In Neukölln, einem der lebhaftesten Stadtteile Berlins, wurde Hudhaifa Al-Mashhadani, Direktor der Deutsch-Arabischen Sprachschule Ibn-Khaldun, Opfer eines mutmaßlichen Mordversuchs. Berichten zufolge versuchte ein Unbekannter, Al-Mashhadani vor eine einfahrende U-Bahn zu stoßen und bedrohte ihn mit dem Tod. Laut seiner eigenen Schilderung auf Facebook trug der Angreifer ein rotes Palästinensertuch und machte eine Tötungsgeste. Der Vorfall ereignete sich am Freitagvormittag am U-Bahnhof Rathaus Neukölln und sorgte für große mediale Aufmerksamkeit, insbesondere nachdem der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und Neuköllns Bezirksbürgermeister Hikel den Angriff scharf verurteilten. Al-Mashhadani wies zudem auf eine angebliche „geheime Struktur“ namens „Armee der Gefährten Mohammeds“ hin, die in Berlin aktiv sein soll. Dies führte zu einer breiten Diskussion über Sicherheit und das Klima der Angst innerhalb der arabischen Gemeinschaft in Berlin.

Al-Mashhadani, 44 Jahre alt, lebt seit 2016 in Berlin und ist als Generalsekretär des Deutsch-Arabischen Rates und Kritiker islamistischer Netzwerke bekannt. Er übernahm 2022 den Vereinsvorsitz der Ibn-Khaldun-Schule und organisierte ein arabisches Literaturfestival. Seine Aktivitäten wurden mit über 50.000 Euro aus dem Antisemitismusfonds des Berliner Senats gefördert. Dennoch werfen Recherchen der taz Fragen zu seiner Biografie auf: Viele seiner Angaben, darunter sein Master und seine Promotion, konnten nicht verifiziert werden. Die Rice University bestätigte, dass das Baker Institute keine Promotionen vergibt und Al-Mashhadani nicht im Archiv zu finden ist, was zu Spekulationen über seine akademische Integrität führte.

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Ermittlungen und öffentliche Reaktionen

Die Berliner Polizei hat die Ermittlungen übernommen, und der Staatsschutz des Landeskriminalamtes (LKA) prüft Videoaufzeichnungen vom Bahnsteig. Diese Aufnahmen zeigen jedoch keinen tätlichen Angriff. Al-Mashhadani wird nun selbst wegen „falscher Verdächtigung“ ermittelt, da seine Schilderungen und die Umstände des Vorfalls in Zweifel gezogen werden. Er erstattete Anzeige über das Internet, und die Polizei hat die Anzeige erhalten. Zeugen werden gesucht, um Licht in die Angelegenheit zu bringen.

In einer gemeinsamen Erklärung haben verschiedene Organisationen ihre Solidarität mit Al-Mashhadani bekundet und die Behörden aufgefordert, den Täter zu finden. Medien und Politiker zeigen zunehmend Interesse an seiner Person und der Ibn-Khaldun-Schule. Al-Mashhadani hat sich auch aktiv an proisraelischen Veranstaltungen beteiligt und veröffentlichte regelmäßig Stellungnahmen zu aktuellen Themen.

Kontextualisierung und gesellschaftliche Auswirkungen

Der Vorfall wirft nicht nur Fragen zur Sicherheit, sondern auch zur gesellschaftlichen Stimmung in Berlin auf. Antisemitische Übergriffe und Bedrohungen sind in den letzten Jahren angestiegen. Die Liste von antisemitischen Angriffen im deutschsprachigen Raum zeigt eine besorgniserregende Entwicklung, die von physischen Übergriffen bis hin zu Drohungen reicht. Allein in den letzten Monaten gab es mehrere Vorfälle, darunter Angriffe auf jüdische Personen in Berlin. Die Geschehnisse rund um Al-Mashhadani könnten somit Teil eines größeren Musters sein, das auch die arabische und jüdische Gemeinschaft in Berlin betrifft.

Die Verquickung von Identität, Religion und politischem Engagement in Berlin erfordert eine besondere Sensibilität. Al-Mashhadani hat durch seine öffentliche Präsenz und Aktivitäten sowohl Unterstützung als auch Kritik erfahren. Die weiteren Entwicklungen in dieser Angelegenheit werden mit Spannung verfolgt, sowohl von der arabischen Gemeinschaft als auch von den politischen Entscheidungsträgern der Stadt.