Am 19. Juli 2025 feiert der Regisseur Winfried Junge seinen 90. Geburtstag. Junge ist vor allem bekannt für sein herausragendes Projekt: die Dokumentarfilmreihe „Die Kinder von Golzow“. Diese Langzeitdokumentation, die von 1961 bis 2007 in 20 einzelnen Filmen entstand, gilt als das längste Filmprojekt in der Geschichte, mit über 70 Kilometern und rund 45 Stunden Filmmaterial. [rbb24] berichtet, dass die Golzow-Filme die Lebensgeschichten von Schülern einer Schulklasse aus Golzow, Brandenburg, dokumentieren und damit die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR und darüber hinaus aufzeigen.
Die ersten Aufnahmen begannen nur zwei Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer. Junge selbst wurde in Berlin geboren und erlebte eine entbehrungsreiche Kindheit während des Zweiten Weltkriegs. Nach seinem Germanistikstudium wechselte er 1954 an die Babelsberger Filmhochschule, wo sein Weg ins Filmschaffen begann.
Die Golzow-Filme
„Die Kinder von Golzow“ umfasst insgesamt 20 Einzelfilme, die dem Aufwachsen und den Lebenswegen der Kinder in Golzow über mehrere Jahrzehnte hinweg folgen. Laut der Wikipedia wurden die letzten beiden Teile der Reihe mit den Titeln „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ und „… dann leben sie noch heute“ veröffentlicht. Die Filme zeigen nicht nur individuelle Lebensgeschichten, sondern beleuchten auch die Geschichte der DDR und deren Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland.
Besonders bemerkenswert war, dass diese Reihe 1986 ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurde, da sie die längste Drehzeit eines Filmprojekts in der Filmgeschichte vorweist. Nach der Wende gab es allerdings mehrfach Bedrohungen für die Fortsetzung der Filmreihe, die jedoch erfolgreich überwunden wurden, sodass sie in Co-Produktion mit verschiedenen ARD-Sendern, insbesondere dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, fortgeführt werden konnte.
Anerkennung und Würdigung
Winfried Junge drehte zusätzlich zu den Golzow-Filmen 35 weitere Dokumentarfilme, darunter den Kinderfilm „Der tapfere Schulschwänzer“ aus dem Jahr 1967. Mit seinem Werk wird er nun vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) sowie von der DEFA-Stiftung gewürdigt. Anlässlich seines 90. Geburtstags wird eine umfassende Werkschau veranstaltet.
Die Filme sind nicht nur als Einzel- und Doppel-DVDs, sondern auch auf VHS erhältlich und können zudem in der ARD-Mediathek abgerufen werden. Bemerkenswerterweise wurde die Grundschule von Golzow im Jahr 2008 in „Grundschule Kinder von Golzow“ umbenannt, um das Erbe der Dokumentationen zu würdigen. Für seine Arbeit erhielt das Kollektiv der Filmdokumentation 1981 den Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur.
Die Relevanz der Golzow-Filme bleibt auch in der Gegenwart bestehen. Im Jahr 2017 wurde ein Fortsetzungsversuch unter dem Titel „Die neuen Kinder von Golzow“ initiiert, der von der Regisseurin Simone Gaul verantwortet wurde. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und die individuelle Schilderung von Lebenswegen bleiben ein zentrales Anliegen in der Filmografie Winfried Junges.