In den letzten Wochen kam es in Berlin-Kreuzberg zu mehreren Vorfällen, die die besorgniserregende Problematik queerfeindlicher Gewalt in den Fokus rücken. Besonders alarmierend ist, dass der Staatsschutz, der für politisch motivierte Straftaten zuständig ist, bereits die Ermittlungen in mehreren dieser Fälle übernommen hat. So erging es auch einer 30-jährigen Frau, die in der Nacht auf der Schlesischen Straße von einem Mann angegriffen wurde. Der Angreifer hatte sie zunächst auf ihr Aussehen angesprochen, bevor er, als sie weitergehen wollte, gewaltsam eingriff und sie mehrfach ins Gesicht schlug. Die 30-Jährige erlitt dabei Gesichtsverletzungen, die eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich machten. Weitere Informationen zu diesem Vorfall finden sich in einem Bericht des Tagesspiegel.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich am Sonntagabend in Kreuzberg, als eine 25-jährige Frau und eine 26-jährige Transfrau nach einem Besuch im Fitnessstudio in der Skalitzer Straße von zwei Unbekannten verfolgt wurden. Einer der Männer versuchte, gegen den Schuh der 26-Jährigen zu treten, auf dem eine Regenbogenflagge abgebildet ist. Nachdem sich die Unbekannten zunächst entfernt hatten, begegneten die Frauen ihnen später am U-Bahnhof Kottbusser Tor erneut. Dort folgten die Männer den Frauen auf den Bahnsteig und einer der beiden spuckte sie an, bevor sie sich wieder zurückzogen. Auch in diesem Fall hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, wie aus einer Polizeimeldung hervorgeht.

Ein besorgniserregender Trend

Die jüngsten Vorfälle stehen im Kontext eines besorgniserregenden Anstiegs queerfeindlicher Straftaten in Deutschland. Laut der aktuellen Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) wurden im Jahr 2023 insgesamt 17.007 Fälle von Hasskriminalität registriert, wobei 1.785 dieser Straftaten speziell gegen die LSBTIQ-Gemeinschaft gerichtet waren. Dies entspricht einem signifikanten Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als noch 1.188 Vorfälle registriert wurden. Besonders alarmierend ist die Zunahme von Gewalttaten gegen LSBTIQ, die in diesem Jahr bereits 212 Opfer zu beklagen hatten, im Vergleich zu 197 im Jahr 2022. Die Gründe für diese Zunahme sind vielfältig und könnten sowohl mit einer steigenden Sichtbarkeit der LSBTIQ-Gemeinschaft als auch mit einer zunehmenden Bereitschaft zur Anzeige von Straftaten in Verbindung gebracht werden, wie das BKA in seiner Lagebild feststellt.

Die Dunkelfeld-Studie „A long way to go for LGBTI equality“ aus dem Jahr 2020 zeigt jedoch, dass 96% der LSBTIQ-Personen Hate Speech und 87% körperliche oder sexuelle Übergriffe nicht zur Anzeige bringen. Gründe hierfür sind häufig das Gefühl, dass die Vergehen als „zu gering oder nicht ernst genug“ wahrgenommen werden, sowie die Angst vor homo- oder transphoben Reaktionen der Polizei. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Institutionen wie das BKA sich aktiv für Vielfalt und gegen Diskriminierung einsetzen. So wurde anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie die Regenbogenflagge gehisst, um ein Zeichen für Toleranz zu setzen.