In der aktuellen Diskussion um den Lückenschluss im Berliner Straßenbahnnetz zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf rückt ein älterer Plan wieder in den Fokus. Die Grünen in Marzahn-Hellersdorf haben kürzlich ein Video auf Instagram veröffentlicht, das für den sogenannten „Tramring Ost“ wirbt. Diese geplante Straßenbahnlinie soll vom Bahnhof Mahlsdorf über die Ridbacher Straße und Nossener Straße bis zur Riesaer Straße führen. Das Hauptziel ist es, eine direkte Verbindung zwischen Köpenick und Hellersdorf zu schaffen, um eine bestehende Lücke im öffentlichen Nahverkehr zu schließen. Aktuell wird diese Verbindung hauptsächlich durch die Buslinie 195 bedient, die jedoch nicht ausreicht, um den Mobilitätsbedarf der Anwohner zu decken.
Manuela Neubert, die Direktkandidatin der Grünen für Mahlsdorf, sieht in diesem Projekt eine wertvolle Verbesserung für den öffentlichen Nahverkehr. Sie betont, dass der Tramring nicht nur Buslinien entlasten, sondern auch die Wege der Fahrgäste verkürzen und den ÖPNV attraktiver gestalten würde. Die geplante Trasse würde am Bahnhof Mahlsdorf beginnen und durch die Hönower Straße führen, wobei sie über den Kreisverkehr am Jacques-Offenbach-Platz, die Ridbacher Straße und das Grundstück der Grundschule am Schleipfuhl bis zur Nossener Straße verlaufen soll. Entlang der Nossener Straße gibt es bereits eine Fläche, die für eine Straßenbahntrasse freigehalten wurde, was auf historische Überlegungen aus dem letzten Jahrhundert zurückgeht.
Politische Kontroversen und Planungsstand
Die politische Debatte um das Straßenbahnprojekt ist jedoch nicht ohne Kontroversen. Niclas Rother von der CDU kritisiert, dass die Partei eine Machbarkeitsstudie für die neue Straßenbahnstrecke versprochen, diese aber bislang nicht in Auftrag gegeben hat. Auch die Planung der „Verkehrslösung Mahlsdorf“ muss neu gedacht werden, da die Straßenbahn an der Hönower Straße endet. Die Idee, die Straßenbahnlinie fortzuführen, ist nicht neu; bereits 2018 gab es Überlegungen dazu, die im „Stadtentwicklungsplan Verkehr 2025“ als langfristige Maßnahme bis 2035 verankert wurden. Dieser Plan wird im neuen „Stadtentwicklungsplan Mobilität und Verkehr Berlin 2030“ fortgeführt, der die Strecke weiterhin als Langfristmaßnahme vorsieht.
Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es bislang keine verbindlichen Schritte zur Realisierung des Projekts. Die genaue Trassenführung ist noch nicht festgelegt, und es werden verschiedene Routen, darunter Ridbacher Straße und Nossener Straße, diskutiert. In der politischen Arena wurde das Projekt von der CDU als „verkehrspolitischer Irrsinn“ bezeichnet, während die Linke und die SPD insbesondere die Trassenführung über das Schulgelände ablehnen. Ob der „Tramring Ost“ über das Wahlkampfthema hinaus realisiert wird, bleibt ungewiss. Derzeit gibt es keine Zeitpläne oder Kostenschätzungen; vielmehr handelt es sich um Visionen und Leitbilder.
Planfeststellungsverfahren und zukünftige Entwicklungen
Im November 2024 wurde von der BVG das Planfeststellungsverfahren für die Straßenbahnstrecke Mahlsdorf beantragt, mit dem Ziel, die Verkehrslösung Mahlsdorf zu einem 10-Minuten-Takt umzusetzen. Die geplante Dauer des formalen Planverfahrens beträgt circa zwei Jahre, sodass ein Baubeginn für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet wird. Diese neuen Entwicklungen sind Teil einer umfassenden Strategie zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin, die im Stadtentwicklungsplan Mobilität und Verkehr bis 2030 verankert ist.
Die Vorteile eines Lückenschlusses sind vielfältig: Er würde eine neue tangentiale Verbindung zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf schaffen, die Anbindung an den S-Bahnhof Mahlsdorf verbessern und die bestehenden Buslinien entlasten. Darüber hinaus könnten die Betriebs- und Überführungsfahrten zwischen dem Betriebshof Marzahn und dem Köpenicker Straßenbahnnetz verkürzt werden. Aktuelle Fahrgastprognosen liegen dem Senat jedoch nicht vor, da die notwendigen Untersuchungen noch nicht begonnen wurden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die weiteren Planungen entwickeln und welche Schritte zur tatsächlichen Umsetzung des Projekts unternommen werden.
Der Kontext: Nachhaltige Mobilität in Berlin
Der „Tramring Ost“ und ähnliche Projekte stehen im Kontext einer umfassenden Verkehrswende in Berlin, die auf den städtischen Entwicklungsplan MoVe zurückgeht. Dieser wurde am 2. März 2021 vom Berliner Senat beschlossen und verfolgt das Ziel, den Trend zu mehr Kfz-Verkehr zu bremsen und die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Der Plan setzt auf die Stärkung von Bussen, Bahnen, Fahrrädern und Fußverkehr, um den Anteil des Umweltverbundes bis 2030 von 74 % auf 82 % zu steigern. Damit soll nicht nur der motorisierte Individualverkehr reduziert, sondern auch eine umweltfreundlichere Mobilität gefördert werden. Berlin orientiert sich an erfolgreichen Beispielen aus anderen europäischen Städten, um die Lebensbedingungen für seine Bürger zu verbessern.
Ob der „Tramring Ost“ tatsächlich Teil dieser zukunftsorientierten Mobilitätsstrategie wird, bleibt abzuwarten. Die nächsten Schritte in der Planung und der politische Diskurs werden entscheidend sein, um die Vision einer verbesserten Anbindung in Marzahn-Hellersdorf zu realisieren.
Für weitere Informationen zu den Entwicklungen rund um die Straßenbahnverbindung zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf, können Sie die vollständigen Artikel unter diesem Link und hier nachlesen. Weitere Informationen über den Stadtentwicklungsplan MoVe finden Sie hier.