Heute ist der 28.02.2026 und in Berlin-Kreuzberg steht eine wichtige Veränderung bevor: Der Görlitzer Park wird ab dem 1. März nachts geschlossen. Diese Schließung ist während der Wintermonate von 22 bis 6 Uhr vorgesehen, im Sommer ab 23 Uhr. Die Entscheidung hierzu wurde von der Senatsumweltverwaltung getroffen, die den Park als Maßnahme gegen die steigenden sozialen Problemlagen in der Umgebung betrachtet. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann von den Grünen äußert jedoch Bedenken und bezeichnet die Schließung als falsche Symbolpolitik.

Die Argumentation von Herrmann ist klar: Sucht, Obdachlosigkeit und Armut seien Probleme, die sich nicht durch Absperrungen lösen ließen. Stattdessen fordert sie die Schaffung von nachts geöffneten Drogenkonsumräumen, die Süchtigen und Obdachlosen Rückzugsorte bieten sollten. Ihre Kritik richtet sich auch gegen die hohen Kosten für den Bau eines Zauns und die Inanspruchnahme von Wachdiensten, die jährlich mit etwa 800.000 Euro veranschlagt werden. Diese Mittel könnten ihrer Meinung nach effektiver in betreute Projekte investiert werden, wie beispielsweise den Ausbau aufsuchender Sozialarbeit mit mehr Streetworker*innen im Görlitzer Park und Umgebung. Dies würde eine ganzjährige Öffnung des Nachtwärmecafés am Kottbusser Tor oder die Verbesserung der Hilfestruktur für Obdachlose umfassen.

Kritik an der Schließung

Die Sorgen der Anwohner sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Viele befürchten, dass die Schließung des Parks die sozialen Probleme in die angrenzenden Straßen und Kieze verlagern könnte. Insbesondere gibt es Bedenken, dass sich die Problematiken in Hauseingänge, Hinterhöfe, Spielplätze und U-Bahnhöfe verlagern, wo sie möglicherweise noch schwerer zu kontrollieren sind. Die Bezirksbürgermeisterin verweist auf Erfahrungen aus anderen Städten, beispielsweise Zürich, wo ähnliche Maßnahmen keine nachhaltige Lösung brachten. Der Bezirk hat bereits Klage gegen die Schließung des Parks eingereicht, und auch Anwohner haben juristische Schritte angekündigt.

Alternative Vorschläge

Das Bezirksamt schlägt alternative Investitionen vor, um die sozialen Herausforderungen im Görlitzer Park anzugehen. Dazu gehört unter anderem der Ausbau der Hilfestruktur als Unterkunft mit Schlafplätzen und die Erweiterung der Öffnungszeiten der Drogenkonsumräume. Auch eine gezielte Hilfe für Jugendliche und junge Erwachsene durch die Aufstockung der Sozialarbeit sowie die Einrichtung eines Kontaktladens wird angeregt. Diese Initiativen könnten helfen, die Situation vor Ort nachhaltig zu verbessern und den betroffenen Menschen echte Unterstützung zu bieten.

Die Diskussion um den Görlitzer Park ist nicht nur ein lokales Problem, sondern wirft auch größere gesellschaftliche Fragen auf. Wie gehen wir mit Sucht, Obdachlosigkeit und sozialen Herausforderungen um? Die Schließung eines Parks allein kann keine Lösung sein, sondern muss in ein ganzheitliches Konzept integriert werden, das die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund stellt und ihnen echte Perspektiven bietet. Die kommende Entscheidung wird daher mit Spannung erwartet und könnte richtungsweisend für die künftige Sozialpolitik in Berlin sein. Weitere Informationen finden Sie in der detaillierten Berichterstattung und den offiziellen Pressemitteilungen.