Neukölln, ein Stadtteil Berlins, der für seine Gegensätze bekannt ist, steht im Fokus eines neuen Films von Eva Demmler und Axel Friedrich mit dem Titel „Unterwegs in Berlin-Neukölln“. Die Ausstrahlung des Films erfolgt am 18.02.2026 von 04:40 bis 04:45 Uhr auf RBB. Neukölln vereint viele Facetten: Es ist hip, trendy und kreativ, wird aber zugleich als arm, verwahrlost und kriminell wahrgenommen. Diese widersprüchlichen Merkmale machen den Stadtteil zu einem Ort voller außergewöhnlicher Geschichten.
Besonders die Sonnenallee, auch als „arabische Straße Berlins“ bekannt, und Böhmisch-Rixdorf, das dörflich-grün und beschaulich erscheint, zeigen die Vielfalt des Stadtteils. Historisch ist Neukölln stark von Einwanderung geprägt, was sich in der bunten Bevölkerung widerspiegelt: Aktuell leben hier Menschen aus über 160 Nationen. Diese Diversität bringt nicht nur kulturelle Bereicherung, sondern auch Herausforderungen mit sich, wie die Debatte um die sogenannte „Clankriminalität“, die in den letzten Jahren in Deutschland, insbesondere in Neukölln, an Brisanz gewonnen hat (Source 2).
Clankriminalität und ihre Auswirkungen
Die Diskussion um „Clankriminalität“ hat weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Personen und Stadtteile. Der Begriff wird oft als politischer Kampfbegriff verwendet und richtet sich in erster Linie gegen Menschen mit arabischer Migrationsgeschichte. Aggressive Polizeikontrollen in (post)migrantischen Aufenthaltsorten sind seit der Einführung einer „Null-Toleranz-Politik“ unter der damaligen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey im Jahr 2017 zu beobachten. Diese Kontrollmaßnahmen umfassen verschiedene Bereiche wie Gewerbeordnung, Jugendschutz und Arbeitsrecht und erfolgen häufig mit massivem Polizeiaufgebot (Source 2).
Die Statistiken zeigen, dass die Polizei in Neukölln zwischen 2019 und 2021 zahlreiche Kontrolleinsätze durchführte. Diese führten jedoch meist zu kleineren Delikten, wie Verstößen gegen den Jugendschutz oder fehlenden Meisterbriefen. Die Dominanz von Verkehrsstraftaten in den Statistiken zur Clankriminalität wirft Fragen auf, wie die öffentliche Wahrnehmung und die politischen Maßnahmen miteinander verknüpft sind. Kritiker bemängeln, dass diese Stigmatisierung und rassistische Zuschreibungen die soziale Ungleichheit weiter zementieren und zur Gentrifizierung des Stadtteils beitragen, wo die Mietpreise in den letzten zehn Jahren um 146% gestiegen sind (Source 2).
Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen
Im Jahr 2024 wurden in Neukölln 851 Straftaten im Zusammenhang mit Clankriminalität aufgezeichnet, was einen Rückgang von 20 Prozent im Vergleich zu 2023 darstellt. Dies wird unter anderem auf gezielte Kontrolleinsätze und umfassende Ermittlungsverfahren zurückgeführt, die von der Polizei und anderen Behörden durchgeführt wurden (Source 3). Dennoch bleibt die Situation angespannt, und Experten warnen vor einem erheblichen Dunkelfeld, in dem viele Straftaten unerkannt bleiben.
Die politischen Diskussionen über die Clankriminalität sind von Kontroversen geprägt, insbesondere wenn es darum geht, wie die Maßnahmen gegen diese Form der Kriminalität ausgestaltet werden sollten. Der Begriff selbst ist umstritten, da er oft zur Stigmatisierung von Menschen mit Migrationshintergrund führt. In diesem komplexen Gefüge aus sozialer Ungleichheit, Rassismus und Gentrifizierung zeigt sich, wie eng soziale Probleme miteinander verwoben sind und wie wichtig es ist, differenzierte Ansätze zur Lösung dieser Herausforderungen zu finden (Source 3).
Der Film „Unterwegs in Berlin-Neukölln“ könnte dazu beitragen, diese Themen einem breiteren Publikum näherzubringen und die vielschichtigen Geschichten des Stadtteils sichtbar zu machen, während gleichzeitig die Debatten über Identität, Sicherheit und soziale Gerechtigkeit angestoßen werden.