In der aktuellen Diskussion um die Seenotrettung im Mittelmeer nimmt der neue Film „Ocean Viking“ von Regisseur Jean-Baptiste Bonnet eine zentrale Rolle ein. Der Dokumentarfilm begleitet die Crew des gleichnamigen Rettungsschiffes über einen Zeitraum von sechs Wochen und thematisiert die Herausforderungen, denen sich die Seenotretter:innen täglich stellen müssen. Die eindringlichen Bilder fangen die Atmosphäre zwischen Gefahr und Hoffnung ein und zeigen die Wachsamkeit der Crew sowie die emotionalen Höhepunkte, die mit den Rettungsaktionen verbunden sind. Ein besonders berührendes Element des Films ist die Darstellung der Geschichten der Geretteten, die von Flucht, Verlust und dem Streben nach Sicherheit erzählen. Wenn das Schiff schließlich einen europäischen Hafen erreicht, wird die Zerrissenheit zwischen Trauma und neuer Hoffnung spürbar. [Cineplex] berichtet, dass der Film einen zeitlosen Raum vor den Toren Europas thematisiert und somit die wichtigen Fragen zur Migration und Seenotrettung aufwirft.

Ein konkretes Beispiel für die Herausforderungen der Seenotrettung wird in einem Vorfall beschrieben, bei dem zwei kleine Objekte im Morgennebel entdeckt wurden. Diese entpuppten sich als überfüllte Holzboote, manövrierunfähig in internationalen Gewässern, etwa 130 Kilometer vor der libyschen Küste. Hierbei leiteten die Verantwortlichen auf der Brücke des Rettungsschiffes einen ausgeklügelten Rettungsablauf ein. In einem fragmentierten globalen Kontext sind solche Situationen zunehmend zur Normalität geworden. [Tagesspiegel] hebt hervor, dass an Bord der Boote 196 Männer aus Bangladesch waren, deren Leben in akuter Gefahr schwebte, was die Dringlichkeit und Relevanz des Themas unterstreicht.

Politische Verantwortung und die internationale Dimension

Die Seenotrettung im Mittelmeer wird zudem von einem rechtlichen und politischen Rahmen beeinflusst, der oft in der Kritik steht. Marie Michel von SOS Humanity beispielsweise wurde mit der ernüchternden Antwort konfrontiert, dass die italienische Rettungsleitstelle für den Vorfall nicht zuständig sei. Dies verdeutlicht, wie die EU seit über zehn Jahren die Verantwortung für die Rettung von Menschen in diesem gefährlichen Seegebiet an zivile Organisationen ausgelagert hat. Laut [DW] wurde SOS Humanity, die am 1. Mai 68 Menschen aus seeuntauglichen Booten rettete, seit ihrer Gründung im Jahr 2015 bereits mit über 38.000 Geretteten zu einer wichtigen Akteurin in der Seenotrettung.

Die Organisation macht jedoch nicht nur auf ihre Erfolge aufmerksam; sie kritisiert auch die bestehenden Kooperationsabkommen der EU mit Libyen und Tunesien, die von Menschenrechtsverletzungen überschattet sind. Diese Abkommen, die im Jahr 2017 und 2023 geschlossen wurden, sollten die Flucht und die damit verbundenen Todesfälle im Mittelmeer reduzieren, haben jedoch oft das Gegenteil bewirkt. Gerald Knaus, ein Migrationsexperte, kritisiert das Versagen der europäischen Regierungen, das Sterben im Mittelmeer zu beenden, und fordert eine grundlegende Änderung der Migrationspolitik. Er schlägt vor, dass Deutschland mit Großbritannien ein Rücknahmeabkommen schließen sollte, um die irreguläre Migration zu kontrollieren.

Menschenschicksale und die Forderungen der Seenotretter

Die aktuellen Herausforderungen werden durch erschreckende Statistiken untermauert: Seit 2014 sind knapp 32.000 Geflüchtete im Mittelmeer ertrunken, wobei allein in diesem Jahr bereits um die 500 Menschen ihr Leben verloren haben. [DW] stellt fest, dass Überlebende oft von schweren Traumata und Folter in Libyen berichten, die sie zuvor erlitten haben. Klaus Vogel, Gründer von SOS Humanity, zeigt sich enttäuscht über die fehlende Anerkennung der Seenotrettung durch die europäischen Regierungen und appelliert für ein europäisches Seenotrettungsprogramm, um das Leben der Menschen zu schützen.

In einer Zeit, in der das Thema Migration und Seenotrettung in Europa immer drängender wird, zeigt der Film „Ocean Viking“ eindrucksvoll, welche menschlichen Schicksale hinter den Statistiken stehen und wie wichtig es ist, den Menschen in Not zu helfen. Angesichts der kritischen Ist-Situation im Mittelmeer bleibt die Frage bestehen, wie die internationale Gemeinschaft dieser Herausforderung begegnen kann.