Ab dem 1. März 2026 wird der Görlitzer Park in Berlin erstmals nachts geschlossen. Diese Maßnahme folgt auf mehr als zwei Jahre intensiver Planung und wird durch einen privaten Sicherheitsdienst umgesetzt, der die Gäste auffordern wird, den Park zu verlassen. Der Schritt kommt nicht ohne Widerstand: Am Sonntag, dem 28. Februar, sind Proteste gegen den Zaunbau um 19:30 Uhr in Kreuzberg geplant. Unter dem Motto „Der Görli soll dicht gemacht werden, doch nicht mit uns“ wird mit einer hohen Anzahl an Demonstrierenden gerechnet, weshalb die Polizei ebenfalls alarmiert ist. Die von der Senatsverwaltung erlassene Allgemeinverfügung regelt die Öffnungszeiten des Parks: von September bis Mai ist der Park von 6 bis 22 Uhr geöffnet, während er von Mai bis September bis 23 Uhr zugänglich ist. Für Mai ist zudem eine Ausschreibung für den zukünftigen Wachdienst geplant. Der aktuelle Sicherheitsdienst überwacht auch die Arbeiten am Zaun.
Die Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) hat sich kritisch zu den Maßnahmen geäußert. Sie betont, dass Zäune und Absperrungen keine Lösungen für Probleme wie Sucht, Obdachlosigkeit oder Armut darstellen. Stattdessen sollten die 800.000 Euro, die jährlich für den Sicherheitsdienst veranschlagt sind, besser in soziale Angebote investiert werden. Von Seiten des Bezirksamts gibt es Vorschläge, die aufsuchende Sozialarbeit auszubauen, sowie die Hilfsstrukturen für Obdachlose und Drogenkonsumenten zu verbessern. Herrmann hat auch auf die Bedenken der Anwohnenden hingewiesen, dass soziale Problemlagen durch die Schließung möglicherweise in angrenzende Straßen und Kieze verlagert werden.
Proteste und gesellschaftliche Reaktionen
Das Bündnis „Görli Zaunfrei“ kritisiert die nächtliche Schließung und Umzäunung des Görlitzer Parks als „populistische Law-and-Order-Symbolpolitik“. An der Protestkundgebung, die am Sonntag um 19 Uhr am ehemaligen Pamukkale-Brunnen im Park beginnt, nehmen auch prominente Politiker teil, darunter Bezirksverordneter Vito Dabisch (Grüne) und Bundestagsabgeordneter Ferat Koçak (Linke). Musikalische Unterstützung erhalten die Protestierenden von Künstlerinnen wie Mal Élevé, Lena Stoehrfaktor und DJ Craft. Außerdem wird ein Kiezspaziergang organisiert, der bereits um 18 Uhr beginnt und dem Ziel dient, Lösungen für die Probleme im Görlitzer Park zu entwickeln.
Die Sicherheitslage im Görlitzer Park ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus gerückt, insbesondere nach einem mutmaßlichen Vorfall im Jahr 2023, der einen Sicherheitsgipfel nach sich zog. Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel hatte damals die Umzäunung und zeitliche Beschränkungen des Zugangs zum Park vorgeschlagen. Trotz dieser Maßnahmen bleibt unklar, ob die Drehkreuze, die nach der Schließung installiert werden, für Rollstuhlfahrende passierbar sind. Bezirksbürgermeisterin Herrmann hat jedoch betont, dass es Schiebetore geben wird, die für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich sind.
Soziale Herausforderungen im Fokus
Die Diskussion um die Schließung des Görlitzer Parks wirft grundlegende Fragen zur sozialen Infrastruktur in Berlin auf. Der Bezirk hat bereits klare Beschlüsse gefasst, um alternative Investitionen zu fördern, die effektiver zur Lösung sozialer Probleme beitragen könnten. Dazu zählen der Ausbau von aufsuchender Sozialarbeit mit mehr Streetworkerinnen im Görlitzer Park, die ganzjährige Öffnung des Nachtwärmecafés am Kottbusser Tor, sowie erweiterte Öffnungszeiten der Drogenkonsumräume.
Die Sorgen der Anwohnenden über die Verlagerung von sozialen Problemlagen in Hauseingänge, Hinterhöfe, Spielplätze und U-Bahnhöfe sind nicht unbegründet. Die hohen Kosten für den Bau der Toranlagen und die Beauftragung eines privaten Schließdienstes könnten an anderer Stelle fehlen, wo sie möglicherweise mehr bewirken könnten. In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen bleibt abzuwarten, wie die Maßnahmen zur Schließung des Parks langfristig die soziale Situation in der Umgebung beeinflussen werden.
Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die Artikel von Tagesspiegel, nd-aktuell und Berlin.de lesen.