Am 27. Oktober 2025 wurde in der GalerieETAGE im Museum Reinickendorf die bedeutende Ausstellung „Anregungen? – Ich brauche keine! (Hannah Höch)“ eröffnet. Bezirksstadtrat Harald Muschner (CDU) begrüßte zahlreiche Gäste, während Dr. Sabine Ziegenrücker, die Leiterin des Fachbereichs Kunst und Geschichte, in die Thematik der Ausstellung einführte. Die Schau widmet sich den Werken der deutschen Künstlerin Hannah Höch (1889–1978), die als Pionierin der Fotomontage gilt und einen Schlüsselplatz innerhalb der Dada-Bewegung einnimmt.
Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Höch, die aus über fünf Jahrzehnten stammen und bisher kaum der Öffentlichkeit zugänglich waren. Dabei werden unter anderem Landschaften, Begegnungen von Paaren und Masken thematisiert. Die meisten Werke entstanden in Höchs Refugium in Heiligensee und umfassen Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen, die einen Einblick in Lebenswelten weit jenseits der Dada-Bewegung bieten. Besonders hervorzuheben ist eine großformatige Collage, die um 1920 als Plakat für ein Kostümfest angefertigt wurde und erstmals ausgestellt wird.
Einblicke in das Leben und Werk von Hannah Höch
Hannah Höch begann während der Dada-Bewegung mit der Fotomontage und entwickelte zusammen mit ihren Mitstreitern, darunter Raoul Hausmann, eine neue Kunstform. Die Dadaisten forderten einen Bruch mit etablierten Ordnungen, mit einem klaren Fokus auf die Abwertung und Marginalisierung von Frauen. In ihren Arbeiten kritisierte Höch nicht nur die Gesellschaft ihrer Zeit, sondern auch die traditionellen Schönheitsideale und die Rolle der Frauen. Ihre Collagen zeigen eine Vielfalt ethnischer Merkmale und bieten einen interkulturellen Dialog.
Die Ausstellung bietet auch die Möglichkeit, Höchs großformatiges Selbstporträt in Maskerade zu sehen. Ein weiteres Highlight ist das Plakat, das lange im Kohlenschuppen im Garten von Heiligensee aufbewahrt wurde und 2021 dem Museum geschenkt wurde. Die Werke in der Ausstellung bieten neue Perspektiven auf Höchs künstlerische Entwicklung und die Herausforderungen, denen sie als Frau in einer von Männern dominierten Kunstwelt gegenüberstand.
Ein wichtiges kulturelles Erbe
Die Dada-Bewegung, die 1916 mit der Eröffnung des Cabaret Voltaire in Zürich begann, wird durch Höchs Arbeiten maßgeblich ergänzt. Sie setzte sich mit Themen wie der Nachkriegszeit und gesellschaftlichen Umwälzungen auseinander und hinterfragte die normalen Strukturen der Kunst. Ihr berühmtes Werk „Schnitt mit dem Küchenmesser“, eine Fotocollage, illustriert exemplarisch die Verbindung zwischen Kunst und den politischen Gegebenheiten der Weimarer Republik.
Die Ausstellung „Anregungen? – Ich brauche keine!“ läuft bis zum 7. September 2025. Besucher haben die Möglichkeit, die Kunstwerke von Montag bis Freitag sowie an Sonntagen von 9 bis 17 Uhr zu besichtigen. Für Interessierte gibt es am 29. Juli 2025 um 18:30 Uhr eine Kuratorinnenführung, bei der Dr. Sabine Ziegenrücker und Claudia Wasow-Kania vertiefte Einblicke in die Werke von Hannah Höch geben.
Weitere Informationen zum Begleitprogramm finden Sie auf der Website www.kunst-reinickendorf.de. Hannah Höchs Kunst hinterlässt einen bleibenden Eindruck und trägt zur kritischen Auseinandersetzung mit der Rolle der Frauen sowie der gesellschaftlichen Normen bei.

