Die Sucht nach ungeraden Taktarten, bekannt als Odd Meters, hält die Jazzszene in Atem. Laut Tagesspiegel ist dieser Trend, der den traditionellen Viervierteltakt verdrängt, in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Insbesondere die sozialen Medien, wie TikTok und Instagram, fördern Wettkämpfe, die die Grenzen der rhythmischen Komplexität ausloten. Musiker zeigen in Tutorials, dass selbst extreme Taktarten wie 21/16 und 35/16 erlernbar sind.

Junge Künstler sind überzeugt, dass sie Jazzstandards durch diese ungeraden Taktarten bereichern können. Kritiker warnen jedoch, dass dies häufig zu einem Verlust der musikalischen Seele führt. Komplexität findet sich zudem nicht nur im Jazz, sondern zieht sich durch viele Musikstile wie Progrock und Weltmusik. Rhythmuskonzepte aus Flamenco und lateinamerikanischer Musik werden zunehmend in moderne Kompositionen integriert.

Felix Henkelhausen und seine Band

Ein herausragendes Beispiel für diesen Trend ist der Berliner Kontrabassist Felix Henkelhausen. Mit seiner Band „Deranged Particles“ verfolgt er das Ziel, rhythmische Komplexität in den Mittelpunkt zu rücken. Seine Musik ist nicht nur groovig, sondern basiert auch auf einem tiefen rhythmischen Kontrapunkt. Henkelhausen betont, dass Odd Meters kein Selbstzweck sein sollten und versucht, die Musik über die reine Komplexität hinaus zu gestalten.

Henkelhausen arbeitet gerade an seinem neuen Album „Deranged Particles“, das am 4. Oktober 2024 veröffentlicht wird. Die Musik darauf lässt die Jazzorthodoxie hinter sich und nutzt komplexe rhythmische Muster, die die Grenzen des Genres ausweiten. Er beschreibt seine Klangsprache als futuristisch, weniger mit dem traditionellen Jazz verbunden. Besonders auffällig ist die individuelle Interpretation der komplexen Kompositionen durch die Mitglieder des Sextetts.

Ein kreatives Musikerlebnis

Felix Henkelhausen hat eine Vielzahl bekannter Musiker um sich versammelt, darunter den britischen Trompeter Percy Pursglove und den amerikanischen Schlagzeuger Eric McPherson, dessen rhythmische Permutationen Henkelhausen beim Trio-Album 2021 inspirierten. Das Eröffnungstück seines neuen Albums ist ihm gewidmet und transformiert dessen Ideen. In der Musikwelt von Henkelhausen wird Isolation und Hypervernetzung durch das Internet thematisiert, was die Hörer in eine Art futuristische Gemeinschaft eintauchen lässt.

Die Band interpretiert die Kompositionen auf eigene Weise, wodurch eine vielfältige Klangfarbe entsteht. Ein besonderes Highlight des Albums ist das Schlussstück „Particle VIII: Particles“, in dem der Rapper Myka9 eine zusätzliche polyrhythmische Dimension hinzufügt. Das gesamte Werk zeigt, dass auch in der heutigen Jazzmusik Komplexität und Innovation Hand in Hand gehen können.

Das Jazzfest Berlin, das vom 30. Oktober bis 02. November stattfindet, wird 120 internationale Musiker präsentieren, darunter Größen wie Wadada Leo Smith und Vijay Iyer. Henkelhausens Vision, Jazz mit Odd Meters zu bereichern, wird sicherlich auf diesem Festival ein beeindruckendes Echo finden.

Für weitere Informationen über Henkelhausens Album „Deranged Particles“ können Interessierte die Fun in the Church Seite besuchen. Für detaillierte Einblicke in unkonventionelle Taktarten im Jazz lohnt sich ein Blick auf die Jazz Language Workbooks.