Die Zukunft der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) steht auf der Kippe. Seit Jahren wird nach einem geeigneten zentralen Standort für die ZLB gesucht, und die Verhandlungen über einen Einzug in das Galeria-Gebäude am Alexanderplatz laufen derzeit. Dieser Standort gilt als Favorit des Senats, jedoch gestaltet sich die Verhandlung mit dem Eigentümer CommerzReal als schwierig. Es gibt mehrere mögliche Standorte, darunter das Humboldt Forum und ein Neubau am Anhalter Bahnhof, aber die Entscheidung bleibt eine offene kulturpolitische Frage in Berlin.
Die ZLB, die landesbibliothekarische Aufgaben erfüllt und als öffentliche Zentralbibliothek des Landes Berlin fungiert, hat derzeit zwei Standorte: die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg und die Berliner Stadtbibliothek in Mitte. Diese beiden Bibliotheken verzeichnen über 1,2 Millionen Besuche pro Jahr, sind jedoch überlastet. Die ZLB hat den Auftrag, freien Zugang zu Wissen, Bildung und Kultur für alle Menschen zu ermöglichen und dient als Ort der Begegnung und des Teilens, was durch die räumliche Trennung der Standorte gefährdet wird.
Standorte im Fokus
Der Standort am Alexanderplatz 9 wird als kostengünstige und nachhaltig verfügbare Alternative zu einem Neubau angesehen. Jonas Fansa, Direktor der ZLB, zeigt sich zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werden kann und dankt der Kultursenatorin für ihre Unterstützung. Zudem könnte der gemeinsame Standort am Alexanderplatz die Möglichkeit bieten, den Platz zu einem attraktiven Aufenthaltsort für die Berliner Bevölkerung zu entwickeln. Internationale Beispiele aus Oslo, Birmingham und Amsterdam belegen, wie Bibliotheken zur Stadtentwicklung beitragen können.
Im Humboldt Forum könnten Räume frei werden, die derzeit vom Stadtmuseum Berlin genutzt werden. Eine Bibliothek an diesem Standort würde nicht nur von der zentralen Lage, sondern auch von der guten Verkehrsanbindung profitieren. Diese Idee wurde bereits in den 2000er Jahren diskutiert, jedoch nicht realisiert. Ein weiterer möglicher Standort ist der Anhalter Bahnhof, wo eine Fläche zur Verfügung steht, nachdem das Exilmuseum aufgrund gestiegener Kosten gestoppt wurde. Ein Bibliotheksbau dort könnte eine interessante Lösung darstellen.
Die Herausforderung der Integration
Die ZLB hat eine lange Geschichte von gescheiterten Versuchen, die Institution an einem zentralen Standort zusammenzuführen. Ursprünglich war ein Neubau am Tempelhofer Feld geplant, der jedoch am Volksentscheid zur Bebauung scheiterte. Auch ein Plan zur Bebauung des Marx-Engels-Forums wurde verworfen. Stattdessen entsteht das Freiraumprojekt „Rathausforum“. Das Gebäude an der Tiergartenstraße soll als temporäre Lösung für die Staatsbibliothek dienen und könnte nach der Sanierung als langfristiger Standort für die ZLB in Betracht gezogen werden, allerdings erst ab den 2040er Jahren.
Die ZLB hat den Auftrag, alle in Berlin erscheinenden Druckwerke, Daten- und Tonträger zu sammeln und fördert aktiv den Austausch und Diskurs in der Stadtgesellschaft. Die aktuellen Herausforderungen und die Suche nach einem neuen zentralen Standort sind Teil eines größeren stadtentwicklungspolitischen Kontextes, der die Bedeutung von Bibliotheken in der modernen Stadtgesellschaft unterstreicht. Die Entscheidung über die Zukunft der ZLB bleibt dabei von großer kultureller und sozialer Relevanz für Berlin.
Um mehr über die Hintergründe und die Entwicklungen zu erfahren, können Sie die Artikel auf Entwicklungsstadt und ZLB sowie die offizielle Seite der ZLB auf Berlin.de besuchen.