Im Herzen von Berlin-Kreuzberg findet sich der alternative Sexshop „Other Nature“, der sich durch seine helle und einladende Einrichtung auszeichnet. Hier wird nicht nur eine Vielzahl an Produkten angeboten, sondern auch ein Raum für Bildung und Community geschaffen. Der Laden versteht sich als queerfeministisch und hat sich fest in der queeren Community verankert. Neben körperfreundlichen, veganen Sextoys und genderaffirmativen Produkten wie Brustbindern und Brustformen, bietet Other Nature auch Workshops und Kulturveranstaltungen an. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der ausführlichen Kundenberatung und dem Verkauf von Produkten ohne tierische Inhaltsstoffe.
Die Geschäftsführer*in Maja Shand hebt hervor, dass der Shop darauf abzielt, sexpositive, solidarische und nachhaltige Erfahrungen zu bieten. Trotz dieser hohen Ideale sieht sich Other Nature jedoch mit einem ernsthaften Umsatzrückgang von 30 bis 50 Prozent konfrontiert, was zu einer Reduzierung des Personals von zehn auf sechs Mitarbeitende geführt hat. Der Rückgang wird unter anderem auf die allgemeine Einzelhandelskrise in Deutschland sowie auf den Umzug von der Bergmannstraße zur Yorckstraße zurückgeführt. Eine im vergangenen Herbst gestartete Hilfskampagne konnte zwar Unterstützung bieten, doch die Herausforderungen bleiben bestehen.
Engagement für Vielfalt und Nachhaltigkeit
Other Nature wurde 2011 gegründet und hat sich seither als queer-feministischer, sex-positiver, umweltfreundlicher und veganer Sex Laden etabliert. Der Fokus liegt auf Bildung und Community-Verantwortung, anstatt nur auf Gewinnstreben. Das Sortiment reicht von körperverträglichen Sextoys über Bücher und Zines bis hin zu alternativen Menstruationsprodukten und lokal hergestellter Kink-Ausrüstung. Ein zentrales Ziel ist es, allen Menschen Zugang zu Sexualbildung und hochwertigen Produkten zu ermöglichen und gleichzeitig sexistischer Stereotypen, Binarismus sowie rassistischer Diskriminierung entgegenzuwirken.
Other Nature setzt sich aktiv für anti-oppressive Praktiken und eine intersektionale Perspektive ein. Dies bedeutet auch, dass die Rechte auf körperliche Autonomie, Selbstausdruck und sexuelle Selbstbestimmung gefördert werden. Das Team unterstützt die Entstigmatisierung von Gesprächen über Sexualität und bietet auch Unterstützung für Überlebende sexualisierter Gewalt an. Alle Produkte sind vegan, darunter Strap-ons, Kink-Ausrüstung und Safer-Sex-Zubehör, was die Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Menschen unterstreicht.
Queerfeminismus als Grundlage
Das Konzept von Other Nature ist stark von den Prinzipien des Queerfeminismus geprägt. Diese Form des Feminismus, die der Dritten Welle zugerechnet wird, stellt die Heteronormativität und die binäre Geschlechterordnung in Frage. Politisch manifestiert sich der Queerfeminismus unter anderem in der queeren und LGBT-Bewegung, die aus der LGBTIQ-Bürgerrechtsbewegung der 1970er Jahre hervorging und sich für die Rechte und Sichtbarkeit von Personen mit abweichender sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität einsetzt. Die Ursprünge liegen in der Lesben- und Schwulenbewegung, die durch den Stonewall-Aufstand von 1969 geprägt wurde.
Die queerfeministische Theorie, stark beeinflusst von Judith Butler, betrachtet Geschlecht und Sexualität als diskursiv hergestellte Kategorien, die nicht naturgegeben sind. Diese Perspektive fördert ein Verständnis von Geschlecht als performativen Akt, der historisch und situativ kontingent ist. So wird auch die Arbeit von Other Nature durch die Prinzipien des Queerfeminismus gestärkt, indem sie eine Umgebung schaffen, die sexuelle Selbstbestimmung und Vielfalt unterstützt und vorantreibt.
In Zeiten von Herausforderungen und Unsicherheiten bleibt Other Nature ein leuchtendes Beispiel für Engagement, Bildung und die Förderung von Vielfalt in der Sexualität. Die Zukunft des Ladens wird von der Unterstützung der Community und der kontinuierlichen Verpflichtung zu seinen Idealen abhängen, während er sich den Realitäten des Marktes stellt.
Für weitere Informationen zu Other Nature und ihrem breiten Angebot besuchen Sie bitte die Webseite. Mehr über die Hintergründe des Queerfeminismus erfahren Sie in diesem Artikel.