Die Ermittlungen gegen eine Betrügergruppe, die bundesweit in den Jahren 2022 und 2023 agierte, spitzen sich zu. Am 26. Oktober 2025 durchsuchten Einsatzkräfte des Landeskriminalamts Berlin fünf Adressen in Berlin, Schönefeld und Blankenfelde in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Berlin. Im Rahmen dieser Aktionen wurden zwei Männer im Alter von 39 und 48 Jahren festgenommen und Vermögensarreste in Höhe von etwa 435.000 Euro vollstreckt, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin in einer Pressemitteilung bekanntgab.

Der Haftbefehl gegen den 39-jährigen Beschuldigten erfolgte wegen des Verdachts der Beihilfe zum gewerbs- und bandenmäßigen Betrug, insbesondere in Verbindung mit Faksimiledrucken. Die Verdächtigen sind Teil einer Tätergruppierung, die gezielt ältere Personen anvisierte, die Faksimiles, also Nachdrucke antiquarischer Bücher, erworben hatten. Unter dem Vorwand, diese Bücher an Kaufinteressenten zu hohen Preisen zu vermitteln, forderten die Täter Kautions-, Treuhand- oder Provisionszahlungen. Oft wurden die Zahlungen sogar durch Darlehen der Geschädigten finanziert, ohne dass ein tatsächlicher Verkauf zustande kam.

Struktur der Betrugsmasche

Die Täter traten häufig unter falschen Namen auf und gaben sich als Vertreter verschiedener Firmen aus. Mit ihrer Masche gelang es ihnen, Vorauszahlungen in erheblichem Umfang von ihren Opfern einzutreiben, die oft ehemalige Kunden von verlagseigenen Buchclubs waren. Im Mai 2025 wurden bereits vier weitere mutmaßliche Angehörige dieser Gruppierung angeklagt. Die heutigen Festgenommenen sollen maßgeblich an der Verschleierung der Taterlöse beteiligt gewesen sein und hatten ein Netzwerk aus Konten und Gesellschaften eingerichtet, um die Zahlungen zu lassen, wie die Berliner Staatsanwaltschaft ausführte.

Auf das große Ausmaß der Betrugsmasche weist auch eine Analyse der Betrügereien im Bereich Faksimiles hin. Während Käufer in die Irre geführt werden, indem ihnen Wertsteigerungen in Aussicht gestellt werden, riskieren viele, hohe Verluste zu erleiden. Experten schätzen, dass der Wiederverkaufswert oft weit unter den gezahlten Preisen liegt. Beispielsweise wird angenommen, dass eine Frau, die für drei Faksimile-Bücher insgesamt 6.500 Euro ausgab, einen tatsächlichen Wert von nicht einmal 200 Euro nachgewiesen hat, indem antiquarische Buchhändler solche Betrugsmaschen verurteilen, wie eine Analyse von SWR zeigt.

Rechtslage und Unterstützung für Betroffene

Anwälte schätzen, dass etwa 3.000 Fälle mit einem Schadensvolumen von rund 40 Millionen Euro in diesem Zusammenhang bearbeitet werden. In einem aufsehenerregenden Fall wurde eine Seniorin um 125.000 Euro betrogen. Die Beschuldigten riskieren damit, nicht nur strafrechtliche Folgen zu tragen, sondern müssen sich auch mit zivilrechtlichen Klagen auseinandersetzen. Bedeutende Initiativen wurden ergriffen, um Ehemalige des Bertelsmann-Buchclubs vor solchen unseriösen Vertretern zu schützen. Es gibt Hinweise auf den Missbrauch von Kundendaten, was die Prekarität der Situation für viele Betroffene verdeutlicht.

Die Ermittlungen zeigen deutlich, dass die Betrugsmasche einen dreistelligen Millionenbetrag an Schadenssummen generiert hat, wobei rund 300 Firmen in diesen Faksimile-Betrug involviert sind. Zu den ermittelnden Anwälten zählt auch Angelika Sackmann, die Fälle von Verkäufern unterstützt, die Faksimile zu exorbitanten Preisen anbieten. Die heute durchgeführten Durchsuchungen unterstreichen die kontinuierlichen Bemühungen der Justiz, gegen solche betrügerischen Methoden vorzugehen und die Opfer zu schützen.