars in Amsterdam und New York sowie gelesene Bücher und Kinofilme enthalten, nachzuvollziehen.
Die Buchvorstellung von Marianne Ludes bietet somit nicht nur eine literarische Reise, sondern auch eine Möglichkeit, die historischen und kulturellen Kontexte besser zu verstehen, die Max und Mathilde Beckmann prägten. Die Verbindung zwischen Ludes‘ Roman und den kürzlich veröffentlichten Tagebüchern wird die Besucher sicherlich fesseln und zum Nachdenken anregen.