In Berlin-Mitte wird derzeit ein spannendes Projekt mit dem Namen „Sixty2“ realisiert. An der Klosterstraße wird ein ehemaliges Bürohaus aus der DDR, ein typischer Vertreter der Ostmoderne aus den späten 1960er Jahren, von der Projektentwicklungsfirma Trockland weiterentwickelt. Die Fläche des Projekts beträgt rund 22.000 Quadratmeter. Ziel ist es, das Bestandsgebäude zu erhalten, energetisch zu sanieren und durch Ergänzungen zu bereichern, ohne dabei seine architektonische Identität zu verlieren.

Das Projekt profitiert von der Zusammenarbeit mit den renommierten TCHOBAN VOSS Architekten. Anstelle eines Abrisses wird auf eine umfassende Revitalisierung gesetzt, um die geschichtsträchtige Architektur zu bewahren. Geplant ist ein Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie, der den urbanen Raum in diesem Teil Berlins aufwerten soll. Der erste Bauabschnitt ist bereits weit fortgeschritten: Die Rohbauarbeiten sind abgeschlossen, und der Innenausbau befindet sich in vollem Gange. Geplant sind 43 Mietwohnungen mit Balkonen, die zum neu gestalteten Innenhof ausgerichtet sind, sowie 130 Micro-Apartments, die von Limehome betrieben werden.

Nachhaltigkeit und Gemeinschaft

Ein Fitnessstudio im Untergeschoss und eine Gastronomiefläche im Erdgeschoss, die bereits an ein lokales Café vergeben wurde, runden das Angebot ab. Zudem stehen vier Büroflächen zur Verfügung, von denen bereits große Teile vermietet sind. Die ersten Einzüge sind für den Sommer und Herbst 2023 geplant, während der zweite Bauabschnitt voraussichtlich im Sommer 2023 beginnen soll und eine Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren in Anspruch nehmen wird.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Nachhaltigkeit des Projekts. So soll im zweiten Bauabschnitt die fensterlose Fassade entfernt und durch einen Anbau mit neuer Glasfassade ersetzt werden. Zudem sind Dachbegrünungen und Photovoltaikanlagen geplant, mit dem Ziel, eine LEED Platin Zertifizierung zu erreichen. Auch prägende Elemente des DDR-Bestands, wie das Treppenhaus und das Foyer, werden erhalten, während im östlichen Gebäudeteil eine Sanierung mit Anbau in einem eigenständigen „Townhouse-Stil“ vorgesehen ist.

DDR-Architektur im Wandel

Die Auseinandersetzung mit der DDR-Architektur ist nicht neu. Diese polarisiert zwischen sozialistischer Vision und moderner Baukunst. Plattenbauten wurden oft als graue Kulissen wahrgenommen, doch dahinter steckt ein Ausdruck von Radikalität und Experimentierfreude. In den letzten 30 Jahren hat sich das Bewusstsein für den Erhalt dieser Bauten gewandelt. Nachwendedeutschland hat zwar viele DDR-Bauten abgerissen, doch das Interesse an deren Erhalt und Umnutzung wächst zunehmend. Projekte wie „Sixty2“ zeigen, dass es möglich ist, historische Bauten nachhaltig weiterzuentwickeln und gleichzeitig moderne Bedürfnisse zu erfüllen.

Die Debatte über Abriss und Denkmalschutz ist in vollem Gange, und viele architektonische Meisterwerke der Ostmoderne stehen auf der Kippe. Gebäude, die einst als progressiv galten, werden heute als Teil der kulturellen Identität in Deutschland gesehen. Die Architektur der DDR war nicht nur eine Kulisse, sondern ein Versuch, die Gesellschaft zu formen. Der Erhalt dieser Bauwerke kann nicht nur Ressourcen sparen, sondern auch CO₂-Emissionen reduzieren, was in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Entwicklungen in Berlin-Mitte sind also Teil eines größeren Trends, der die DDR-Architektur als Labor für nachhaltige Stadtentwicklung betrachtet. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für Planung und Partizipation, während die Herausforderungen der energetischen Sanierung und der sozialen Aspekte weiterhin im Mittelpunkt stehen. Das internationale Interesse an sozialistischen Stadtmodellen wächst, und Projekte wie „Sixty2“ könnten wegweisend für die Zukunft sein.

Das Projekt „Sixty2“ ist nicht nur ein Beispiel für die Revitalisierung eines historischen Gebäudes, sondern auch ein Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und gemeinschaftsorientierten Urbanität in Berlin. Es bleibt abzuwarten, wie sich die weitere Entwicklung gestalten wird, doch das Engagement für den Erhalt und die Transformation von DDR-Bauten ist ein wichtiger Teil der städtischen Identität und Zukunft.

Für weitere Informationen über das Projekt „Sixty2“ und seine Hintergründe können Sie die vollständigen Details auf Entwicklungsstadt nachlesen.