In der frühen Morgenstunde an einem Montag wurde die Leiche einer 40-jährigen Frau auf einer Parkbank in Alt-Hohenschönhausen entdeckt. Die Obduktion ergab, dass die Frau an schweren Verletzungen am Oberkörper starb, wobei der Kopf eingeschlagen wurde. Ein 46-jähriger Tatverdächtiger, der in Untersuchungshaft sitzt, kannte die Frau. Diese tragischen Ereignisse werfen ein grelles Licht auf die Problematik der Gewalt gegen Frauen, die in der Gesellschaft immer noch viel zu oft verharmlost wird.

In Gedenken an die getötete Frau versammelten sich 50 bis 100 Menschen vor dem Rathaus Lichtenberg. Der Aufruf zur Versammlung kam von Mitarbeiterinnen Berliner Frauenhäuser und Anti-Gewalt-Projekten. Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) sowie Vertreter von Linke, SPD und Grünen nahmen an der Mahnwache teil. Rote Schuhe wurden als starkes Symbol für die ermordeten Frauen abgelegt, und Transparente mit Botschaften wie „Man(n) tötet nicht aus Liebe, stoppt Femizide“ verdeutlichten die Dringlichkeit des Themas. Femizid beschreibt den Mord an einer Frau aufgrund ihres Geschlechts, häufig durch Partner oder Ex-Partner. Im Jahr 2023 wurden in Berlin bereits 20 Frauen im Kontext partnerschaftlicher oder häuslicher Gewalt von Männern getötet.

Ein alarmierendes Muster

Die vorangegangenen Ereignisse sind nicht isoliert. Im Jahr 2024 gab es über 9.900 Fälle von Gewalt gegen Frauen in Beziehungen, dazu zählen Körperverletzung, Nötigung, Stalking und sexueller Missbrauch. Die brutalsten Femizid-Fälle in Lichtenberg, wie die Ermordung einer 27-Jährigen mit einer Axt im September 2022 oder die Tötung einer Frau mit einer Kettensäge im Januar 2023, zeigen, dass es sich hierbei um ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem handelt.

Die Diskussion um Femizide wird durch eine Studie unterstützt, die über 50.000 Seiten Aktenmaterial aus fünf Bundesländern analysierte, um die Anzahl und Motive von Femiziden in Deutschland zu untersuchen. Diese erbrachte, dass Femizide häufig mit gescheiterten Beziehungen sowie Eifersucht und Sexismus verbunden sind. Von den 197 identifizierten Tötungsdelikten an Frauen wurden 133 als Femizide klassifiziert, wobei 74 Fälle klare sexistische Motive aufwiesen. Diese erschreckenden Statistiken machen deutlich, dass Femizide kein Randphänomen sind, sondern die tödliche Spitze geschlechtsspezifischer Gewalt darstellen.

Der Bedarf an Veränderung

Die Mitarbeiterin des Vereins LesLesFam, Constanze Körner, äußerte in der Mahnwache ihre Wut und Trauer und forderte mehr Unterstützung für Frauenhäuser und Bildungsarbeit. Sie betonte die Notwendigkeit, verschiedene Schutzmaßnahmen gegen Femizide zu implementieren. Vorschläge wie die Einführung von Fußfesseln für gefährliche Täter wurden als unzureichend kritisiert. Auch die Organisatorinnen berichteten von fehlenden Plätzen in Einrichtungen für schutzsuchende Frauen, was den effektiven Schutz zur Herausforderung macht.

Die Polizei und Justiz unterschätzen oft das Eskalationspotenzial von Beziehungskonflikten, und viele Opfer suchen vor der Tat keinen Schutz in Frauenhäusern. Ein Mangel an Platz in diesen Einrichtungen kann dazu führen, dass gefährdete Frauen nicht die benötigte Unterstützung erhalten. Die Frauenhauskoordinierung e.V. fordert daher ein bedarfsgerechtes Netz an Frauenhäusern, verbindliche Standards im Gefahrenmanagement und eine nationale Femizidstatistik, um gezielte präventive Maßnahmen zu ermöglichen.

In Anbetracht dieser alarmierenden Situation sind klare politische Maßnahmen und ein gemeinsames Handeln gefordert, um die Gewalt gegen Frauen zu stoppen und die Lebensqualität für alle zu verbessern. Das Hilfetelefon 116 016 sowie die örtlichen Frauenhäuser stehen betroffenen Frauen zur Verfügung, um Unterstützung anzubieten und einen Ausweg aus gewaltsamen Beziehungen zu finden. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft die Augen nicht mehr vor dieser Realität verschließen.