Am Sonntagabend, dem 1. März 2026, wurde die Reuterstraße in Berlin-Neukölln von der Polizei abgeriegelt, um eine Trauerfeier für den verstorbenen Religionsführer Ali Chamenei abzusichern. Die Absperrgitter blockierten die Durchgänge an der Flughafenstraße und der Kreuzung zur Erlanger Straße. Nur Anwohner und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im Islamischen Zentrum Imam Rıza, einer schiitischen Moschee, hatten Zugang. Diese Versammlung wurde als „Gedenkversammlung zum Märtyrertod des Imams der Umma, Ayatollah Khamenei“ angekündigt, an der etwa 100 Menschen teilnahmen. Regelmäßige Besuche von Gläubigen, überwiegend Männern und gelegentlich Frauen mit Kopftuch, sind in dieser Moschee nicht ungewöhnlich.
Gleichzeitig fand an der Kreuzung zur Erlanger Straße eine lautstarke Kundgebung von etwa 50 Gegendemonstranten statt, die gegen die Trauerfeier protestierten. Die Protestierenden riefen „Terrorist, Terrorist“ und nutzten große Boxen sowie eine generatorbetriebene Anlage, um ihre Botschaft zu verstärken. Der Redner der Kundgebung äußerte sich negativ über die Trauernden und feierte den Tod von Chamenei. Die Demonstranten skandierten Parolen wie „Freiheit für Iran“ und zeigten ihre Unterstützung für Shah Reza Pahlavi, den Sohn des früheren persischen Monarchen. In der Menge schwenkten sie Flaggen in den Farben des Iran, Israel-Flaggen und schwarze I.D.F.-Flaggen. Insgesamt nahmen rund 110 Personen an diesem Gegenprotest teil, während eine Palästina-Flagge von einem Balkon gegenüber der Moschee hing. Die Imam Rıza-Moschee war in der Vergangenheit als Treffpunkt für Unterstützer der Hisbollah bekannt, einer Organisation, die in Deutschland als Terrororganisation eingestuft ist und einem Betätigungsverbot unterliegt.
Der Kontext von Ali Chamenei und den Protesten
Ali Chamenei, der 1989 nach dem Tod von Ayatollah Ruhollah Chomeini das Amt des obersten Führers des Iran übernahm, gilt als Drahtzieher zahlreicher politisch motivierter Morde und wurde für die blutige Niederschlagung von Protesten gegen das Regime verantwortlich gemacht. Unter seiner Führung baute der Iran ein Netzwerk von Proxy-Milizen auf und unterstützte terroristische Vereinigungen wie Hamas. Chamenei starb schließlich bei einem Luftangriff einer Koalition aus Washington und Jerusalem. Die Demonstranten in Neukölln, die sich gegen den Islamismus aussprachen, sehen in seiner Person ein Symbol für die repressiven Strukturen des iranischen Regimes.
Die Imam Rıza-Moschee geriet bereits 2020 in die Schlagzeilen, als sie eine Trauerzeremonie für Qassem Soleimani abhielt, den Führer der „Iranischen Revolutionsgarden“, die ebenfalls als terroristische Organisation eingestuft sind. Imam Sabahattin Türkyilmaz, der in der Moschee predigt, war in der Vergangenheit wegen antisemitischer Äußerungen in der Kritik. Sicherheitsbehörden vermuten, dass sich unter den Besuchern der Moschee auch Anhänger der libanesischen Terrormiliz Hisbollah befinden.
Die Rolle der Sicherheitsbehörden und der Verfassungsschutz
Der Verfassungsschutz warnt vor der Einflussnahme des iranischen Regimes, insbesondere auf schiitische Gemeinden in Deutschland. Die Polizei war am Sonntag mit rund 420 Beamten im Einsatz, um mögliche Zusammenstöße zwischen den Demonstranten und den Trauernden zu verhindern. Diese Vorkehrungen spiegeln die anhaltenden Spannungen wider, die durch die politischen Entwicklungen im Iran und die damit verbundenen Protestbewegungen in Deutschland entstanden sind.
Am Brandenburger Tor feierten etwa 1.800 Menschen zeitgleich die von Israel und den USA geführte Militäroperation im Iran und forderten ein Ende des Regimes. Diese Demonstrationen unterstreichen die komplexen politischen Verhältnisse und die unterschiedlichen Perspektiven zu den Ereignissen im Iran, die auch in Deutschland eine breite Diskussion über den Einfluss des iranischen Regimes und seine Verbindungen zu islamistischen Gruppierungen anstoßen.
Die Entwicklungen rund um die Imam Rıza-Moschee und die Proteste in Neukölln sind Teil eines größeren Bildes, das die Verflechtungen zwischen religiösen Gemeinschaften, politischen Regimen und gesellschaftlichen Bewegungen in Deutschland beleuchtet. Ein Blick auf ähnliche Ereignisse, wie das Vereinsverbot gegen das Islamische Zentrum Hamburg, das als „verlängerter Arm“ des iranischen Regimes in Europa gilt, zeigt, dass der Umgang mit extremistischen Aktivitäten und die Überwachung solcher Organisationen von zentraler Bedeutung sind, um eine friedliche gesellschaftliche Koexistenz zu gewährleisten. Dieses Verbot wurde als Wirkungstreffer gegen den islamischen Extremismus bezeichnet und zeigt die Entschlossenheit der deutschen Behörden, gegen radikale Strömungen vorzugehen.