Heute ist der 6.02.2026 und in Berlin läuft die Dokumentation „Lebenszeichen – Jüdischsein in Berlin“, die von der Filmemacherin Alexa Karolinski inszeniert wurde. Der Film ist der zweite Teil einer Trilogie, die sich mit dem Leben der Juden in Deutschland befasst und thematisiert das Trauma des Holocaust sowie dessen Einfluss auf die jüdische Identität in Deutschland. Ausgangspunkt sind eindrucksvolle Szenen mit einer Gruppe von Holocaustüberlebenden, die den Zuschauern einen tiefen Einblick in ihre Lebensrealitäten geben. So bereitet sich beispielsweise eine alte Dame auf das Rosh-Hashanah-Fest vor, während eine Gruppe von Freundinnen den Garten der Liebermann-Villa pflegt. Die Protagonisten sind im Jetzt verankert, tragen jedoch die Narben des Traumas mit sich.
Alexa Karolinski, die für ihren ersten Film „Oma und Bella“ den Grimme-Preis erhielt, hat sich mit „Lebenszeichen“ auf eine persönliche Reise begeben, um ihre Identität als deutsche Jüdin zu erkunden. Ihr Debütfilm, der ihre Abschlussarbeit an der New Yorker School of Visual Arts war, erzählt von ihrer Großmutter und deren Freundin, wobei auch ein begleitendes Kochbuch mit Rezepten der alten Damen veröffentlicht wurde. Karolinski lebt zwischen Berlin und Los Angeles und schätzt die große Auswahl an frischen Lebensmitteln in Kalifornien. In „Lebenszeichen“ möchte sie ihre Gedanken und Gefühle zum Judentum, Deutschland und dem Holocaust mit einem breiteren Publikum teilen. Sie hat beobachtet, dass das Jüdischsein in Deutschland sowohl Juden als auch Nicht-Juden beschäftigt und spricht von einem „sehr starken Trauma“, das die Gesellschaft prägt.
Einblicke in den Dokumentarfilm
Der Film zeigt unter anderem ehrenamtliche Gärtnerinnen der Villa Liebermann in Berlin-Wannsee, die ihre Freude über den Ort ausdrücken. Interessanterweise beziehen sich die Gärtnerinnen nicht auf die Geschichte des Sommersitzes im Nationalsozialismus, und Karolinski lässt diese Unkommentiertheit im Film stehen. Sie beschreibt die Äußerungen der Gärtnerinnen als „Micro-Aggression“, was auf die subtile Art von Diskriminierung hinweist, die in der deutschen Gesellschaft oft vorhanden ist. Schließlich kritisiert Karolinski, dass die Befragung nach Identität für die Betroffenen diskriminierend sein kann und betont, dass die Macht über die Preisgabe von Identität letztlich bei der Mehrheitsbevölkerung liegt.
Aktuelle Herausforderungen für Jüdinnen und Juden in Deutschland
Die Themen, die Karolinski in ihrem Film behandelt, sind besonders relevant vor dem Hintergrund einer neuen Studie, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin vorgestellt wurde. Diese Studie zeigt, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland sich zunehmend ausgegrenzt fühlen. Nach dem Terrorangriff auf Israel vor zwei Jahren und der Eskalation des Nahost-Konflikts berichten Betroffene von sozialer Isolation an Hochschulen, am Arbeitsplatz und in Arztpraxen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 8.627 antisemitische Vorfälle erfasst, was einem alarmierenden Anstieg von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Die psychische Gesundheit der Betroffenen leidet stark unter den Folgen des Hamas-Angriffs. Viele berichten von Depressionen, Schlafstörungen, Angstzuständen und Panikattacken. Einige der Befragten geben sogar an, ihre jüdische Identität aus Angst vor Diskriminierung zu verbergen. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, äußerte, dass die Studie ein bedrückendes Bild zeichne und die gesellschaftliche Teilhabe von Jüdinnen und Juden gefährdet sei. Ferda Ataman, die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, fordert mehr Schutz und eine konsequente Strafverfolgung gegen Diskriminierung.
Mit „Lebenszeichen“ setzt Alexa Karolinski einen wichtigen Impuls, um über jüdische Identität und das fortdauernde Trauma des Holocaust zu reflektieren. Ihre Arbeit ist nicht nur ein Beitrag zur Dokumentation jüdischen Lebens in Deutschland, sondern auch ein Aufruf zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität für Juden und Nicht-Juden gleichermaßen. Die Herausforderungen, mit denen Jüdinnen und Juden in Deutschland konfrontiert sind, machen deutlich, dass der Dialog über Identität und Trauma dringender denn je ist. Hierbei kann Kunst wie der Film von Karolinski eine Brücke schlagen.
Für weitere Informationen über den Dokumentarfilm und seine Themen besuchen Sie bitte die Cineplex-Website. Zusätzliche Einblicke in die Gedankenwelt von Alexa Karolinski finden Sie in ihrem Interview auf Deutschlandfunk Kultur. Aktuelle Informationen zur Situation von Jüdinnen und Juden in Deutschland können Sie in der Studie der ZDFheute nachlesen.


