In Lichtenberg, einem kleinen Ort in Morsbach, wird bald ein neuer Lebensmittelmarkt der Genossenschaft Tante Enso eröffnet. Diese Initiative hat in der Region für Aufsehen gesorgt, da sie nicht nur die Nahversorgung verbessert, sondern auch die lokale Gemeinschaft stärkt. Um den Markt zu eröffnen, waren 600 Anteile nötig; erfreulicherweise wurden sogar 724 Anteile gezeichnet. Kerstin Wittershagen von der Wirtschaftsförderung der Gemeinde hat sich positiv über die Anteilseigner geäußert, die bereit waren, in ihr eigenes Lebensmittelsystem zu investieren. Marco Roth, Projektpate aus Wendershagen, hat aktiv etwa 40 Anteile verkauft und sich insbesondere um die Information älterer Menschen bemüht.

Der neue Markt wird in den Räumlichkeiten des ehemaligen Verwaltungsgebäudes von Brocke an der Bergstraße untergebracht. Auf einer Verkaufsfläche von rund 280 Quadratmetern wird ein Sortiment von etwa 3000 Artikeln angeboten, ergänzt durch regionale und lokale Produkte. Diese Kombination aus Vielfalt und Regionalität ist ein zentrales Element der Tante Enso Philosophie. Timo Neuber, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, betont die Bedeutung des Marktes für die Gemeinde, die von einer verbesserten Nahversorgung und der Stärkung lokaler Erzeuger profitieren wird. Walter Hamburger, der dem Projekt mit einem Zuschuss von 50 Euro pro gekauftem Genossenschaftsanteil unter die Arme greift, und die Lichtenberger Dorfgemeinschaft unterstützen die Initiative tatkräftig.

Ein neues Supermarkt-Modell für ländliche Regionen

Das Konzept hinter Tante Enso ist nicht nur innovativ, sondern auch notwendig. In ländlichen Regionen Deutschlands ist die Nahversorgung oft nicht gesichert, und viele Menschen haben Schwierigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten schnell und bequem zu erreichen. Die Gründer von Tante Enso haben daher ein neues Supermarkt-Modell entwickelt: 24/7 stationäre Supermärkte, die speziell für den ländlichen Raum konzipiert sind. Dabei müssen vor der Eröffnung einer Filiale mehrere hundert Menschen jeweils einen Anteil von 100 Euro erwerben, um das Mindestquorum zu erreichen und die neue Tante Enso-Filiale ins Leben zu rufen. Die Genossenschaft mietet bestehende Immobilien oder eröffnet Läden in von Investoren oder Kommunen bereitgestellten Gebäuden. Diese Flexibilität ist entscheidend für die Schließung von Versorgungslücken in ländlichen Gebieten.

Ein besonderes Merkmal der Tante Enso-Läden ist, dass sie rund um die Uhr geöffnet sind, jedoch täglich für etwa vier Stunden von Personal betreut werden. In dieser Zeit können Mitglieder mit einer personalisierten Tante Enso-Karte auch außerhalb der betreuten Zeiten einkaufen. Diese Karte ermöglicht den Mitgliedern nicht nur den Zugang, sondern auch die Möglichkeit, aktiv Einfluss auf die Standortwahl, das Sortiment und die Unternehmensentwicklung zu nehmen. Einflussnahme erfolgt durch Abstimmungen bei der Generalversammlung und Vorschläge für neue Produkte. Die Genossenschaft fördert auch junge Food-Unternehmen und integriert deren Produkte in die Regale, was einen zusätzlichen Anreiz für die Teilhaber:innen darstellt.

Stärkung ländlicher Räume und nachhaltige Nahversorgung

Die Eröffnung des Lebensmittelmarktes in Lichtenberg steht im Kontext einer übergreifenden Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Verbesserung der Nahversorgung in ländlichen Räumen. Die Maßnahme „LandVersorgt – Neue Wege zur Nahversorgung in ländlichen Räumen“ zielt darauf ab, die Teilhabe und Daseinsvorsorge in diesen Regionen zu sichern. Viele ländliche Gebiete kämpfen mit der Herausforderung, den Bedarf vor Ort zu decken, und kleinere Läden können oft nicht wirtschaftlich betrieben werden. Durch die Unterstützung von Gemeinden bei der Entwicklung nachhaltiger Nahversorgungskonzepte sollen diese Probleme angegangen werden. Bis zu 50.000 Euro Förderung stehen für die Konzeptentwicklung bereit, was auch der Tante Enso-Initiative zugutekommen könnte.

Mit dem neuen Tante Enso-Markt in Lichtenberg wird ein weiterer Schritt in Richtung einer besseren Nahversorgung und der Stärkung der ländlichen Gemeinschaften gemacht. Die Kombination aus regionalen Produkten, Mitbestimmung der Genossenschaftsmitglieder und einem innovativen Geschäftsmodell könnte ein Vorbild für andere ländliche Gemeinden in Deutschland werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Konzept weiterentwickeln wird, doch die Vorfreude auf die Eröffnung des Marktes ist bereits spürbar.

Für weitere Informationen über die Initiative und die Genossenschaft myEnso besuchen Sie bitte die Rundschau Online und die myEnso Webseite.

Wir sind gespannt, wie sich die Situation in Lichtenberg entwickeln wird und ob andere ländliche Gemeinden folgen werden, um die Nahversorgung nachhaltig zu sichern.