Heute ist der 20.02.2026. Im Zentrum der aktuellen Debatte um Pressefreiheit und die Gefahren für Journalisten steht Can Dündar, ein prominenter Exil-Journalist aus der Türkei. Dündar, der früher Chefredakteur der angesehenen Zeitung Cumhuriyet war, hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die ihn in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit gerückt hat. Er lebt heute im Exil in Berlin, wo er Dokumentarfilme dreht und die Kolumne „Meine Türkei“ für Die Zeit schreibt. Seine Arbeit hat ihn zu einem wichtigen Stimme für die Pressefreiheit gemacht und ihm zahlreiche Auszeichnungen eingebracht, darunter den Titel Europäischer Journalist des Jahres 2017.
Die Situation eskalierte dramatisch, als Dündar einen Brief von Serkan Kurtuluş, einem türkischen Häftling in Buenos Aires, erhielt. In diesem Brief gab Kurtuluş an, einen Auftrag zum Mord an Dündar erhalten zu haben und versprach, brisante Informationen bereitzustellen. Dündar ist seit seiner Berichterstattung über geheime Waffenlieferungen der Türkei an eine verbotene syrische Islamistenorganisation zum Feind des türkischen Präsidenten Erdoğan erklärt worden. Dies führte zu einem Urteil, das ihn in Abwesenheit zu 27 Jahren Haft verurteilte. Zudem überlebte er einen Mordanschlag vor einem Gerichtsgebäude, bei dem ein Auftragskiller auf ihn angesetzt war.
Die Enthüllungen über Waffenlieferungen
Ein zentrales Thema in Dündars Journalismus sind die geheimen Deals zwischen demokratischen und autokratischen Regierungen sowie deren Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Im Januar 2014 wurden drei Lkw auf einer Autobahn im Süden der Türkei gestoppt, die Medikamentenkisten transportierten, in denen Munition versteckt war. Diese Lieferung war im Auftrag des türkischen Geheimdienstes und sollte angeblich dem „Islamischen Staat“ zugutekommen. Nach Interventionen auf hoher politischer Ebene konnten die Lkw jedoch weiterfahren. Dündar entschied sich, gemeinsam mit seinem Team für die Cumhuriyet über den Vorfall zu berichten, was zu einer juristischen Kampagne gegen ihn führte, in deren Rahmen er der Spionage und des Verrats von Staatsgeheimnissen beschuldigt wurde.
In seinem Buch „Ich traf meinen Mörder“ behandelt Dündar nicht nur die Geschichte der Waffenlieferung, sondern auch seine persönlichen Erfahrungen. Er dokumentiert darin Interviews mit mehreren Informanten und zeichnet ein Bild von der wachsenden Verflechtung zwischen dem türkischen Staat und organisiertem Verbrechen. Es wird deutlich, dass mafiöse Gruppen enge Verbindungen zur Regierung haben und der Geheimdienst genutzt wird, um politische Gegner zu verfolgen und zu attackieren.
Veranstaltung zur europäischen Literatur
Um das Bewusstsein für die wichtige Rolle der Literatur und der Pressefreiheit zu schärfen, findet am 9. Mai 2026 um 21 Uhr in der Mittelpunktbibliothek Wilhelm Liebknecht / Namik Kemal in Kreuzberg eine Veranstaltung zur europäischen Literatur statt. Der Eintritt ist frei und eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Diese Veranstaltung bietet eine Plattform, um über die Herausforderungen und Gefahren zu diskutieren, denen Journalisten wie Dündar ausgesetzt sind. Es ist ein Aufruf zur Solidarität mit denjenigen, die in Ländern leben, in denen die Pressefreiheit stark eingeschränkt ist.
In Anbetracht der aktuellen geopolitischen Entwicklungen und der globalen Herausforderungen für die Menschenrechte bleibt Dündars Geschichte nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern ein warnendes Beispiel für die Gefahren, die Journalisten in autoritären Regimen drohen. Seine Arbeit und sein Mut sind entscheidend für die Aufrechterhaltung der Meinungsfreiheit und für den Kampf gegen die Unterdrückung von Informationen.
Für weitere Informationen zu Can Dündars Geschichte und der Veranstaltung besuchen Sie bitte die Webseite der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg.
Zusätzliche Details zu den Hintergründen der Waffenlieferungen und Dündars Erfahrungen finden Sie auch in diesem Artikel von BR.de.