In Berlin hat die Gewerkschaft Verdi zu einem zweitägigen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Dieser Streik findet von Freitag bis Samstag statt und betrifft die Busse, Trams und U-Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die S-Bahn sowie der Regionalverkehr sind von den Streikaktionen nicht betroffen. Der Streik beginnt mit der Frühschicht am Freitag und endet mit der Nachtschicht am Sonntagfrüh. Verdi kritisiert die BVG und den Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) für ihre Weigerung, echte Verhandlungen zu führen, und fordert unter anderem mehr Urlaub, eine Mindestruhezeit von 11 Stunden sowie mehr Urlaubsgeld. Die BVG ihrerseits bezeichnet den Streik als „völlig unverhältnismäßige Eskalation“ und betont, dass die Verhandlungen im vereinbarten Zeitplan liegen. In den bisherigen drei Verhandlungsrunden in Berlin gab es keine Annäherung, da nicht über Gehalt, sondern über den Manteltarifvertrag verhandelt wird. Die Arbeitgeberseite fordert von Verdi, die Forderungen stärker zu priorisieren, um inhaltliche Gespräche zu beginnen. Dies ist der zweite bundesweite Ausstand in der laufenden Tarifrunde, die in allen 16 Bundesländern parallel geführt wird. Auch in fast allen anderen Bundesländern hat Verdi zu Warnstreiks aufgerufen, einige davon dauern nur einen Tag.
Umfang der Streikmaßnahmen
Die Auswirkungen des Streiks sind in Berlin deutlich spürbar. Am Freitag und Samstag bleiben die Busse und Straßenbahnen 48 Stunden in den Depots. Etwa zwei Dutzend Buslinien sind jedoch nicht betroffen, da sie von privaten Unternehmen bedient werden. In den meisten anderen Bundesländern wird erwartet, dass an den beiden Tagen kaum Busse und Bahnen fahren. In Brandenburg sind ebenfalls zwei Tage Streik angesetzt, und das, obwohl ein Angebot der Arbeitgeber vorgelegt wurde. Die BVG schätzt die Kosten der Verdi-Forderungen auf etwa 150 Millionen Euro und betont, dass die Forderungen nicht auf höhere Löhne abzielen, sondern auf finanzielle Mittel für Investitionen in neue Fahrzeuge, die zwischen 200 und 300 Millionen Euro liegen.
Die Gewerkschaft begründet den Warnstreik mit der Weigerung der BVG, in echte Verhandlungen einzutreten. Auch in anderen Bundesländern, wie zum Beispiel in Bayern, Brandenburg, dem Saarland und Thüringen, wird über höhere Löhne verhandelt. Christine Behle, stellvertretende Verdi-Vorsitzende, äußert, dass die Verhandlungen kaum vorankommen, trotz bereits vier Runden in einigen Bereichen. Die hohe Belastung im Fahrdienst ist ebenfalls ein Thema, das in einer Studie von Verdi und der Klima-Allianz Deutschland thematisiert wird.
Ausblick auf die Situation
Die aktuellen Streiks im Nahverkehr sind Teil eines größeren Kontextes, in dem Verdi den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber erhöhen möchte. Der erste bundesweite Streiktag am 2. Februar 2026 führte in mehr als 100 Unternehmen zu einem vollständigen Erliegen des Verkehrs für 24 Stunden. Am kommenden Freitag werden in zahlreichen kommunalen Nahverkehrsunternehmen keine Busse und Bahnen fahren; betroffen sind rund 100.000 Beschäftigte in 150 öffentlichen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben in allen Bundesländern sowie in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Die Entscheidungen über Streiks in weiteren Regionen, wie zum Beispiel bei der Hamburger Hochbahn, stehen noch aus.
Die Situation bleibt angespannt, und die Verhandlungen in der Tarifrunde werden weiterhin aufmerksam verfolgt. Informationen zu den Forderungen und Verhandlungsverläufen sind auf der ver.di-Website verfügbar. Für die Berliner Verkehrsbetriebe und ihre Fahrgäste ist die kommende Zeit von entscheidender Bedeutung, um die Weichen für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs zu stellen.
Weitere Details zu den Warnstreiks und den aktuellen Entwicklungen sind auch in einem Artikel auf MOZ sowie im Tagesspiegel nachzulesen.