Im Herzen Lübecks steht das Bodelschwinghhaus, eine wichtige Anlaufstelle für wohnungslose Männer ab 25 Jahren. Jens (47) und Lothar Lachetta (56) sind zwei der Gesichter dieser Einrichtung, die Lachetta seit nunmehr zehn Jahren leitet. Die Unterkunft bietet nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch einen Ort, an dem Männer in Not Unterstützung finden können. Das Bodelschwinghhaus ist rund um die Uhr geöffnet, und ein ständiger Ansprechpartner ist vor Ort, um den Bewohnern in ihrer schwierigen Situation zur Seite zu stehen. Monatlich gibt es etwa 16 Neuzugänge und Abgänge, und die Einrichtung ist stets voll belegt, unabhängig von der Jahreszeit.
Die Gründe für die Obdachlosigkeit sind vielfältig: Langzeitarbeitslosigkeit, Verschuldung, Beziehungsprobleme oder Suchtmittelabhängigkeit sind häufige Ursachen. Ein Bewohner hat sogar seit 14 Jahren in der Einrichtung gelebt, was zeigt, wie wichtig solche temporären Unterkünfte für viele sind. Lachetta setzt sich intensiv für die Belange der Bewohner ein. Er bietet Unterstützung und hilft, Lösungen zu finden. Oft begleitet er Klienten sogar ins Krankenhaus, um sicherzustellen, dass sie nicht alleine sterben. Dennoch ist die Situation herausfordernd: Gewalt und Diebstahl sind häufige Probleme, oft ausgelöst durch Suchtproblematiken.
Herausforderungen und Wünsche
In einer Zeit, in der die Zahl der ratsuchenden Männer in den letzten drei Jahren um 36 Prozent gestiegen ist, ist es unerlässlich, dass Einrichtungen wie das Bodelschwinghhaus nicht nur kurzfristige Hilfe bieten, sondern auch langfristige Lösungen anstreben. Lachetta wünscht sich beispielsweise barrierefreie Waschräume und unkaputtbare Toilettensitze, um die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern. Die Diakonie Nord Nord Ost betreut in Lübeck rund 140 Menschen in Notunterkünften und hat die Mission, zu verhindern, dass Männer auf der Straße übernachten.
Ein bedeutendes Thema, das auch in der Diskussion um Obdachlosigkeit oft zu kurz kommt, ist der Zusammenhang zwischen Obdachlosigkeit und Drogenkonsum. Laut einem Leitfaden der EU zu gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen für Drogen konsumierende Obdachlose in Europa zeigt sich, dass diese Gruppe oft mit erhöhten sozialen, psychischen und physischen Gesundheitsrisiken zu kämpfen hat. Ein Mangel an Informationen über spezifische Gruppen wie Frauen, Jugendliche und Migranten erschwert die Unterstützung erheblich.
Wichtige Maßnahmen und politische Rahmenbedingungen
Wirksame Maßnahmen, die in Europa diskutiert werden, umfassen feste Unterkünfte und integrierte Strategien, die verknüpfte Unterstützungsangebote bereitstellen. Der Ansatz „Housing First“ zielt darauf ab, Obdachlosen zuerst ein Dach über dem Kopf zu bieten, bevor sie sich weiteren Herausforderungen stellen. Zudem sind Schadensminimierungsstrategien, wie Drogenkonsumräume und Nadel- und Spritzenaustauschprogramme, entscheidend, um die Gesundheit der Betroffenen zu schützen.
Ein politisches Ziel der EU ist es, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Doch die Umsetzung dieser Ziele erfordert nicht nur Ressourcen, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen, mit denen obdachlose Menschen konfrontiert sind. In diesem Kontext ist die Arbeit von Einrichtungen wie dem Bodelschwinghhaus von enormer Bedeutung, um den Betroffenen eine Perspektive zu bieten und sie in die Gesellschaft zu reintegrieren. Das Bodelschwinghhaus ist daher nicht nur ein Ort der Zuflucht, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des sozialen Netzes in Lübeck, das darauf abzielt, den Menschen in ihrer Not zu helfen.
Für weitere Informationen über das Bodelschwinghhaus oder bei Bedarf an Unterstützung können Interessierte die Webseite der Diakonie Nord Nord Ost besuchen oder sich direkt unter der Telefonnummer 0451 4002 56940 oder per E-Mail an bodelschwingheim@diakonie-nordnordost.de wenden.
Die Herausforderungen sind groß, doch die Hoffnung auf Veränderung und Unterstützung bleibt. Die Arbeit von Lothar Lachetta und seinem Team im Bodelschwinghhaus zeigt, dass es möglich ist, auch in schwierigen Zeiten Hilfe zu leisten und den Menschen eine neue Perspektive zu bieten.
Für tiefergehende Informationen über die gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen von obdachlosen Drogenkonsumenten in Europa können Sie den Leitfaden der EU konsultieren.