Am Sonntagabend fand in der Imam-Riza-Moschee in Berlin-Neukölln eine Trauerzeremonie für den getöteten iranischen Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei statt. Die Polizei bestätigte die Veranstaltung, bei der etwa 80 Besucher gezählt wurden. Vor der Moschee protestierten ebenso viele Kritiker des iranischen Mullah-Regimes, was die angespannte Stimmung verdeutlicht. Die Imam-Riza-Moschee gehört zur schiitischen Strömung im Islam, die die Staatsreligion Irans darstellt. Ali Chamenei, der jahrzehntelang das iranische Regime führte, wurde am Samstag bei einem israelisch-amerikanischen Angriff getötet. Er galt als Ajatollah, der höchste Titel im Schiitentum, und wurde 86 Jahre alt.

In der Vergangenheit fanden in der Moschee bereits Trauerfeiern für islamistische Führer statt, darunter die für Qassem Soleimani im Januar 2020. Sicherheitsbehörden haben die Moschee seit Jahren im Blick, und etwa 30% der Bevölkerung im Libanon bekennen sich zum schiitischen Islam. Die Hisbollah, die als schiitisch-islamistische Partei und Terrornetzwerk agiert, ist ein enger Verbündeter des iranischen Regimes. Währenddessen feierten Exil-Iraner und Bundesbürger iranischer Herkunft den Tod Chameneis am Brandenburger Tor, wo sie Fahnen von Iran, den USA und Israel schwenkten.

Die Biografie von Ali Chamenei

Ali Chamenei wurde 1939 in Mashad, Iran, als zweiter Sohn von acht Kindern geboren. Bereits in jungen Jahren widmete er sich religiösen Studien und sah Ajatollah Chomeini als Vorbild. In den 1970er Jahren kämpfte er gegen den Schah und dessen Politik, was ihn schließlich ins Gefängnis brachte. Die Proteste der islamischen Bewegung führten 1979 zum Sturz des Schahs und zur Gründung der Islamischen Republik Iran. 1981 wurde Chamenei zum Staatspräsidenten gewählt und blieb bis zum Tod Chomeinis im Juni 1989 im Amt. Nach Chomeinis Tod wurde er von einem Expertenrat zum Obersten Führer gewählt.

Chamenei überlebte 1981 einen Bombenanschlag, bei dem sein rechter Arm gelähmt wurde. Er vertrat ein radikal konservatives Weltbild und lehnte sowohl politische Öffnungen als auch Lockerungen der Kleiderregeln und Zensur ab. Trotz seiner strengen Haltung hatte er eine Vorliebe für Poesie und Literatur und las auch westliche Autoren wie Victor Hugo. Um seine Macht zu festigen, unterstützte er die Islamischen Revolutionsgarden, die zur führenden Streitmacht im Iran wurden und bei regierungsfeindlichen Protesten, wie der Studentenbewegung 1999 oder den Protesten nach dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022, brutal vorgingen.

Ein Blick auf die Geschichte Irans

Die Geschichte der Islamischen Republik Iran ist von zahlreichen Konflikten und Krisen geprägt. 1979 markiert die Gründung der Republik nach dem Verlassen des Schahs und der Rückkehr von Ajatollah Chomeini. In den Jahren 1980 bis 1988 führte der Iran-Irak-Krieg zu unzähligen Opfern. Der Tod von Chomeini 1989 leitete eine neue Ära unter Chamenei ein. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Proteste gegen das Regime, die oft blutig niedergeschlagen wurden, wie etwa während der Proteste 1999 und 2009 oder den massiven Unruhen 2022 nach dem Tod von Mahsa Amini.

Die geopolitischen Spannungen blieben nicht aus, als US-Präsident George W. Bush Iran 2002 als Teil der „Achse des Bösen“ bezeichnete. Spätere Entwicklungen, wie die Kündigung des Atomabkommens durch die USA im Jahr 2018, führten zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen und politischen Situation im Iran. Der Tod von Ali Chamenei könnte nun eine entscheidende Wende in der Geschichte des Landes darstellen, wobei die Reaktionen sowohl innerhalb als auch außerhalb Irans stark divergieren.

Für weitere Informationen über die Trauerzeremonie und die Hintergründe zu Ali Chamenei, können Sie die Artikel auf Tagesspiegel und BR lesen.

Die Geschichte Irans ist komplex und vielschichtig und wird auch in Zukunft von den Entwicklungen rund um das Regime und den Einfluss von Ajatollah Ali Chamenei geprägt sein. Die Ereignisse der letzten Tage könnten eine neue Ära einläuten, deren Auswirkungen sowohl für die iranische Bevölkerung als auch für die internationale Gemeinschaft von Bedeutung sind.