Am 23. Februar 2026 wurde die Buchhandlung „Leporello“ in Rudow erneut Opfer eines Angriffs, als ein Ei auf ihr Schaufenster geworfen wurde. Inhaber Heinz Ostermann spricht von einem gezielten Angriff, da das Ei genau den Bereich traf, in dem „Rudow empört sich“-Postkarten und ein Plakat gegen rechte Populisten ausgestellt waren. Dies ist bereits der fünfte Angriff auf Ostermann, der in den letzten Jahren immer wieder Ziel mutmaßlich rechtsextremer Attacken wurde.

Die Vorfälle sind alarmierend: Bereits im Dezember 2016 gab es einen Steinwurf nach einer Lesung zur AfD, und in den Jahren 2017 und 2018 kam es zu zwei Brandanschlägen auf sein Auto. Im Oktober 2024 wurde zudem ein Reifen von Ostermanns Fahrzeug zerstochen. In Neukölln sind insgesamt mindestens 72 rechte Straftaten dokumentiert, darunter 27 Brandanschläge. Nach dem dritten Angriff gründete Ostermann 2018 die Initiative „Rudow empört sich“, die sich für Respekt und Vielfalt einsetzt und die zunächst die mangelnde Unterstützung durch Sicherheitsbehörden kritisierte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Eine Stimme gegen Rechtsextremismus

Heinz J. Ostermann ist nicht nur Inhaber der Buchhandlung Leporello, sondern auch stark in der Gemeinschaft engagiert. Zuletzt wurde er mit dem Preis der 16 Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Diese Ehrung, die er am 28. März in Augsburg entgegennehmen wird, würdigt sein unermüdliches Engagement gegen Rechtspopulismus und Rassismus. Neben der Initiative „Rudow empört sich“ ist Ostermann auch Mitbegründer der Initiative „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“ und setzt sich seit 2018 mit verschiedenen Formaten für demokratische Werte, Respekt, Toleranz und Vielfalt ein.

Die Polizei hat Ostermanns Strafanzeige aufgenommen, und das Landeskriminalamt hat sich gemeldet, um mögliche Sicherheitsmaßnahmen für die Buchhandlung und die Mitarbeiter:innen zu prüfen. Leider blieb eine Anfrage des Tagesspiegels an die Polizei unbeantwortet. Am 21. März plant die Initiative eine Menschenkette anlässlich des Internationalen Tags gegen Rassismus, um ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt zu setzen.

Rechtsextremismus in Deutschland

Der Kontext dieser Angriffe ist besorgniserregend, denn das Personenpotenzial der gewaltorientierten Rechtsextremisten in Deutschland hat sich erhöht und liegt nun bei rund 15.300 Personen. Insgesamt sind im Jahr 2024 etwa 50.250 rechtsextremistische Personen registriert, was einen Anstieg um 9.650 Personen im Vergleich zu 2023 darstellt. Die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten stieg im Jahr 2024 auf 37.835, was einem Anstieg von 47,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten hat sich ebenfalls erhöht: 1.281 Gewalttaten wurden registriert, was einen Anstieg um 11,6 % im Vergleich zu 2023 bedeutet. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg von Körperverletzungsdelikten mit fremdenfeindlichem Hintergrund um 4,8 % auf 916. Auch fremdenfeindliche Gewalttaten sind um 5,4 % auf 983 gestiegen. Dies zeigt, dass rechtsextreme Einstellungen und Gewalt in der Gesellschaft weiterhin ein ernsthaftes Problem darstellen.

Die fortwährenden Angriffe auf Einrichtungen wie die Buchhandlung Leporello sind ein alarmierendes Zeichen, dass die Gesellschaft zusammenstehen muss, um solchen Übergriffen entgegenzutreten. Ostermann und seine Initiativen sind ein Beispiel für den Mut und das Engagement, das in der Zivilgesellschaft erforderlich ist, um für ein respektvolles Miteinander zu kämpfen.