Die Geschichte der Industrietürme des ehemaligen VEB Elektrokohle in Lichtenberg ist eine spannende Reise durch die Zeit, die nun von der talentierten Berliner Fotografin Marlene Gawrisch visuell dokumentiert wird. Ihre Ausstellung im Museum Lichtenberg, die bis zum 5. April 2026 zu besichtigen ist, bietet einen einzigartigen Einblick in die Sanierungsarbeiten dieser historischen Relikte der Industriegeschichte. Die Türme, die sich in der Nähe des Dong Xuan Centers befinden, sind nicht nur architektonische Zeugen, sondern auch Erinnerungen an die über 100-jährige Produktion von Elektrokohlen für Lampen, Motoren und viele andere Produkte, die seit 1899 in diesem Bereich stattfand.
Der VEB Elektrokohle Lichtenberg, als einziger Hersteller von Graphitprodukten in der DDR, beschäftigte zeitweise über 3000 Mitarbeiter und spielte eine bedeutende Rolle in der Industriegeschichte der Region. Während des Zweiten Weltkriegs kam es zum Einsatz von Zwangsarbeitern in der Produktion, was die dunkle Geschichte des Standortes unterstreicht. 1954 wurde der Betrieb schließlich in VEB Elektrokohle Berlin umbenannt und erlebte eine massive Steigerung des Produktionsausstoßes in den folgenden Jahren.
Die Sanierung der Türme
Die beiden „Geschwistertürme“, die nach der Wende erhalten blieben, erinnern an die mittelalterlichen Familientürme in Oberitalien. Ein Turm wurde von dem Architekten Arno Brandlhuber saniert und in Büroräume umgewandelt. Marlene Gawrisch hat die Sanierung beider Türme in allen Phasen fotografisch festgehalten und damit einen wertvollen Beitrag zur Dokumentation dieser Umwandlung geleistet. Ihre Arbeiten sind nicht nur künstlerisch wertvoll, sondern tragen auch zur Bewusstseinsbildung über die lokale Geschichte bei.
Die Ausstellung „Industrietürme des ehemaligen VEB Elektrokohle“ im Museum Lichtenberg ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, und der Eintritt ist frei. Gawrisch, die an der Ostkreuzschule für Fotografie bei Werner Mahler studierte, hat sich nicht nur einen Namen in der Fotografie gemacht, sondern veranstaltet seit 2024 auch die Kunstausstellung „Raminale“ in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Geschichte des VEB Elektrokohle
Der VEB Elektrokohle Lichtenberg blickt auf eine lange Geschichte zurück, die 1872 mit der Produktion von Alkohol-Messapparaturen unter Siemens & Halske begann. Ab 1880 verlagerte sich der Fokus auf die Herstellung von Beleuchtungskohle und Kohlebürstenerzeugnissen. Nach einer Fusion mit dem Rütgers-Konzern 1928 wurde das Unternehmen in Siemens-Plania AG umbenannt. Im Zweiten Weltkrieg produzierte der Betrieb kriegswichtige Kohleerzeugnisse und musste Zwangsarbeiter einsetzen.
Nach der Wende kam es zu einem Rückbau des Geländes, und es wurden neue Unternehmen angesiedelt. Eine Fläche von ca. 88.000 m² wurde zum Dong Xuan Center umgebaut, das 2006 eröffnet wurde und als asiatisches Kultur- und Handelszentrum fungiert. Heute ist das Dong Xuan Center das größte Einkaufszentrum seiner Art in Westeuropa. Die Sanierung des ehemaligen Kulturhauses Elektrokohle, das 1950 als Berufsschule und Veranstaltungsort diente, wurde 2023 abgeschlossen und bietet nun Raum für Veranstaltungen und kulturelle Ereignisse.
Ein Blick in die Zukunft
Die nördlichen Teile des Geländes werden ab 2024 als Werkstätten für Kreative umgenutzt, was die Transformation des ehemaligen Industriegebiets hin zu einem lebendigen Ort für Kunst und Kultur unterstreicht. Die Stadt Lichtenberg zeigt, wie durch kreative Sanierung und Umnutzung industrieller Relikte eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft geschlagen werden kann.
Die Ausstellung von Marlene Gawrisch und die Sanierung der Industrietürme sind nicht nur ein Zeugnis für den Erhalt der Geschichte, sondern auch ein Zeichen für den kreativen Umgang mit alten Industriegebäuden in der heutigen Zeit. Für alle Interessierten lohnt sich ein Besuch im Museum Lichtenberg, um die beeindruckenden Fotografien und die spannende Geschichte des VEB Elektrokohle hautnah zu erleben. Mehr Informationen finden Sie in der Pressemitteilung und der Wikipedia-Seite.