In Berlin-Friedrichshain gibt es derzeit gute Nachrichten für das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ), das 1981 eröffnet wurde und in der DDR Millionen Besucher anlockte. Das Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg hat die Abrissarbeiten am SEZ gestoppt, was viele Unterstützer des Gebäudes erfreut. Der Grund für diesen Stopp sind artenschutzrechtliche Bedenken, die in den letzten Wochen immer lauter wurden.
Das SEZ sollte ursprünglich abgerissen werden, um Platz für den Bau von über 600 neuen Wohnungen zu schaffen. Zusätzlich waren eine neue Sporthalle und eine Schule geplant. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) war für dieses Projekt verantwortlich. Bausenator Christian Gaebler (SPD) äußerte sich kritisch zu der Entscheidung des Bezirksamtes und betonte, dass man nicht jahrelang warten könne, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In den letzten Wochen gab es bereits Baggerarbeiten auf dem Areal, die jedoch vom Bezirk gestoppt wurden.
Konflikt zwischen Wohnungsbau und Naturschutz
Die Entscheidung, die Abrisspläne zu stoppen, wurde von den Verbänden NaturFreunde Berlin und Gemeingut in BürgerInnenhand beantragt. Uwe Hiksch von den NaturFreunden wies darauf hin, dass der Abriss geschützte Arten und deren Lebensstätten gefährden könnte, insbesondere während der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit. In einem offenen Brief forderten mehr als 150 Wissenschaftler den Erhalt des SEZ, was die Diskussion um den Standort weiter anheizte.
Das Grundstück und das Freizeitbad wurden im Jahr 2003 an einen Investor verkauft, und das SEZ sollte 2024 zwangsgeräumt werden. Die WBM hatte argumentiert, dass es sich bei den durchgeführten Baggerarbeiten nur um Vorbereitungen für den späteren Abriss handelte. Doch nun stellt sich die Frage, wie es mit den Plänen für den Wohnungsbau weitergeht, während gleichzeitig der Schutz der Natur und der geschützten Arten berücksichtigt werden muss.
Stadtentwicklung und Umweltbewusstsein
Die Diskussion um das SEZ ist Teil eines größeren Trends in der Stadtentwicklung. Die Bundesregierung hatte bereits 2002 das Ziel formuliert, die Flächenneuinanspruchnahme bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Kommunen sind verpflichtet, flächensparende Innenentwicklung zu fördern, insbesondere durch Nachverdichtung und die Wieder- bzw. Umnutzung brachgefallener Flächen. Diese Herausforderungen sind besonders in großen Städten wie Berlin relevant, wo der Bedeutungsgewinn der Stadtzentren und die Abnahme der Abwanderung aus städtischen Räumen zu beobachten sind.
Die Notwendigkeit eines konsistenten Leitbildes für nachhaltige Stadtentwicklung, wie beispielsweise die Leipzig Charta, wird dabei immer deutlicher. Ziel ist es, kompakte, gemischt genutzte Siedlungsstrukturen zu schaffen, die kurze Wege zu Daseinsvorsorgeeinrichtungen ermöglichen. Gleichzeitig muss die Herausforderung gemeistert werden, hohe bauliche Dichten mit einer hohen Umwelt- und Aufenthaltsqualität in Einklang zu bringen.
Die Situation rund um das SEZ zeigt eindrucksvoll, wie komplex die Balance zwischen Wohnraumschaffung und Naturschutz ist. Der weitere Verlauf der Pläne wird mit Spannung verfolgt, während die Diskussion über die Zukunft des Standorts und die Einhaltung von Umwelt- und Artenschutzgesetzen weitergeht. Weitere Informationen zu den Hintergründen und den laufenden Entwicklungen sind unter ND Aktuell und t-online zu finden.