Die Schellack-Höfe an der Schlesischen Straße in Kreuzberg stehen vor einer spannenden Weiterentwicklung. Ein kürzlich durchgeführter Wettbewerb zur Erweiterung des historischen Gewerbeensembles hat das renommierte Architekturbüro GRAFT als Sieger hervorgebracht. Ihr Entwurf sieht einen kreuzförmigen Neubau vor, der nicht nur den Bestand ergänzt, sondern auch den Stadtraum weiterentwickelt. Ziel ist es, die industrielle Architektur des frühen 20. Jahrhunderts zu stärken und neue Sichtachsen zum Wasser sowie zum benachbarten Kanal zu schaffen.
Das denkmalgeschützte Ensemble, das ein 1910 errichtetes Backsteingebäude umfasst, war einst die größte Fabrik für Grammophonplatten in Europa. Ab 1919 produzierte die Schallplattenfabrik von Carl Lindström an diesem Standort, die zeitweise der größte Schallplattenhersteller Europas war. Heute beherbergt das Gelände rund 50 Mieter, darunter namhafte Unternehmen wie Mozilla und Schindelhauer. Die Schellack-Höfe sind vollständig vermietet und gelten als etablierter Gewerbestandort. Die GSG Berlin, Eigentümerin des Geländes, sieht langfristiges Entwicklungspotenzial und hat den Wettbewerb zur Erweiterung ausgeschrieben.
Neuer Raum für Kreativität und Innovation
Der geplante Neubau wird an der Südseite des Areals entstehen und den Stadteingang in Richtung Berliner Zentrum markieren. Der Entwurf greift geschickt Maßstab, Proportionen und Materialität der historischen Backsteinarchitektur auf. Mit neuen Höfen, Blickbeziehungen und klaren Zugängen soll die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Das Konzept sieht zudem eine gewerbliche Mischnutzung mit flexiblen Flächenzuschnitten vor, die zukünftige Nutzungsmöglichkeiten schaffen.
Die Zusammenarbeit von GRAFT mit Landschaftsarchitekten TOPOTEK 1 zielt darauf ab, ein Netzwerk aus verbundenen Innenhöfen und öffentlichen Räumen bis zur Uferpromenade zu entwickeln. Dieses grüne Netzwerk fördert Synergien und einen einfachen Zugang, während es gleichzeitig eine lebendige Atmosphäre im Viertel schafft. Die Vision ist ein flexibles Stadtviertel mit einer vernetzten internen Struktur, das verschiedene Qualitäten bietet und die Kreativwirtschaft in Berlin-Kreuzberg weiter stärkt.
Städtebau im Wandel der Zeit
Die Weiterentwicklung der Schellack-Höfe ist ein Beispiel für die Herausforderungen und Chancen, die mit der Stadtplanung einhergehen. Städte benötigen langfristige Konzepte zur Entwicklung der Stadt der Zukunft, um Siedlungsstrukturen, Verkehr und Umwelt in Einklang zu bringen. Soziale Belange und finanzielle Möglichkeiten müssen ebenso berücksichtigt werden wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Lebensqualität. In diesem Kontext sind kooperative Planungsprozesse und die Einbeziehung von Bürgerbeteiligung zunehmend wichtig für die erfolgreiche Umsetzung von städtebaulichen Maßnahmen.
Obwohl ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung der Erweiterung noch nicht veröffentlicht wurde, ist das Interesse an der Entwicklung groß. Die Schellack-Höfe, die derzeit vollständig vermietet sind, bieten die Möglichkeit, zukünftige Herausforderungen in der Stadtgestaltung zu meistern, ohne den Handlungsdruck zu erhöhen. Klar bleibt jedoch, dass unklar ist, wie während möglicher Umbauphasen mit den bestehenden Mietern verfahren wird, was in zukünftigen Planungen unbedingt bedacht werden muss.
Für weitere Informationen zu diesem spannenden Projekt können Sie die vollständigen Details auf der Website von Entwicklungsstadt nachlesen.


