Der alternative Sexshop „Other Nature“ in Berlin-Kreuzberg steht vor großen Herausforderungen. Die als queerfeministisch bekannte Einrichtung hat in den letzten Monaten einen drastischen Rückgang der Einnahmen erfahren. Geschäftsführer*in Maja Shand berichtet, dass der Umsatz des Ladens seit etwa einem Jahr um 30 bis 50 Prozent gesunken ist. Gemeinsam mit einem Team von einst zehn Beschäftigten musste das Personal auf sechs Mitarbeiter reduziert werden. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig, unter anderem die allgemeine Einzelhandelskrise in Deutschland und der Umzug von der Bergmannstraße zur Yorckstraße, der sich negativ auf die Kundenzahl ausgewirkt haben könnte. Während der Corona-Pandemie profitierte der Laden noch von einem Boom bei erotischen Spielzeugen, doch nun kämpft er um seine Existenz. Eine Hilfskampagne im vergangenen Herbst konnte zwar Unterstützung bieten, der Druck zur Kostensenkung bleibt jedoch hoch.
Other Nature verfolgt einen klaren Ansatz. Der Sexshop fördert eine ausführliche Kundenberatung und verkauft ausschließlich Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe. Das Sortiment umfasst neben körperverträglichen Sextoys auch Bücher, Zines, alternative Menstruationsprodukte und veganes BDSM-Equipment. Die Mission der Einrichtung geht über den reinen Verkauf hinaus; sie versteht sich als Bildungsstätte und kommuniziert Werte wie Körperautonomie, sexuelle Selbstbestimmung und die Bekämpfung sexistischer Stereotypen und Diskriminierung. Solche Ideale sind Teil des queerfeministischen Engagements, das sich für ein respektvolles Miteinander und eine inklusive Gesellschaft einsetzt, in der alle Menschen, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung, gesehen und gehört werden.
Kultur und Community im Fokus
Der Fokus von Other Nature liegt auf der Förderung der Gemeinschaft und Bildung, statt reinem Gewinnstreben. Die Einrichtung veranstaltet regelmäßige Kulturveranstaltungen und Workshops, die nicht nur informativ sind, sondern auch der Vernetzung innerhalb der queeren Community dienen. Die queere Bewegung, aus der das Konzept von Other Nature entspringt, zielt darauf ab, Heteronormativität und binäre Geschlechtervorstellungen in Frage zu stellen. Vor allem seit den Ursprüngen der LGBT-Bewegung in den 1970er Jahren haben sich in der Gesellschaft und Politik viele Veränderungen vollzogen, die es queeren Menschen ermöglichen, sichtbarer zu werden und für ihre Rechte zu kämpfen.
Das Engagement von Other Nature erstreckt sich auf viele gesellschaftliche Themen. So werden genderaffirmative Produkte wie Brustbinder und Brustformen angeboten, ebenso wie ein Fonds für einkommensschwache Menschen, um den Zugang zu deren Produkten zu erleichtern. Das Team verfolgt damit das Ziel, sexualisierte Gewalt zu entstigmatisieren und eine respektvolle sowie aufklärende Diskussion über Sexualität zu fördern.
In dieser schwierigen Zeit stehen die Ideale und die finanzielle Realität in einem Spannungsfeld. Maja Shand betont, dass das Team sich nicht nur auf die Herausforderungen konzentrieren, sondern auch an innovativen Lösungen arbeiten möchte, um die Werte von Other Nature aufrechtzuerhalten. Die nachhaltige Ausrichtung des Ladens, die sich in der Zusammenarbeit mit kleinen, lokalen Herstellern und dem Verkauf von veganen Produkten zeigt, bleibt ein zentraler Bestandteil der Philosophie. Die Unterstützung der queerfeministischen Bewegung und der gleichberechtigte Zugang zu Sexualbildung sind nach wie vor von großer Bedeutung für die Gemeinschaft und die Zukunft von Other Nature.