Heute ist der 5.03.2026 und die Entscheidung der Stiftung Exilmuseum Berlin, ihre Pläne für einen Neubau in Kreuzberg aufzugeben, sorgt für Aufregung im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Wie der Tagesspiegel berichtete, hat die Stiftung argumentiert, dass die Kosten für das Mega-Projekt auf 130 Millionen Euro gestiegen sind und diese Summe nicht durch Crowdfunding oder andere Spendenformate aufgebracht werden kann. Dies geschah nach einer bereits durchgeführten Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der auch der Denkmalschutz dem Vorhaben zugestimmt hatte. Der Bezirk hatte das Projekt aktiv unterstützt und war in gutem Kontakt mit der Stiftung.

Besonders interessant ist, dass die Stiftung nun plant, das Exilmuseum in einem kleineren Format in einer denkmalgeschützten Villa an der Fasanenstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf umzusetzen. Diese Villa war früher Standort des Käthe-Kollwitz-Museums, das 2022 umzog. Während der Anhalter Bahnhof, der als idealer Standort für das Museum galt, aufgrund seiner Geschichte als Flucht- und Deportationsort, bereits in den Fokus rückte, bleibt die Frage, wie die neue Umsetzung konkret aussehen wird.

Neues Konzept und zukünftige Pläne

Das Exilmuseum wird voraussichtlich 2028 in der Fasanenstraße 24 eröffnet. Aktuell befindet sich dort die „Werkstatt Exilmuseum“, die bereits an der Entwicklung des Museums arbeitet und regelmäßig Ausstellungen zeigt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Bildung und Vermittlung für Schulklassen, die sich mit Themen wie Ausgrenzung, Flucht und Ankommen im Exil auseinandersetzen. Das Museum wird sich auf die Zeit von 1933 bis 1945 konzentrieren, als etwa eine halbe Million Menschen, insbesondere Jüdinnen und Juden sowie politisch Verfolgte, ins Exil flohen.

Die Stiftung hat auch angekündigt, dass am Anhalter Bahnhof ab 2025 eine Ausstellungsreihe künstlerischer Installationen startet. Langfristig ist ein Neubau auf der Freifläche zwischen der Portalruine des Anhalter Bahnhofs und einem angrenzenden Fußballplatz geplant. Der internationale Architekturwettbewerb, den die Stiftung ausgeschrieben hat, wurde von der dänischen Architektin Dorte Mandrup gewonnen. Ihr beeindruckender Entwurf zeichnet sich durch eine bogenförmig geschwungene Front aus, die die Ruine des Eingangsportals umschließt.

Herausforderungen und Möglichkeiten

Obwohl die Pläne für den Neubau in Kreuzberg nicht gänzlich vom Tisch sind, kann die Stiftung derzeit keine Informationen zur zukünftigen Umsetzung geben. Der Anhalter Bahnhof, der einst ein zentraler Fluchtort für viele Verfolgte war, wird weiterhin eine wichtige Rolle in der Arbeit der Stiftung spielen. Direkt gegenüber befindet sich das „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, das sich mit Fragen des Exils beschäftigt und die Bedeutung dieser Thematik unterstreicht.

Mit Herta Müller, der Literaturnobelpreisträgerin, als Schirmherrin hat das Exilmuseum eine prominente Unterstützung, die das Augenmerk auf die kulturelle und historische Bedeutung des Projekts lenkt. Die Stiftung Exilmuseum hat zudem ein breites Netzwerk aus weltweiten Partnerschaften und Kooperationen aufgebaut, was die Relevanz und Reichweite des Museums steigert.

Die Entwicklungen rund um das Exilmuseum zeigen, wie komplex und herausfordernd die Umsetzung solcher Projekte sein kann, besonders in Anbetracht der finanziellen Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit, historische Themen sensibel zu behandeln. Die Planungen und der Fokus auf Bildung und Vermittlung sind jedoch ein Lichtblick und bieten viele Möglichkeiten für zukünftige Generationen.